Prozess-Auftakt nach brutalem Einbruch

300 Euro statt einer Viertelmillion

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Vor dem Verdener Landgericht hat gestern der Prozess gegen zwei Einbrecher begonnen.

Visselhövede/Verden - Von Wiebke Bruns. Von 250.000 Euro Beute waren die Angeklagten ausgegangen. Laut einem Tippgeber sollte es sich um Schwarzgeld aus dem Verkauf einer Immobilie handeln. Für die Täter scheinbar genug Geld, um einen 70-Jährigen in seinem Haus in Visselhövede brutal zu überfallen. Erbeutet wurden laut Anklageschrift jedoch lediglich 300 Euro. Seit Freitag wird der Fall am Landgericht Verden verhandelt.

Verantworten wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes müssen sich ein 39 Jahre alter Angeklagter aus Helmstedt und ein 41 Jahre alter Angeklagter aus Braunschweig. Am Nachmittag des 29. Januar 2017 hatten sie an der Wohnungstür des Opfers geklingelt und den Mann nach dem Öffnen so heftig ins Haus gedrängt, dass dieser zu Boden stürzte. Laut Anklageschriften wurde der Mann mit Kabelbindern gefesselt und sein Mund mit Klebeband verklebt. Dann sei er in den Keller geführt worden, um das Versteck des Geldes preiszugeben.

Zeitgleich habe es an der Haustür geklingelt. Es soll die Polizei gewesen sein, die ein Zeuge alarmiert hatte. Der 39-Jährige will sich noch schnell eine Geldtasche geschnappt haben, in dieser sollen sich die 300 Euro Beute befunden haben. „Wir sind dann hinten raus“, sagte der 39-Jährige am Freitag aus. Wie seinerzeit berichtet, wurde der 41-Jährige noch vor Ort festgenommen.

Der 39-Jährige konnte zunächst flüchten. Aktuell sitzen beide Männer in Untersuchungshaft.

Schulden wegen Kokainsucht

Am Tag zuvor wollen sie sich mit einem Johann in Walsrode getroffen haben. Ein Jonny, beschrieben als Schönling, sei bei dem Treffen ebenfalls dabei gewesen. Johann sei dann alleine mit dem 39-Jährigen nach Visselhövede gefahren, um diesem das Haus zu zeigen. „Ich sollte normalerweise einbrechen“, so der 39-Jährige. Doch dafür erschien ihm das Objekt nicht als geeignet. Johann habe aber Druck gemacht. „Er sagte, er kriegt noch Geld von mir“. Mit 10.000 bis 15.000 Euro bezifferte der Angeklagte seine Schulden, die aus seiner Kokainsucht entstanden seien.

Der Raub wurde auf den Folgetag verschoben. Abends wollen die Angeklagten gemeinsam Kokain konsumiert haben. Gemeinsam fuhren sie am nächsten Tag nach Visselhövede und überfielen den damals 70-Jährigen. „Aber die Tat war meine. Er hat versucht mich abzuhalten“, nahm der 39-Jährige seinen Freund in Schutz. Dieser habe ihn eigentlich nur nach Visselhövede fahren sollen.

Gekommen sei der Tipp auf das angebliche Schwarzgeld von einem engen Verwandten des Opfers. Dieser habe 100.000 Euro aus der Beute bekommen sollen. Johann und der 39-Jährige jeweils 75.000 Euro, wobei die Schulden noch abgezogen worden wären.

Welchen Preis die Angeklagten nun für die Tat bezahlen müssen, sollen sie bereits in der kommenden Woche erfahren. Drei Tage hat die 7. Große Strafkammer für den Prozess anberaumt.

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