Training für Senioren

Autofahren im Alter – aber sicher

+
Moderator Harald Trisch gab den Teilnehmern des Trainings „Fit im Auto“ wichtige praktische Tipps zum richtigen Fahrverhalten.

Rotenburg/Visselhövede - Von Heinz Goldstein. Den Wunsch mobil zu sein und aktiv als Autofahrer am Straßenverkehr bis ins hohe Alter teilzunehmen – und das natürlich sicher für alle Beteiligten, haben viele ältere Menschen. Es fällt den Senioren schwer, ihr Verhalten am Steuer objektiv zu beurteilen.

Oft übernehmen die Kinder oder Enkel die Aufgabe, die Fahrweise zu kritisieren, was aber nicht unbedingt auf Gegenliebe des Fahrers stößt. Seit Jahren bietet die Verkehrswacht Rotenburg Autofahrern im Seniorenalter die Möglichkeit, das eigene Können am Steuer praktisch zu testen und gemeinsam mit Experten zu hinterfragen. Neben elf weiteren Teilnehmern nahm auch Beate Commandeur aus Visselhövede das Angebot wahr. Und das nicht ohne Grund.

Sie besitzt seit 50 Jahren einen Führerschein, aber hat niemanden, der ihren Fahrstil beurteilen beziehungsweise auf Fehler hinweisen kann. „Ich hatte in den letzten Jahren so ein paar kleine Zwischenfälle mit meinem Auto im Straßenverkehr – und das alles, nachdem ich zuvor 45 Jahre unfallfrei gefahren bin“, erklärt die Teilnehmerin, die in der Peripherie der Heidestadt wohnt. „Ich bin auf das Auto angewiesen. Ich lebe allein“, so die Seniorin. Sie sei auf die eigene subjektive Einschätzung ihres Fahrvermögens angewiesen – und das war ihr nicht genug. Darum hatte sie sich für das Fahrtraining auf dem Gelände des Rotenburger Flugplatzes angemeldet.

Beate Commandeur aus Visselhövede nahm die Gelegenheit wahr, sich von Experten beim Verkehrssicherheitstraining beurteilen und beraten zu lassen.

„Es waren drei kleine Sachen, die letztlich ausschlaggebend für meine Entscheidung waren“, erzählt die leicht verunsicherte Frau hinterm Steuer. Von den drei Vorkommnissen habe sie sich selbst zweimal geschädigt. Nur einmal sei bisher jemand ganz wenig zu Schaden gekommen. „Das hat mir dennoch zu denken gegeben. Ich war nach meinem Empfinden zu übermütig geworden. Nun will ich mich von neutralen Experten beurteilen lassen und mir Ratschläge und einige Tipps holen.“

Eine Hand voll hilfreicher Experten

Und da war sie bei dem Bezirksvorsitzenden des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen, Dieter Ebbert, dem Sicherheitstrainer für den praktischen Teil des Kurses, Harald Trischen, dem Fahrschullehrer Heinz Cordes, dem Verkehrsexperten der Rotenburger Polizei, Christoph Steinke, und den beiden Experten der Rotenburger Verkehrswacht, Winfried Reimann und Uwe Bausdorf genau richtig.

Bevor aber die Motoren gestartet wurden, informierte Steinke über gesetzliche Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung. Er beantwortete viele Fragen der Senioren zum Verhalten im Kreisverkehr – speziell zum Kreisel am Mühlenende, der nicht nur den älteren Verkehrsteilnehmern Kopfzerbrechen macht. Es werde dort nur selten beim Verlassen des Kreisels geblinkt. Zudem würden auch dort, wie bei vielen anderen Straßen, Radfahrer ohne abzusteigen, die Straße auf dem Zebrastreifen überqueren. Das habe bereits zu gefährlichen Situationen bei den Senioren geführt und sie verunsichert. Der Polizist stellte klar, dass die Radfahrer laut Gesetz absteigen müssen und falls es zu einem Unfall kommen sollte, nicht so einfach davonkommen.

Vollbremsungen in Kurven zunächst schwer

Der Theorie folgte dann die Praxis. In zwei Gruppen aufgeteilt fuhren sechs Senioren mit zwei Autos in die Stadt und steuerten neuralgische Punkte, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, an. Sie wurden dabei von den beiden Fahrlehrern Ebbert und Cordes als Beifahrer begleitet, die alle Knackpunkte genau kennen.

Die anderen sechs Damen und Herren des Fahrsicherheitstrainings begaben sich auf die Teststrecke auf dem Flugplatz. Das fing mit der richtigen Einstellung des Sitzes, des Sicherheitsgurtes und der richtigen Sitzhaltung an, ging über Slalomfahrten weiter und endete bei Vollbremsungen in Kurven. Letzteres fiel den Senioren zunächst sehr schwer, denn viele hatten ihre Fahrlizenz zu einer Zeit erworben, wo es noch kein ABS (Antiblockiersystem) gab, das beim Bremsen weniger Verschleiß an den Laufflächen der Räder ermöglicht. Typische Bremsplatten auf dem Reifen, wie zu damaliger Zeit sind so nicht möglich und das Auto bleibt lenkbar. Trotz der anfänglichen Skrupel stiegen am Ende alle Teilnehmer voll auf das Bremspedal.

Beim Abschlussgespräch reflektierten die Experten die Geschehnisse während des Trainings und zählten gegebenenfalls Defizite der einzelnen Teilnehmer auf. Die Senioren haben nach dem Training Zeit alles Erlebte in Ruhe zu überdenken. „Sicherlich wird der eine oder andere dabei sein, der durch einen weiteren Sicherheitskurs sein Verhalten nachbessern möchte“, fasste Reimann zusammen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Xi Jinping träumt von China als Weltmacht

Xi Jinping träumt von China als Weltmacht

Worauf freut ihr euch am meisten auf dem Freimarkt?

Worauf freut ihr euch am meisten auf dem Freimarkt?

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Meistgelesene Artikel

Aktionstag Umwelt in Fintel trotz Schmuddelwetter erfolgreich

Aktionstag Umwelt in Fintel trotz Schmuddelwetter erfolgreich

Ölspur: 18-Jähriger rutscht mit seinem Audi in Straßengraben

Ölspur: 18-Jähriger rutscht mit seinem Audi in Straßengraben

HVV-Tarifkonzept: Das sagen die Hauptverwaltungsbeamten 

HVV-Tarifkonzept: Das sagen die Hauptverwaltungsbeamten 

Interesse an Briefwahl in Scheeßel wächst

Interesse an Briefwahl in Scheeßel wächst

Kommentare