Hitzige Debatte im Visselhöveder Ausschuss

Feuerwehr-Fusion vertagt

Die Schwitscher Wehr machte am Dienstagabend Werbung in eigener Sache.
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Die Schwitscher Wehr machte am Dienstagabend Werbung in eigener Sache.

Visselhövede – Die Feuerwehren aus Schwitschen und Hiddingen werden zusammengelegt. Und zwar so, wie es der von einem externen Büro erarbeitende Bedarfsplan vorsieht. Darin waren sich am Dienstagabend während der mehrstündigen und teilweise hitzig geführten Diskussion alle Mitglieder des Visselhöveder Feuerwehrausschusses einig. Allerdings wurde weder darüber ein verbindlicher Beschluss gefasst, noch über eine genaue Terminierung der Fusion – und auch nicht über die von der Verwaltung vorgeschlagene Auflösung der Schwitscher Ortswehr zum 1. Januar 2022, bei gleichzeitigem Übergang der Einsatzkräfte in die Wehr des Nachbarortes.

Eine Abstimmung gab es aber doch: Und zwar müssen sich jetzt jeweils fünf Mitglieder beiden Ortsfeuerwehren, die bis Montag benannt werden müssen, bis Oktober ein Konzept überlegen, wie eine Zusammenlegung mit möglichst wenig Bauchschmerzen bei allen Beteiligten über die Bühne gehen kann. Der Feuerwehrausschuss will dafür in rund vier Wochen eine Extra-Sitzung einberufen, um den nötigen Rahmen dafür zu beschließen. Außerdem wird sich Bürgermeister Ralf Goebel um einen Mediator bemühen, der die Gespräche im Herbst „schlichtend und zielführend begleiten“ soll, wie Ausschussvorsitzender Tam Ofori-Thomas (SPD) forderte.

Zwar gab es bereits in den vergangenen knapp zwei Jahren unzählige ähnliche Gesprächsrunden, die ebenfalls moderiert worden waren, aber „offenbar beruhen die auf vielen Missverständnissen“, wie Heiner Gerken (Grüne) enttäuscht feststellte. „Es ist mir unverständlich, dass nach den vielen Runden Tischen eine Einigung signalisiert worden war und jetzt plötzlich davon nichts mehr zu spüren ist“, so Gerken.

Denn in der Debatte, an der sich sowohl die Schwitscher als auch die Hiddinger Feuerwehrführungen recht emotional beteiligten, wurde deutlich, wie weit das Tischtuch zwischen den beiden Gruppen doch zerschnitten ist.

Wenn wir irgendwann nicht mehr einsatzfähig sein sollten, würde ich einer sofortigen Zusammenlegung zustimmen, aber wir sind oft schneller am Einsatzgeschehen als die Hiddinger Kollegen

Henning Vesper, Schwitschens Ortsbrandmeister

Schwitschens Feuerwehrchef Henning Vesper sprach davon, dass „der Beschlussvorschlag der Verwaltung nicht der Wahrheit“ entspreche und dort Passagen enthalten seien, die „nicht die Ergebnisse der Gespräche“ widergeben würden. „Wenn wir irgendwann nicht mehr einsatzfähig sein sollten, würde ich einer sofortigen Zusammenlegung zustimmen, aber wir sind oft schneller am Einsatzgeschehen als die Hiddinger Kollegen.“ Sein Vize Malte Beutner kritisierte: „Auch andere Wehren haben Mitglieder, die außerhalb wohnen, aber uns wird das jetzt zur Last gelegt. Das grenzt schon an Manipulation.“ Beide Schwitscher betonten: „Wenn also irgendwann eine Zusammenlegung, dann auf Augenhöhe.“

Damit war unter anderem auch ein möglicher Name der gemeinsamen Ortswehr gemeint, der Hiddingen-Schwitschen oder andersherum heißen könnte. Dieser Idee widersprach Hannes Hartmann, der stellvertretende Hiddinger Ortsbrandmeister, allerdings energisch: „Wir nehmen die Schwitscher Kameraden gerne auf und sie könnten wie besprochen auch Führungsposten bekleiden, aber unseren Namen wollen wir schon gerne behalten.“

Auch Robert Rabes (SPD) Idee, die Zusammenlegung auf den 31. Dezember 2022 zu terminieren und den beiden Wehren bis September 2022 die Gelegenheit zu geben, ein Konzept für die Fusion, für die Fahrzeuge und ein mögliches neues Gebäude zu erarbeiten, fand keine Zustimmung. „Wir können aufgrund der aktuellen, verfahrenen Situation nicht darüber beschließen, dafür gibt es auch nach den ganzen Gesprächen noch zu viele Unklarheiten“, so Henning Vollmer (CDU), der aber auch ebenso wie Bürgermeister Ralf Goebel klarstellte, dass eine „keine Alternative“ zur Zusammenlegung gebe: „Da müssen wir dem Bedarfsplan schon folgen. Ein Kräftemessen dient nicht der Sachlichkeit“, so Goebel

Viele Mitglieder der Feuerwehren verfolgten die Ausschusssitzung.

Stadtbrandmeister Kai-Olaf Häring ist „nicht mit der Schließung einer Feuerwehr einverstanden“, sieht aber auch die Lage der Stadt und muss den Blick auf den „Nutzen und die Wirtschaftlichkeit“ richten. So kommt er zu dem Schluss, dass für die Schwitscher Feuerwehr mit dem alten Gebäude und dem aktuellen Fahrzeug „keine Notwendigkeit“ mehr bestehe. „Aber es besteht die Notwendigkeit an den Feuerwehrleuten aus Schwitschen und darum halte ich daran fest, dass am Standort Hiddingen mit einem vernünftigen Gebäude- und Fahrzeugkonzept eine gut aufgestellte Wehr mit den Mitgliedern beider Wehren entstehen kann“, so Häring, Er sah sich „zuletzt sogar massiven Beschimpfungen“ ausgesetzt, „die ich nicht mehr hinnehmen werde“.

Stadtbrandmeister nimmt keine Beschimpfungen mehr hin

Schwitschens Ortsbürgermeisterin Dagmar Kühnast (SPD) erinnerte an die fast 100-jährige Tradition der Schwitscher Wehr, die ihre Einsatzfähigkeit als kleinste Wehr des Stadtgebiets immer wieder unter Beweis gestellt habe. „Beide Wehren müssen eine Zusammenlegung aber auch wollen. Damit ein Neustart gelingt, sind wir im Ortsrat der Meinung, dass eine Auflösung beider Wehren kein Tabu sein sollte. So können bestehende Vorbehalte abgebaut werden.“ Nur unter dieser Bedingung könne der Ortsrat einer Zusammenlegung zustimmen, da aus seiner Sicht „akut keine Notwendigkeit besteht, die Schwitscher Wehr aufzulösen“.

Von Jens Wieters

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