Serie „Digitales Leben“

Die erste Spielkonsole der Welt lagert im Visselhöveder Computermuseum

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Für Franziska Beier und René Berthold fielen Weihnachten und Ostern durch das besondere Geschenk der Rotenburger Familie auf einen Tag.

Visselhövede – Von Angela Kirchfeld. Ein ganz normaler, sonniger Mittwoch im Oktober vergangenen Jahres. Das Computermuseum Visselhövede hatte an dem Tag der Deutschen Einheit wie üblich seinen „Tag der offenen Tür“, als er durch den Besuch eines Rotenburger Ehepaares für René Berthold, Freundin Franziska Beier und den anderen Mitstreitern auf einmal gleichzeitig zu Weihnachten und Ostern wurde.

Sie bekamen die erste Spielkonsole der Welt überreicht. „Jeder hat mal im Leben diesen ,Ich glaube, ich träume‘-Effekt‘“, erinnert sich René Berthold an dem Moment, als ihm von dem Ehepaar ein Karton überreicht wurde.

„Darauf stand in futuristischer Schrift ,Odyssey‘ und auf der Seite etwas kleiner ,by Magnavox‘. In diesem Moment war ich kurz vor einem Herzinfarkt. Ich stellte die entscheidende Frage: Ist in dem Karton das drin, was drauf steht?“ Die Antwort des älteren Ehepaares habe ihm dann endgültig den Rest gegeben. Es folgte nämlich die lapidare Erklärung: „Ja, die müsste vollständig sein. Die können Sie haben, wenn Sie damit etwas anfangen können.“ Berthold hat den Karton anschließend wie ein rohes Ei in den Ausstellungsraum für Konsolen gebracht, „und die Besucher haben sich gewundert, warum da jemand kreideweiß mit einem Karton durch den Gang läuft und etwas vor sich hin murmelt, das so ähnlich klang wie ,der heilige Gral‘“.

Warum die Aufregung? Im Jahre 1966 hatte der deutsche Ralph Baer ein Gerät entwickelt, das in der Lage war, auf einem einfachen Fernseher zwei Schläger und ein Quadrat darzustellen. Die Schläger konnten durch je zwei Drehregler unabhängig voneinander bewegt werden. Das Quadrat ist dabei von den Schlägern abgeprallt. Die Rede ist von einem Spiel, das heute „Pong“ genannt wird. Die Spielkonsole, die Baer damals entworfen hatte, wurde als „Brown Box“ berühmt.

Konsole mit Transistor-Dioden-Logik

Die kommerzielle Vermarktung erfolgte 1972 durch die Elektronikfirma Magnavox. Die Spielekonsole, die direkt auf die „Brown Box“ zurückging, wurde „Odyssey“ genannt. Technisch basiert sie auf einer Transistor-Dioden-Logik, da es damals noch keine Mikroprozessoren gab, die für eine Spielkonsole brauchbar gewesen wären.

„Intels 4004 – der erste Mikroprozessor der Welt, kam gerade auf den Markt – stand noch nicht für Heimelektronik zur Verfügung“, erläutert der Computerexperte. Die „Odyssey“ sei durch einfache Module mit weiteren Spielen bestückt worden. „Da eine grafische Darstellung damals aufgrund der Technik noch nicht möglich war, wurden Farben durch Folien erzeugt, die vor dem Fernseher angebracht wurden.“ „Odyssey“ orientiert sich mehr an Brett- als an späteren Computerspielen. Selbst das Zählen der Punkte erfolgte noch manuell mithilfe eines Scoreboards. 

Nur 350.000 Stück verkauft

„Es ist somit die erste Spielkonsole der Welt. Weltweit wurden nur 350.000 Stück verkauft. Die darauf folgenden Konsolen wie Nintendo NES, Sega Megadrive, die Playstation gehen alle auf die Odyssey zurück“, stellt Berthold klar. Sie ist damit das Modell eins der Generation eins. „Aus diesem Grund ist die Magnavox „Odyssey“ so wertvoll für uns. Es gab schlicht und ergreifend vor der Magnavox keine Spielkonsole! Wir besitzen die Urkonsole!“

Berthold und seine Mitstreiter möchten sich auf diesem Wege nochmals bei den Spendern, die namentlich nicht genannt werden wollen, vielmals bedanken. „Es ist schwer in Worte zu fassen, was diese Konsole für uns persönlich und unser kleines Museum bedeutet!“ Natürlich können sich die Besucher aber auch selbst ein Bild davon machen.

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