Experten informieren Umweltausschuss über Optimierungen in der Kläranlage

XXL-Wäscheschleuder statt Schilfbeet-Vererdung?

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Alles ein bisschen zu groß: das Sandfangbecken der Visselhöveder Kläranlage. Foto Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die Mitarbeiter des Visselhöveder Klärwerks sind zwar froh, dass ihre komplette Regeltechnik im vergangenen Jahr für viel Geld erneuert wurde, aber dennoch müssen sie damit leben, dass ihre Anlage erneut in den Fokus rückt. Denn um die einzelnen und überaus komplexen Prozesse der Abwasserreinigung zu optimieren, sind einige Maßnahmen nötig.

Die stellten jetzt Mitarbeiter der Technischen Universität Braunschweig dem Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und Energie vor. Und dabei wurde einmal mehr deutlich, dass die Kläranlage, in den 70er-Jahren mit Blick auf ein Bevölkerungswachstum gebaut, für die kleiner werdende Einwohnerzahl eher überdimensioniert ist.

„Das fängt bereits damit an, dass das Vorklärbecken zu groß ist und das Abwasser mit drei Stunden im Schnitt dort zu lange steht“, erklärte Professor Thomas Dockhorn. Das wiederum bringe die Klärung des Wassers im Belebungsbecken in Schwierigkeiten, wie der Fachmann die komplizierten Zusammenhänge vereinfacht erläuterte. „Kurz gesagt, das Vorklärbecken reinigt zu gut, als es für die nachfolgenden Klärstufen von Vorteil ist.“ Dockhorns Idee: Verkleinerung des Beckens mit einer Verweildauer des Abwassers von höchstens einer Stunde.

Aber auch die Probleme der Klärschlammvererdung wurden von Dockhorn und seinen Mitarbeiterinnen unter die Lupe genommen. Denn bekanntlich funktionierte das Schilfwachstum in den drei Absetzbecken am verlängerten Waldweg bereits von Beginn an nicht einwandfrei. Auch eine kostspielige Erweiterung der Becken brachte nicht den gewünschten Erfolg.

„Die Lösung könnte eine Zentrifuge sein, die den Klärschlamm komplett entwässert. Diese Technik macht eine Vererdungsanlage überflüssig“, erläuterte der Fachmann dem verblüfften Ausschuss, der von einer Art Wäscheschleuder im XXL-Format offenbar in diesem Zusammenhang noch nichts gehört hatte.

Dockhorn verschwieg auch nicht, dass eine Anschaffung nicht billig sei und solch ein Gerät viele Energie benötige, aber auch die Vererdung sei nicht kostenlos, auch weil die Stadt per Vertrag an die Herstellerfirma gebunden sei.

Heiner Gerken (Grüne) merkte an, dass sich wohl jeder „im Stadtrat von der Vererdungsanlage mehr versprochen“ habe und sie bisher häufig erweitert werden musste. „Von einer Zentrifuge hat uns damals niemand etwas erzählt.“

Ins gleiche Horn stieß Bauamtsleiter Gerd Köhnken: „Die Klärschlammvererdung wurde uns seinerzeit sehr gut verkauft und jetzt sind wir noch einige Jahre an die Firma gebunden.“

Der Experte hatte aber noch eine Idee im Gepäck, mit der sich die politischen Gremien in den kommenden Monaten ebenso auseinander setzen wollen wie mit den anderen Vorschlägen: „Bisher wird das Faulgas abgefackelt, mit Hilfe eines Blockheizkraftwerks könnte Strom produziert werden.“

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