Sonderunterricht für Visseler Grundschüler / Engagierte Lehrerinnen

Ferienschule gegen Wissenslücken

Deutschkurs auf Abstand und mit Spuckschutz während der Ferienschule.
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Deutschkurs auf Abstand und mit Spuckschutz während der Ferienschule.

Visselhövede – „Das ist ein Stuhl“, sagt die kleine Widaa und zeigt auf eine Memory-Karte, auf die Nele Nareike getippt hat. Drei Monate war die Sechsjährige nicht in der Schule, denn sie kam erst kurz vor dem Corona-Lockdown in Visselhövede mit ihrer aus Syrien geflüchteten Familie an. Und jetzt versucht sie gemeinsam mit ihrer Schwester und den Cousinen, den verpassten Lernstoff nachzuholen. In der Schule? In den Ferien?

„Ja“, sagt Catrin Puschmann, Leiterin der Visselhöveder Kastanien-Grundschule, „in den Ferien. Und zwar bei unserer erstmals eingerichteten Sommerschule.“ Zwei Wochen lang werden die Erst- bis Viertklässler von einem siebenköpfigen Team aus Lehrerinnen, pädagogischen Mitarbeitern und den beiden jungen Frauen des Bundesfreiwilligendienstes in den Räumen der Oberschule an der Lönsstraße unterrichtet, weil in der Grundschule ja bekanntlich die Bauarbeiter mit der Anbindung des Gebäudes an den Primar Campus beschäftigt sind.

„Insgesamt 17 Kinder sind in diesen zwei Wochen dabei“, informiert die Rektorin. Sie war gemeinsam mit dem Kollegium auf die Idee der Sommer-Ferienschule gekommen, weil das Homeschooling, das Lernen Zuhause am Computer während der coronabedingten Schließung der Schule, nicht bei allen Kindern richtig gut geklappt hat. „Da haben wir uns entschlossen, diese Art von Nachhilfe anzubieten.“

Der Unterricht wird aber auch von den Kindern besucht, deren Eltern in den sogenannten systemrelevanten Berufen zum Beispiel im Krankenhaus oder bei der Polizei tätig sind und die einen Großteil ihres Urlaubs schon während des Höhepunkts der Corona-Krise verbraucht haben. „Darum gibt es in der Sommerschule eine Art Notbetreuung mit den verbindlichen Zeiten von 7.40 bis 12.20 Uhr“, so Puschmann.

Besonders die Fächer Mathematik und Deutsch stehen in den zwei Wochen im Fokus. „Die Klassenlehrerinnen haben für jedes teilnehmende Kind eine Extra-Mappa angelegt, in der steht, wo Defizite aufgearbeitet werden sollten.“

Aber ganz bierernst geht es während der besonderen Schulzeit natürlich nicht zu, sondern bei gutem Wetter spielen und toben die Kinder auf dem Schulhof. Immer mit dabei: „Susi Sommerschule“, ein kleines Stoffpony, das den Kindern als Maskottchen dient.

Dass die vergangenen Monate bei den Kindern ganz tief in den Köpfen stecken und sie intensiv beschäftigen, wird an mehreren Beispielen deutlich. Denn während eines Ratespiels hat die kleine Jolina sechs Querstriche an die Tafel gemalt. Ihre beiden Mitschüler Max und Emily sollen obendrüber bestimmte Buchstaben einfügen, die ein Wort ergeben müssen. Die Lösung: Corona.

„Und auch auf den von den Schülern erstellten Bildern sieht man jetzt immer mehr Menschen, die eine Maske vor dem Gesicht tragen“, berichtet Susanne Euhus, die eigentlich seit dem Ende des normalen Schuljahrs im Ruhestand ist, aber für die es selbstverständlich war, sofort den Finger zu heben, als Catrin Puschmann Freiwillige für die Ferienschule gesucht hat. Die Rektorin ist voll des Lobes über ihr Kollegium: „Es war nämlich überhaupt kein Problem, wir hatten das Team ruckzuck zusammen.“

Extra-Geld oder Sonderurlaub bekommen die Lehrerinnen übrigens nicht für diese beiden Wochen. Das hatte auch Bürgermeister Ralf Goebel während der vergangenen Ratssitzung nochmal ausdrücklich betont. „Der Ausfall von Präsenzunterricht hat bei einigen Schülern zu Lernrückständen geführt, die sie im Rahmen des regulären Präsenzunterrichts nicht oder nur schwer aufholen können. Darum gibt es dieses Förderangebot, und den Lehrerinnen kann ich nur ein dickes Dankeschön zurufen, Das ist schon etwas Besonderes und findet man nicht überall.“

Und so lernen nicht nur Widaa und ihre Schwester wie der Standard-Hausrat auf Deutsch heißt, sondern in einem anderen Raum werden Max, Emily und Jolina in die ersten Geheimnisse der Mathematik eingeweiht.

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