Kommunen beauftragen Fachbüro

Energietrasse „SuedLink“: Erde unter Strom

+
Die Variante 48 (rot) durchquert das Visselhöveder Stadtgebiet.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Exakt dort, wo einst die Y-Trasse geplant war, die schließlich nach massiven Bürgerprotesten zu den Akten gelegt wurde, müssen sich Anwohner wieder mit einem gigantischen Bauvorhaben auseinandersetzen: „SuedLink“.

Die Leitungen sollen Windstrom aus dem Norden in den Süden der Republik transportieren. Dazu sollen im Visselhöveder Bereich bei Wittorf und Jeddingen mehr als armdicke Kabel unterirdisch verlegt und darüber ein 25 bis 30 Meter breiter Schutzstreifen eingerichtet werden. So sieht zumindest der Plan für den Bau der Gleichstromtrasse des Firmenkonsortiums Tennet und Transnet BW aus. Noch vor einigen Wochen standen die Zeichen ganz anders. Denn die Vorschlagstrasse 49 verlief von Scheeßel kommend östlich an Visselhövede vorbei in den Heidekreis. „Darum waren wir schon sehr erstaunt, als uns Ende Februar mitgeteilt wurde, dass die Alternativstrecke 48a favorisiert werde“, sagte Visselhövedes Bauamtsleiter Gerd Köhnken während der Sitzung des Umwelt- und Energieausschusses.

Es wird zwar noch weitere Beteiligungs- und Erörterungstermine geben, und erst danach setzt die Bundesnetzagentur den genauen Trassenverlauf fest. „Aber vielleicht finden wir bis dahin ja Kriterien, die dieser Priorisierung entgegenstehen“, hofft Bürgermeister Ralf Goebel, der „schon ein wenig Angst vor diesem gigantischen Graben“ hat.

Planungsbüro Aland soll helfen

Fachliche Unterstützung zur Wahrung ihrer Interessen erhofft sich die Stadtverwaltung vom Planungsbüro Aland aus Hannover. Gemeinsam von den weiteren betroffenen Kommunen des Altkreises Rotenburg, Scheeßel und Bothel, beauftragt, soll Aland nicht nur weitere Argumente für den Versuch einer möglichen Verlegung der Trasse sammeln, sondern auch frühzeitig über die zu erwartenden Kompensationsmaßnahme beraten. Der Visselhöveder Ausschuss hat grünes Licht für den Auftrag gegeben und hat bereits einen Fachjuristen im Visier. „Erste Gespräche mit den anderen beiden Kommunen sind bereits gelaufen“, so Goebel, der darüber informierte, dass das Büro Aland mit den örtlichen Gegebenheiten sehr vertraut sei, da es vor Jahren den Landschaftsrahmenplan für den Landkreis erstellt habe.

Die Bäche wie die Vissel sollen unterbohrt werden.

Besonders im Blick haben die Kommunen die Entschädigungszahlungen für die betroffenen Grundstückseigentümer. „Dabei geht es nicht nur um den wirtschaftlichen Schaden, sondern auch um große Eingriffe in die Natur“, so Goebel im Ausschuss.

Nach Aussage von Gerd Köhnken werden die Bäche wie die Rodau, Wiedau und auch die Vissel „großflächig unterbohrt“, um die Kabel Richtung Süden zu verlegen.

Wie das funktionieren soll, darüber wundert sich Heiner Gerken (Grüne), der weiß, dass die Leitungen nur „1,8 Meter tief verlegt“ werden sollen. Er befürchtet „massive Grundwasserabsenkungen“ und verlangt statt einer einmaligen Entschädigungszahlung regelmäßiges, dauerhaftes Geld für die Eigentümer.

Gerken fordert ungewöhnliche Ergänzungen

Wenn „SuedLink“ dann aber doch so umgesetzt werden sollte wie geplant, fordert Gerken ungewöhnliche Ergänzungen: „Wenn die graben, dann sollten sie gleich Glasfaserkabel für schnelles Internet mit reinlegen. Und per Wärmepumpe die hohen Temperaturen der Kabel energetisch nutzen.

Gerd Eimer (CDU), der „keine Freude an den Plänen hat“, stellt die Frage, wo denn die Ausgleichsmaßnahmen für die starken Eingriffe in die Natur umgesetzt werden: „Hier bei uns vor Ort oder vielleicht ganz woanders?“ Aber genau diese Ausgleichsmaßnahmen böten laut Gerken aber auch Chancen, landschaftlich verarmte Regionen vor Ort ökologisch aufzuwerten. Bürgermeister Goebel kündigte Gespräche mit Dirk Eberle (Bürgermeister Samsgemeinde Bothel) und seiner Scheeßeler Kollegin Käthe Dittmer-Scheele an, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Ausschreitungen und viele Festnahmen bei Protesten in Paris

Ausschreitungen und viele Festnahmen bei Protesten in Paris

Erntefest in Vorwohlde

Erntefest in Vorwohlde

Erntefest des Ernteclubs Stedorf

Erntefest des Ernteclubs Stedorf

Erntefest in Martfeld - der Umzug der Kinder

Erntefest in Martfeld - der Umzug der Kinder

Meistgelesene Artikel

Frau stirbt bei Rettungsübung im Schwimmbad

Frau stirbt bei Rettungsübung im Schwimmbad

Kriete-Kanzlei droht mit Klage

Kriete-Kanzlei droht mit Klage

Klimastreik: Erst Andacht, dann Mahnwache

Klimastreik: Erst Andacht, dann Mahnwache

Kommentare