Halle dicht / Lulu Effe bietet Gesundheitssport zwischen Büschen und Beeten

Die etwas andere Turnstunde

Fit im Alter: Für Elke Buchholz (v.l.), Sigrid Elfers und Gertrud Voigt, die immerhin schon 88 Jahre zählt, sind die Gymnastikübungen im Garten ein Geschenk des Himmels, so lange das Schwitscher Haus für Sport tabu ist. Fotos: Wieters

Schwitschen - Von Jens Wieters. „Das Gewicht aufs rechte Bein verlagern. Die Hände ganz nach oben. Und strecken! Na los, das schafft ihr.“ Annelore Effe, seit Jahrzehnten nur Lulu genannt, gibt Takt und Geschwindigkeit der Übungen vor, und Gertrud Voigt, Sigrid Elfers und Elke Buchholz recken ihre Arme weit in den Schwitscher Nachmittagshimmel, an dem sich an diesem Tag Sonne und Wolken abwechseln.

Denn aufgrund der Beschränkungen während der Corona-Pandemie sind auch die Freizeitsport-Aktivitäten beim SV Schwitschen arg eingeschränkt. Zwar dürfen einige Sparten wieder draußen aktiv sein und beispielsweise dem Ball hinterherlaufen, aber die Halle, in diesem Fall das Schwitscher Haus, bleiben für die Sportler tabu. „Aber wer rastet, der rostet“, bemüht Lulu Effe ein altes Sprichwort, das für sie maßgeblich ist. Denn mittlerweile zählt die Vorturnerin 78 Lenze und will „weiter fit bleiben“. Und genau das wollen auch ihre drei Nachbarinnen, die ebenfalls nicht mehr die Jüngsten sind: Gertrud Voigt als älteste Turnerin hat bereits ihren 88. Geburtstag hinter sich. „Und darum habe ich mir gedacht, dass wir die Übungsstunden einfach in meinen heimischen Garten verlegen“, sagt Effe, die die drei Frauen ab sofort jeden Montag zum Gesundheitssport zwischen Rhododendren und Blumentöpfen bittet. Dehn-, Kräftigungs- und Entspannungsübungen stehen dann jeweils auf dem Programm.

Effe versteht dieses Angebot als Alternative zu den üblichen Hallentrainingstagen und hofft, dass ihre nun ehemaligen Mitturnerinnen es ihr gleich tun und ebenfalls ihre Freundinnen und Nachbarinnen animieren, sich in den Gärten sportlich zu betätigen. „Weil es sicher noch viele Wochen dauern wird, bis wir wieder die beiden Termine montags und donnerstags im Schwitscher Haus besetzen können.“

Für die Übungen brauche es auch gar nicht viel. „Zum Beispiel reichen uns vieren ein paar Quadratmeter Rasenfläche und vier Garten-stühle. Die hat auf dem Land ja fast jeder zur Verfügung. Und die verschiedenen Übungen kennen wir alle aus dem normalen Training, und wer dabei Hilfe braucht, der kann sich gerne melden“, unterstreicht Effe, die ihr Leben lang Sport getrieben hat. Bereits als Siebenjährige habe sie im heimatlichen Birkenfeld an der Nahe im Turnverein erste sportliche Erfahrungen gesammelt. Für den SV Schwitschen war sie 15 Jahre als zweite Vorsitzende im Vorstand tätig. Seit 2005 ist Effe lizenzierte Übungsleiterin im Gesundheitssport. „Zunächst mit den Kursen Fitness und Entspannung für Frauen sowie einige Zeit später Fit bis ins hohe Alter.“

Neben diesen erwähnten Dauerangeboten gibt es mindestens einmal im Jahr Gesundheitskurse zur Bewältigung von Rückenproblemen, Bewegungsmangel und Stabilität im Alter sowie Indian Balance. Die von Annett Winter geleitete Männergymnastik und Fit Gym für Frauen sind ebenfalls feste Säulen im Gesundheitssport. Interessierte können sich gerne bei Lulu Effe unter der Telefonnummer 04262 / 4817 zu näheren Einzelheiten erkundigen.

„Genau diese Art von Sport ist für uns Ältere enorm wichtig, um vor allem mobil zu bleiben und das Herz-Kreislaufsystem zu kräftigen.“ Das könne in diesen Monaten mit dem drohenden Virus im Nacken sicherlich nicht schaden.

Lulu Effe wünscht sich, dass sich möglichst viele Senioren zusammentun, um in den Gärten mit gymnastischen Übungen „an der frischen Luft mal so richtig aufzutanken“. Selbstverständlich würden die Corona bedingten Abstände von zwei Metern von Person zu Person eingehalten. Auch ein Mund- und Nasenschutz könne getragen werden, und Desinfektionsmittel stellt Effe ebenfalls zur Verfügung.

Die Schwitscherin hofft, dass ihre kleine Gruppe eine Art Vorreiterin wird für viele ähnlich gelagerte nachbarschaftliche Turnstunden im ganzen Landkreis. „Denn nur auf dem Sofa sitzen, alleine Kuchen zu essen und betrübt auf diese schlimme Zeit schauen, bringt uns alle nicht weiter“, sagt Lulu Effe und fordert die drei Frauen auf, ihre Hände noch weiter in den Schwitscher Himmel zu strecken und dann wieder in die Knie zu gehen. „Und das macht sogar sehr viel Spaß“, sagt Gertrud Voigt. Mehr geht nicht.

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