„Bufdis“ Nele Nareike und Elea Renken verlassen Visselhöveder Grundschule

Erfahrungen fürs Leben

Corona-Tanzstunde: Elea Renken (l.) und Nele Nareike animieren die Kinder zu mehr Bewegung. 
Foto: Wieters
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Corona-Tanzstunde: Elea Renken (l.) und Nele Nareike animieren die Kinder zu mehr Bewegung. Foto: Wieters

Visselhövede – „Natürlich werden wir die eine oder andere Träne vergießen, denn es war ein unvergleichliches Jahr für uns“, sagen Nele Nareike und Elea Renken übereinstimmend. Denn nur noch rund drei Wochen, dann läuft ihre Zeit als Bundesfreiwilligndienstleisterinnen, kurz „Bufdi“, in der Visselhöveder Kastanien-Grundschule ab. „Am liebsten würde ich noch ein Jahr dranhängen“, sagt die 19-jährige Nareike und die ein Jahr jüngere Renken findet es „schade, dass es den ,Bufdi‘ nicht als Beruf gibt“.

Noch vor einem Jahr waren sie noch ein wenig unsicher, ob die Arbeit mit den Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren überhaupt etwas für sie ist, zwölf Monate später sind sie aus dem Alltag der mehr als 120 Jahre alten Schule nicht mehr wegzudenken.

Ob die Ganztagsbetreuung der Verlässlichen Schule, die Vorbereitung des Unterrichts der ersten, aber auch der vierten Klassen, die Neueröffnung der schuleigenen Bücherei, die Tanzstunde mithilfe der Referendarin Isabelle Wilde, die Unterstützung des Hausmeisters und die Hilfe im Sekretariat bei der Erarbeitung von Plänen: Überall haben Nele Nareike und Elea Renken im vergangenen Jahr kräftig mitgemischt.

„Es gab dabei gar nicht den Lieblingstag in der Woche, irgendwie war jeder Tag anders und immer wieder aufs Neue spannend“, zieht Renken eine kleine Bilanz. „Mich hat ganz besonders stolz gemacht, dass wir Kindern aus anderen Kulturkreisen, die kein Wort Deutsch gesprochen haben, die ersten Grundkentnisse beibringen konnten“, erinnert sich Nareike, die auch den Schwimmunterricht der Grundschüler mitbegleitet und darum immer „mitgefiebert hat, wenn es um die Seepferdchenabzeichen ging.“

Während für die ältere der beiden „Bufdilinen“, wie sie in der Schule vom Lehrerkollegium liebevoll genannt werden, eigentlich schon frühzeitig klar war, dass sie nach der Schule beruflich „irgendwas mit Kindern“ machen will, ging Elea Renken vor zwölf Monaten noch ein Stück weit unvoreingenommener an die Aufgabe. „Aber jetzt habe ich echt Gefallen an der Arbeit gefunden.“

Und darum wollen beide nun Lehramt wenn möglich in Oldenburg studieren, um vielleicht in fünf Jahren wieder in der Kastanienschule in Visselhövede beschäftigt zu sein – dann aber als richtige Lehrerinnen.

„Ich würde sie mit Kusshand nehmen“, sagt Rektorin Catrin Puschmann, die die beiden zu Beginn der anstehenden Sommerferien „ungern ziehen“ lässt. „Denn so wie sie sich eingebracht haben, ist schon bemerkenswert“, lobt die Schulleiterin, die dritte Generation Bufdis an der Schule.

„Allerdings wurde uns der Einstieg durch das junge und engagierte Kollegium auch echt einfach gemacht“, geben die beiden das Lob zurück. „Wir konnten jederzeit um Hilfe bitten, wenn es mal mit den Kindern nicht so geklappt hat wie geplant.“

Denn ein Jahr an der Schule bedeutet nicht nur heile Welt, sondern es gibt während dieser Zeit auch größere oder kleinere Konflikte unter den 200 Schülern, die nach einer Lösung rufen. „Wir haben zunächst noch die Lehrerinnen um Unterstützung gebeten, später aber haben wir selbst die Wogen geglättet.“ Dass man dabei auch nicht zimperlich sein darf, damit die Kinder den im Vergleich jungen Frauen nicht auf der Nase herumtanzen, „haben wir recht schnell gelernt“ und dabei auch immer Rückendeckung von der Schulleitung bekommen. „Das sind auch Erfahrungswerte fürs Leben und sicher auch für den Beruf als Lehrerin“, blickt Renken in die Zukunft.

Eine weitere wichtige Erfahrung der beiden ist auch der Umgang mit einer Krise, denn Corona hat die Arbeit von Nareike und Renken berührt. So mussten beide in der Notbetreuung mithelfen und von einem Tag auf den anderen war nichts mehr wie vorher. So haben sie Abstandsmarkierungen geklebt, Desinfektionsspender aufgestellt und den Schulhof in Felder eingeteilt, um den Neustart des Schulbetriebs vorzubereiten. „Das war und ist für uns alle schon eine besondere Situation, auf die wir hätten verzichten können“, sind sich die beiden Visselhövederinnen einig.

Corona ist es auch zu verdanken, dass ein richtiger Abschied mit Umarmungen der Kinder und der Lehrerinnen ausfallen muss. „Und das ist echt schlimm“, finden die beiden angehenden Studentinnen.  jw

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