Erfolgreiche Friedhofsgebühren-Recherche

Falsche Abrechnungen: Bürger bekommen Geld zurück

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Die sogenannten Pflegewahlgräber auf dem Visselhöveder Friedhof wurden offenbar sechs Jahre lang falsch abrechnet. Ein hartnäckiger Bürger hat den Fehler jetzt erkannt.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Nicht jeder blickt durch die gemeindlichen Satzungen, Verordnungen und Paragrafen durch. Das ist bei Uwe Holsten anders. Der Visselhöveder beschäftigt sich nämlich intensiv mit der Papierflut. Und er hat durch seine Recherche erreicht, dass einige Visselhöveder Geld von der Stadt zurückbekommen, denn die Kommune hatte bei der Abrechnung für den Erwerb eines Pflegewahlgrabs einen Fehler gemacht.

„Nach dem Tod und dem Begräbnis meiner Tante im Februar 2016 habe ich mir die verschiedenen Gebührenbescheide des Friedhofsgärtners und der Stadt genauer angeschaut und dabei festgestellt, dass manche Leistungen doppelt abgerechnet wurden“, berichtet der Rentner.

Zwar seien es nicht die großen Summen, sondern Beträge von rund 170 Euro, so Holsten, aber ihm gehe es ums Prinzip. „Denn ich bin bestimmt kein Einzelfall“, vermutet er.

Sofort habe er dem zuständigen Sachbearbeiter im Visselhöveder Rathaus einen Brief geschrieben und auf die Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht. „Zunächst kam aber nur die Antwort, dass alles rechtens sei“, so Holsten.

Es folgten zahlreiche Briefwechsel und im Laufe der Zeit hat Holsten auch das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises informiert. Offenbar habe aber zum Jahreswechsel ein Umdenken im Visselhöveder Rathaus eingesetzt. „Weil auch wir plötzlich Post bekommen haben, wo uns eine Rückerstattung angekündigt wurde“, erzählt Holsten.

„Merkwürdige Abrechnungsmodalitäten“

„Denn nach dem Tod der Schwiegermutter im März 2017 gab es eine ganz andere Rechnung. So war das Abfahren des Grabhügels plötzlich deutlich günstiger. Das sind schon merkwürdige Abrechnungsmodalitäten“, sagte sich Holsten und schaltete sogar das Landeskriminalamt ein, weil er wissen wollte, wie „diese Arbeitsweise mit der Antikorruptionsrichtlinie“ des Ministeriums für Inneres und Sport in Einklang zu bringen ist.“

Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel weist Mutmaßungen in diese Richtung weit von sich und klärt auf: „Ja, bei der Abrechnung der Gebühren beim Erwerb eines Pflegewahlgrabs ist es in der Vergangenheit leider zu einem Fehler gekommen.“

Die Politik habe 2010, also lange bevor die jetzt amtierenden Personen mit der Angelegenheit betraut wurden, die Gebührensatzung geändert. „Leider hat danach die Kommunikation zwischen dem zuständigen Sachbearbeiter und der von uns beauftragten externen Friedhofsgärtnerei nicht geklappt, sodass bis 2016 verschiedene Leistungen doppelt abgerechnet worden sind“, erklärt Goebel, der dem „Bürger Uwe Holsten sehr dankbar ist“, dass er die Verwaltung auf die falschen Abrechnungen aufmerksam gemacht habe. „Diesen Fehler haben wir jetzt aber geheilt und den zwölf infrage kommenden Familienangehörigen die zuviel gezahlten Gebühren wieder zurücküberwiesen.“ Das sprenge nun aber beileibe nicht den städtischen Haushalt des laufenden Jahres, sondern es handele sich lediglich um „rund 170 Euro pro Fall“, hat der Bürgermeister errechnet.

Für Uwe Holsten steht aber fest, dass er künftig „jede Post und jeden Gebührenbescheid“ aus dem Rathaus genauestens prüfe und nachrechne. „Das kann ich nur jedem empfehlen.“

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