Theaterschaffende ziehen Fazit über den Open-Air-Theatersommer

„Es hat sich alles seltsam gut gefügt“

Beim Theatersommer geben Karin Schroeder und ihr Mitstreiter Moritz von Zeddelmann alles, um das Publikum zu begeistern.
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Beim Theatersommer geben Karin Schroeder und ihr Mitstreiter Moritz von Zeddelmann alles, um das Publikum zu begeistern.

Hütthof – Seit Mitte März wurde die Bühne des Theaters Metronom in Hütthof nicht betreten. Theater wurde trotzdem gemacht, und zwar unter freiem Himmel auf dem nahegelegenen Piratenplatz in Hartböhn. Der Theatersommer: Notnagel oder zukunftsfähiges Konzept? Die Initiatorin vom Theater Metronom, Karin Schroeder, wagt mit Mitstreiter Moritz von Zeddelmann einen Rück- und Ausblick.

Viele Menschen beklagen heutzutage den Wegfall von Kultur, nichtsdestotrotz werden die wenigen Veranstaltungen spärlich besucht. Wie war die Resonanz der Zuschauer auf den Theatersommer?

Karin Schroeder: Super, bis auf eine Vorstellung waren wir an allen elf Abenden restlos ausverkauft. Für die letzte Sommertheaternacht mussten wir das Kartentelefon schon drei Wochen vorher sperren. Die Ausrufe auf dem Anrufbeantworter „Och nö!“ oder „Ach wie schade“, das war schon verrückt. Die Danke-Mails, die immer noch eintrudeln, zeigen uns, dass es den Zuschauern genauso viel Freude gemacht hat wie uns.

Moritz von Zeddelmann: Manchmal erinnert man sich später bei einem Stück nicht an bestimmte Szenen oder Zitate, sondern an das Gefühl in der Seele. Bei mir wird das mit dem „Teufel“ so sein.

Und finanziell – war der Theatersommer ebenfalls ein Erfolg?

Schroeder: Die Zuwegungen, Toilettenhäuschen und Umsetzung der Hygienemaßnahmen, das war natürlich teuer, aber wir haben kein Minus gemacht. Wir haben unglaublich viel Zuspruch durch Ehrenamtliche erfahren. Viele haben geholfen, vieles wurde ohne zusätzliche Kosten möglich.

von Zeddelmann: Bei allem Pech – die Regieassistentin ist vor ihrem ersten Arbeitstag mit dem Auto verunglückt, das Zelt für die Technik backstage passte nicht und wir mussten kurzfristig Ersatz beschaffen – hatten wir auch viel Glück. Die Feuerwehr stellte noch am selben Tag ein Ersatzzelt zur Verfügung, Neu-Rentner Ralf Struck kam am ersten Tag als Backgroundmanagement und blieb bis zum letzten Tag, Vissels Kulturvereine waren unglaublich solidarisch, halfen und schmissen das Catering.

Herr von Zeddelmann, Sie waren auch bei „Kinder machen Theater“ als Anleiter dabei – eine neue Erfahrung?

von Zeddelmann: Ich hatte früher schon Kinderstücke inszeniert, in Schulen oder auch im Jugendknast, auch wenn das lange her ist. Hier hatten alle Lust, sich einzubringen und haben mich oft so mit Ideen überrascht, dass ich manchmal sagen musste: „Mal sehen, ob wir das Pony noch einbauen oder eine Fee organisieren können ...“ Noch überraschender waren allerdings die persönlichen Entwicklungen. Anfänglich war mein Kannibalenstamm ein sehr schüchterner Haufen, am Ende bewies ausgerechnet das stillste Mädchen den größten Mut.

Schroeder: Dieser zauberhafte Ort hat viel Kreativität freigesetzt und dank des täglichen Stimmtrainings haben die Kinder auch ohne Headsets dem Wind getrotzt.

Ihr Konzept des Theatersommers Open Air ist also aufgegangen?

von Zeddelmann: Absolut. Wir hatten Glück mit dem Wetter – ein Sommermärchen. Es hat nur einmal etwas genieselt; an einem der langen Abende mit Live-Musik war es sehr kalt. Da haben die Besucher sich zum Siebten Orchester zur See an ihren Plätzen warm getanzt. Wer weiß, ob es ohne Corona genauso befreiend gewesen wäre.

Würden Sie ohne Corona etwas anders machen?

Schroeder: Ja, wir würden doppelt so viele Leute reinlassen. Die Inszenierungen hätten sonst anders ausgesehen – wir hätten dichter gestanden, es hätte mehr Interaktion mit dem Publikum gegeben und die Kinder hätten nicht ausschließlich in Kleingruppen agiert.

von Zeddelmann: Ohne Corona und mit mehr Planung bleibt mehr Zeit, sich um die Finanzierung zu kümmern. Andererseits ist fraglich, ob so viele Ehrenamtliche wie in der Notlage dabei wären. Unseren Tontechniker Lennard Dreyer und sein Equipment haben wir nur bekommen, weil er wie ich auch gerade frei war – normalerweise wäre er ohne Förderung gar nicht erschwinglich. Das Metronom ist ein Theater der kurzen Wege, es hat sich alles seltsam gut gefügt. Die Messlatte für nächstes Jahr liegt hoch.

Also wird es eine Neuauflage geben? Was passiert bis dahin?

Schroeder: Auf jeden Fall. Aber auch vorher ist für die Versorgung der Region mit Theater und Geschichten gesorgt: Wir besetzen jede zweite Reihe, so können wir 50 bis 60 Zuschauer beherbergen. Denkbar wären zwei Vorstellungen hintereinander. Wir nehmen Stücke auf, die kein großes Ensemble erfordern. Geplant ist der „Aufstand einer Souffleuse“ in einer neuen Bearbeitung, weiterhin „Der letzte Flug“, „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ für die Metronom-Bühne adaptiert, das Kinderstück „Däumelin“ und die „Odyssee“. Natürlich darf auch der „Dritte Engel“ nicht fehlen und es gibt ein Weihnachtskonzert mit Zsuzsa und Band. Es geht also weiter – und es flutscht!  hey

Die Zuschauer beobachten gespannt, was die Schauspieler ihnen bieten.

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