Kinderbetreuung breiter aufgestellt / „Das ist auch gut so“

Endlich Männer in den Visselhöveder Kitas

Kai Hansen im Kreise einiger Hortkinder.
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Kai Hansen im Kreise einiger Hortkinder.

Visselhövede/Wittorf – Hier mal ein aufmunterndes Schulterklopfen, dort ein paar tröstende Worte – und den Kindern auch mal zeigen, wie man Hammer und Nagel richtig hält, damit es mit dem Nagelbrett auch klappt. Eigentlich ist alles wie immer im Visselhöveder Kinderhort „Kleine Strolche“ im Haus der Bildung, nur dass dort jetzt zwei Männer das Sagen bei der Betreuung der aktuell 27 Kinder haben.

„Aber ganz so ist es natürlich nicht“, so Henning Vandreike lachend, „denn wir betrachten uns gemeinsam mit unserer Kollegin als Team.“

Aber dennoch ist die Situation ein Novum in der städtischen Kinderbetreuung, denn Männer waren bisher Fehlanzeige. Bis auf ganz wenige und vor allem sehr kurzzeitige Ausnahmen wurden bisher Krippen- und Kindergartenkinder in Wittorf, Jeddingen und im Visselhöveder Fabula ausschließlich von Frauen betreut – einzig bei der Elterninitiative Momo in Riepholm ist Tom Kirk seit einem Vierteljahrhundert der Chef im Ring. Die Leitungen der anderen Tagesstätten hatten bereits seit Jahren betont, dass sie „sehr gerne“ mehr Männer hätten.

Und diesen Ruf haben nicht nur Oliver Steimke, der seit Sommer in der Kita Fabula arbeitet, sondern auch Henning Vandreike und Kai Hansen erhört und „sich auf die Stellenanzeige beworben“, wie der Fallingbosteler Hansen betont, der in seinem „früheren Leben“ Schwimmmeister war und sich zum Sozialpädagogikassistenten fortgebildet hat.

Kein besonders männliches Konzept im Blick

Die beiden Hortbetreuer sehen sich in ihrem Beruf aber gar nicht mal so sehr als Exoten: „Klar, es gibt wahrscheinlich immer noch zu wenig Männer, die sich für eine Ausbildung zum Erzieher entscheiden, aber wer sich dennoch dazu entschließt, hat sicherlich kein besonders männliches pädagogisches Konzept im Blick“, so Vandreike, der als Erzieher bereits über umfassende Hort-Erfahrung verfügt. „Vieles geschieht in der täglichen Arbeit auch ganz einfach intuitiv aus unserer Sicht“, ergänzt Hansen, der bei einem „kleinen Strolch“ auch mal deutliche Worte finden muss.

„Und genau das ist auch gut so“, sagt Ute Schorpp-Bolz, Hort-Erzieherin der ersten Stunde. „Denn Männer haben vielleicht für manche Sorgen und Nöte der Kinder ein ganz anderes Ohr als wir Frauen. Und von manchen unserer Schützlinge werden Männer halt auch ganz anders wahrgenommen.“

Das findet auch Nadine Meyer, Mutter eines Hort-Kinds, die gerade ihrer Spross abholt: „Ich bin selber Erzieherin und weiß, wie wichtig Männer in diesem Beruf sind. Denn es gibt immer mehr alleinziehende Mütter, deren Kinder ohne männliche Bezugsperson aufwachsen. Da übernehmen die Erzieher ein kleines Stückchen der Vaterrolle.“

Denn gerade die elf- und zwölfjährigen Jungs würden sich doch schon recht „cool“ geben, so Schorpp-Bolz, und seien manchmal „schon echt sauer, wenn der Friseur ihnen eine Frisur verpasst hat, die nun gar nicht geht“. Dann würden sich diese Jungs mit ihrem Kummer nie an eine Frau wenden „Das ist ihnen zu peinlich.“

Nach Ansicht von Hansen, Vandreike und Schorpp-Bolz muss der Erzieherberuf für Männer auch finanziell attraktiver werden, denn es sei mit Blick auf eine sich wandelnde Gesellschaft sehr wichtig, dass beide Geschlechter an der kindlichen Früherziehung beteiligt seien.

„Das Geld ist die eine Seite, dass aber junge Männer überhaupt auf die Idee kommen, Erzieher zu werden, die andere. Darum wäre es auch ganz schön, wenn zum Beispiel die Lehrer der Oberschule ihre männlichen Schüler vor den Berufspraktika dazu animieren würden, doch ruhig mal in einen Kindergarten reinzuschnuppern“, appelliert Schorpp-Bolz und hofft auf mehr Männer im Kollegium.

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