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Für Ralf Goebel ist es eine Ehre

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Von: Guido Menker

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Ralf Goebel ist als Bürgermeister in der Verlängerung. Spätestens Ende März ist Feierabend für ihn.
Ralf Goebel ist als Bürgermeister in der Verlängerung. Spätestens Ende März ist Feierabend für ihn. © Menker

Visselhövede – Rund 130 Mitarbeiter der Visselhöveder Stadtverwaltung sind gespannt wie ein Flitzebogen. Wer wird neuer Bürgermeister und damit Nachfolger von Ralf Goebel? Eine Antwort wird vielleicht am Abend des 27. Februar, spätestens aber am 13. März fallen. Vier Kandidaten stehen zur Wahl – da ist es nicht unwahrscheinlich, dass eine Stichwahl die Entscheidung bringen muss. Goebel befindet sich seither in der Verlängerung – ist deswegen aber keineswegs böse: „Es ist mir eine Ehre, Bürgermeister dieser Stadt zu sein.“

Rückblick: Wenige Tage vor dem Wahltag im September des vergangenen Jahres gibt Gerald Lutz bekannt, das Amt im Falle eines Sieges aus persönlichen Gründen nicht annehmen zu können. Doch genau dazu ist es am Ende gekommen. Lutz setzt sich durch, seine Gegenkandidatin Sabine Schulz (parteilos, Einzelbewerberin mit Unterstützung von WiV und FDP) geht leer aus. Goebel hatte es schon geahnt. Für den Fall war er aber zunächst davon ausgegangen, dass der Erste Stadtrat Mathias Haase kommissarisch die Amtsgeschäfte des Verwaltungschefs übernehmen würde. Damit lag er jedoch falsch.

Goebel hätte das gefallen, denn er hatte bereits klare Pläne für die Zeit nach seinem Abschied aus dem Rathaus. Ein Plan, den er verschieben musste. Spätestens im März allerdings wird er nun seinen neuen Job als Geschäftsführer der Diakonie-Sozialstation Visselhövede / Bothel antreten. Dabei hätte der Amtsinhaber die Verlängerung auch ablehnen können, aber das sei für ihn nicht infrage gekommen. Der Grund ist ganz einfach: „Visselhövede ist mein lieb gewordener Heimatort.“ Hier will er bleiben, hier will er künftig an anderer Stelle weiterarbeiten. Und außerhalb der Politik möchte er sich darüber hinaus ebenfalls mit seiner Erfahrung einbringen.

Wie aber geht man als Bürgermeister mit einer solchen Situation um? Schließlich wäre es nicht verwunderlich, fühlte er sich irgendwo zwischen Baum und Borke. „Ich wollte nicht einfach nur den Platz weiter besetzen“, sagt Goebel. Nein, er wollte voll am Ball bleiben mit vorausschauenden Entscheidungen.

„Ich wollte weitere Dinge anschieben, die meine Handschrift tragen.“ Als Beispiele nennt er nicht nur die Bemühungen, um eine Verkehrsanbindung zwischen Visselhövede und Walsrode auf der Basis des „AstROW“-Projektes voranzubringen, sondern auch die Gewerbegebietserweiterungen in der Stadt. Goebel: „Da verhandele ich.“ Es gehe schließlich um Perspektiven für die Kleinstadt mit etwas weniger als 10 000 Einwohnern.

Die Verlängerung sei also eine Zeit, die sich nutzen lasse. Zum Beispiel auch für die Besetzung einer Koordinierungsstelle im Bereich der städtischen Kitas. Klar, er hätte sich auch sagen können „Lass’ das doch den nächsten Bürgermeister machen“, aber: „Das ist nicht mein Ding“, betont Goebel, dem die Freude an seinem Job nach wie vor anzumerken ist.

„Es ist ja auch eine Aufgabe, die Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Dabei darf man sich jedoch nicht zurückziehen und alles nur delegieren. Dafür ist diese Stadt einfach zu klein.“ Mit dieser Einschätzung für den Chefposten im Rathaus lässt sich ein Signal an den Nachfolger beziehungsweise an die Nachfolgerin erkennen.

Mehr ist von Goebel dann jedoch nicht zu erfahren von dem, wie er die vier Kandidaten für den 27. Februar einschätzt. „Ich bin Wahlleiter – allein schon deshalb halte ich mich zurück.“

Nur so viel noch: In einer kleinen Stadt wie Visselhövede müsse der Bürgermeister sowohl in Sachen Personalführung als auch im gesamten administrativen Bereich tätig sein. „In einer größeren Stadt arbeitet man vielleicht auch mehr politisch.“

Es soll kein Abschiedsgespräch mit Ralf Goebel werden, und doch wirft er stellenweise einen Blick zurück. Auf seine eigene Wahl etwa. SPD und CDU hatten ihn unterstützt. „Das war nicht unumstritten“, weiß er. Und so sei er letztendlich froh darüber gewesen, in Eckhard Langanke einen Gegenkandidaten gehabt zu haben. Somit stand den Wählern eine Alternative zur Verfügung. Ein Jahr lang habe er Wahlkampf gemacht. „Klinkenputzen“ gehörte dazu. „So habe ich in diesen Monaten gleich ganz viele Menschen hier kennengelernt.“ Die, die jetzt auf dem Wahlzettel stehen und sein Nachfolger werden möchten, haben es da schon schwieriger. „Das ist schade“, sagt Goebel. Die Pandemie lasse einen Wahlkampf, wie er ihn absolviert hat, nicht mehr zu.

Schon vor mehr als zwei Jahren hat Goebel bekanntgegeben, nicht noch einmal zur Wahl anzutreten. „Damit habe ich den Beteiligten die Zeit gegeben, sich nach Kandidaten umzuschauen. Ich empfinde dieses Bürgermeisteramt wirklich als etwas Besonderes, es ist nicht einfach nur ein Job.“ Als Chef der Verwaltung sei man eine Art „Klassensprecher“ und zugleich der Repräsentant der Stadt. Der Bürgermeister kann Ideen entwickeln, Gruppen zusammenführen, um Visionen zu entwickeln. Goebels Vision über seine Amtszeit hinaus: Er wünscht sich, dass die Anzahl der Einwohner wieder die Marke von 10 000 knackt.

Sollte das gelingen, wird es ein anderer verkünden. Goebel hofft weiter darauf, ist derweil allerdings froh, künftig weniger eingesetzt zu sein. Damit werden die 60-Stunden-Wochen der Vergangenheit angehören. „Deshalb höre ich auch auf.“ Der 62-Jährige hat sich für eine halbe Stelle in der Diakonie-Sozialstation entschieden.

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