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Erster Inklusions-Job der Visselhöveder Stadtverwaltung

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Von: Jens Wieters

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Am liebsten mit dem Laubbläser unterwegs: Jonas Reinke (Mitte) mit Michael Pfingst (v.l.), Olaf Strote, Jürgen Karußeit und André Lüdemann.
Am liebsten mit dem Laubbläser unterwegs: Jonas Reinke (Mitte) mit Michael Pfingst (v.l.), Olaf Strote, Jürgen Karußeit und André Lüdemann. © Wieters

Jonas Reinke hat einen festen Arbeitsplatz im Visselhöveder Bauhof-Team. Der 26-Jährige hat den ersten Inklusions-Job innerhalb der Stadtverwaltung.

Visselhövede – Jeden Morgen um 5.55 Uhr klingelt bei Jonas Reinke der Wecker. Schon kurz darauf schwingt er sich auf sein E-Bike, um von seiner Wohnung in Jeddingen aus zur Arbeit nach Visselhövede zu fahren. Am städtischen Bauhof im Gewerbegebiet ist er morgens um viertel vor sieben einer der ersten Mitarbeiter, die sich in die orangene Arbeitskluft werfen.

Alles nichts Besonderes? Doch! Denn der 26-Jährige hat gerade den ersten „Inklusions-Arbeitsvertrag“ unterschrieben, den die Stadt Visselhövede mit der Lebenshilfe Rotenburg-Verden vorbereitet hat. „Jonas hatte lange Jahre in der Gärtnertruppe des Lebenshilfe am Standort Rotenburg gearbeitet und auch gelebt. Aber wir sind im vergangenen Herbst zu der Einsicht gelangt, dass Jonas sich sehr gut für einen Außenarbeitseinsatz eignet“, berichtet Michael Pfingst, Job-Coach der Lebenshilfe. „Die Frage war nur wo?“

Da die Lebenshilfe bereits zwei Menschen mit Handicap bei der Firma JBS untergebracht hat, und „dort sehr gute Erfahrung macht“, lag es nahe, irgendwo in Visselhövede einen Arbeitsplatz zu suchen. „Schnell und völlig unkompliziert sind wir uns mit der Stadt einig geworden“, erzählt Pfingst. Zunächst stand für Jonas Reinke ein mehrmonatiges Praktikum an. „Und das ist jetzt in einen echten und vor allem unbefristeten Arbeitsvertrag gemündet.“ Zwar bleibe der junge Mann rein arbeits- und sozialrechtlich gesehen in der Obhut der Lebenshilfe, aber die Stadt zahlt Reinke für seine tägliche Arbeit einen „Wertschätzungsbetrag“.

Ich habe sofort zugestimmt, als die Idee dieses Inklusionsarbeitsplatzes aufkam.

Bürgermeister André Lüdemann

„Ich habe sofort zugestimmt, als die Idee dieses Inklusionsarbeitsplatzes aufkam“, sagt Bürgermeister André Lüdemann. Er habe in seiner früheren Tätigkeit in der freien Wirtschaft bei JBS bereits „tolle Erfahrungen gemacht“. Gerade Städte und Gemeinden sollten bei der Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen in den gesellschaftlichen Alltag „Vorbild“ sein, so Lüdemann, der hofft, dass seine Berufskollegen, aber auch Firmenchefs ähnlich agieren.

Bauhofleiter Olaf Strote, der jede helfende Hand bei den vielfältigen Tätigkeiten seiner Truppe gebrauchen kann, ist froh „über Jonas´ Fertigkeiten“ und von seiner Zuverlässigkeit begeistert: „Er ist echt jeden Morgen der Erste auf dem Platz.“

Für Michael Pfingst sind solche Tätigkeiten außerhalb eines geschützten Raums „ein echt großer Schritt in die Selbstständigkeit“ dieser Menschen. „Und es endet nicht mit dem Arbeitsplatz an sich, denn Jonas hat eine eigene Wohnung in Jeddingen hergerichtet und sie mittlerweile bezogen“, freut sich der Job-Coach, dass die Inklusion so prima klappt und er sich immer seltener nach Reinkes Befinden erkundigen muss.

„Mir macht es Spaß, draußen zu arbeiten“, sagt der 26-Jährige, der meistens mit dem Stadtgärtner Jürgen Karußeit als Zweier-Team unterwegs ist, um die Beete in Ordnung zu halten.

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