Rektor Gerard-Otto Dyck im Interview 

„Einführung der Oberschule ein richtiger Schritt“

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So langsam wird es Zeit, den Schreibtisch aufzuräumen: Gerard-Otto Dyck. Leiter der Oberschule Visselhövede, wird am kommenden Mittwoch in den Ruhestand versetzt. -

Visselhövede - Von Jens Wieters. 40 Jahre Schuldienst liegen im August hinter Gerard-Otto Dyck. Der Rektor der Oberschule Visselhövede hat während dieser Zeit viele Höhen und Tiefen in der niedersächsischen Bildungspolitik kennengelernt. Aber mit dieser Berg- und Talfahrt ist nun Schluss, es sei denn, der 64-Jährige ist mit seinem Wohnmobil unterwegs, denn am kommenden Mittwoch wird Dyck in den Ruhestand verabschiedet. Zeit für einen kleinen Rückblick im Interview.

Gehen Sie mit einem lachenden Auge wegen des anstehenden Ruhestands oder mit einen weinenden, weil Sie die Schüler und Kollegen verlassen?

Gerard Dyck: Sowohl als auch. Natürlich freue ich mich auf den Ruhestand zusammen mit meiner Frau, die ebenfalls in den Ruhestand eintritt und die Schul- und Gemeindebücherei Kirchlinteln verlässt. Aber ich hänge natürlich auch an dem Kollegium und den Mitarbeitern, mit denen wir vieles umgesetzt haben, was zunächst unmöglich erschien. Ein geflügeltes Wort bei uns: Geht nicht, gibt’s nicht! Und auch die Schüler sind mir ans Herz gewachsen, aber es gibt im Leben

viele Möglichkeiten sich einmal wiederzusehen.

Sie haben miterlebt, wie aus der Realschule und der Hauptschule eine Oberschule wurde. War das aus Ihrer Sicht ein richtiger Schritt?

Dyck: Ganz sicher. Ansonsten hätte ich mich nicht mit der damaligen Bürgermeisterin Franka Strehse und dem Stadtrat für diese Lösung starkgemacht. Die Hauptschule hatte jedes Jahr an Zuspruch verloren und die gymnasiale Außenstelle sollte geschlossen werden. Einen anderen Weg gab es nicht.

Was hätte man beim Zusammenwachsen besser machen können oder müssen?

Dyck: Es war ein nicht einfacher Prozess mit vielen Kompromissen und der Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Ich glaube, das ist uns gelungen. Früher gab es keinerlei Zusammenarbeit der Kollegien von Hauptschule, Realschule und der gymnasialen Außenstelle. Nun arbeiten wir Hand in Hand gemeinsam in einem Kollegium.

Sie haben sich lange Jahre für eine Integrierte Gesamtschule (IGS) am Standort Visselhövede eingesetzt. Sehen Sie diese Schulform immer noch als die einzig wahre an?

Dyck: Ja und nein. Natürlich hätte ich mir eine IGS gewünscht. Allerdings muss ich realistisch bleiben. Der Standort Visselhövede ist zu klein und die Geburtenzahlen sind zu niedrig. Eine gute IGS benötigt zudem ab Klasse elf eine dreizügige Oberstufe. Die haben wir hier nicht. Allerdings haben wir durch unsere besondere Form der OBS viele Inhalte einer IGS abgebildet.

Inwieweit arbeitet die Oberschule bereits integrativ?

Dyck: In den unteren Jahrgängen werden alle Schüler gemeinsam integrativ beschult. Mit zunehmendem Alter wechseln leistungsstarke Schüler in die gymnasialen Z-Kurse der Hauptfächer, später auch in den Natur- und Gesellschaftswissenschaften. Ab Klasse neun werden Gymnasialschüler bis auf Sport, Kunst und Werte und Normen gymnasial beschult.

Sie haben es angesprochen, macht das gymnasiale Angebot bis Klasse zehn Sinn oder sollten die Schüler besser ab Klasse fünf nach Rotenburg oder Walsrode wechseln?

Dyck: Das macht auf jeden Fall Sinn. Viele Schüler sind als Fünftklässler noch nicht so gefestigt, die weiten Fahrwege und den langen Unterrichtstag zu bestehen. Viele Spätentwickler haben zudem bei uns die Möglichkeit, sich eine solide Basis zu schaffen und sich Stück für Stück sich in den Z-Kursen zu bewähren. Unsere Eltern und auch der politische Raum sind zurecht stolz auf das gymnasiale Angebot.

Haben die Oberschul-Gymnasiasten später in der Oberstufe eines „echten“ Gymnasiums Chancen oder fällt es Ihnen eher schwer, dem Unterricht zu folgen? Wie lauten Ihre Rückmeldungen?

Dyck: Schüler des Gymnasialzweiges haben auf der gymnasialen Oberstufe gute Chancen mitzukommen. Die meisten unserer „Zettis“, wie wir die Gymnasialschüler nennen, wechseln allerdings in den gymnasialen Bereich der Berufsschule. Das Berufsschulabitur vermittelt die gleichen Studienberechtigungen wie das Gymnasium.

Was kann die Stadt Visselhövede für die Oberschule tun? Woran fehlt es?

Dyck: Ich wünschte mir einen Kraftakt bezüglich der Ausstattung mit digitalen Medien. Es fehlt immer noch in vielen Klassen- und Fachräumen das nötige Equipment. Bei zwei neuen Boards pro Schuljahr dauert die Ausrüstung der OBS mit mehr als 20 Klassen- und zehn Fachräumen 15 Jahre. Von dieser Wegstrecke haben wir erst die Hälfte geschafft. Viele junge Kollegen warten zu lange auf die Chance, die modernen Medien nutzen zu können. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Grundschulen.

Was können Eltern der Oberschüler tun?

Dyck: Für ein gutes Bildungsangebot vor Ort halte ich Vertrauen und ein einvernehmliches Vorgehen von Schule und Elternhaus für überaus wichtig. Außerdem habe ich immer für den Eintritt in den Schulverein geworben. Der hat schon zigmal Schülergruppen gefördert, Requisiten angeschafft und auch Präventionsmaßnahmen gefördert.

Stellen Sie bitte Ihren Oberschülern ein ganz persönliches Zeugnis aus.

Dyck: Wir haben hier tolle Schüler und Schülerinen, von denen jede und jeder ein Individuum mit ganz eigenen Stärken ist. Wenn Schüler Aufgaben erhalten, mit denen sie sich identifizieren können, zeigen sie, was in ihnen steckt. Das anspruchsvolle Theaterstück der Theater-AG und die tolle Schulentlassungsfeier der neunten und zehnten Klassen sind gute Beispiele dafür.

Ihr schönster Moment in der Oberschule?

Dyck: Davon gab es mindestens zwei: Zunächst 2007 als wir mehr als zwei Millionen Euro Fördermittel in den Ausbau der Heidetor-Schule zur Ganztagshauptschule investieren durften und 2011, als wir den Bescheid der Landesregierung erhielten, trotz knapper Schülerzahlen als eine von 25 Oberschulen in Niedersachsen eine OBS mit gymnasialem Angebot einzurichten.

Ihr traurigster oder schlimmster Moment?

Dyck: Am bittersten empfand ich 2004 die Abschaffung der Orientierungsstufe. Mit großer parlamentarischer Mehrheit und leider durch meine Partei, die SPD, initiiert. Das war meines Erachtens nach ein großer Fehler, der durch die Einführung der Oberschule nur teilweise korrigiert werden konnte.

Was machen Sie ab Mittwoch?

Dyck: Im Juli geht es zunächst mit dem Wohnmobil nach Frankreich. Ab August warten Termine im Ehrenamt als Ortsbürgermeister von Scharnhorst und als Verdener Kreistagsmitglied auf mich. Auch Haus und Hof wollen wieder einmal intensiv gepflegt werden. Das ist in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. Im September fahren meine Frau und ich mit dem Domchor nach Wien, wobei ich aber nicht als Sänger eingeplant bin.

Wie sieht die Nachfolgeregelung für die Oberschule aus?

Dyck: Unsere Dezernentin hat ebenso wie das Kollegium und der Schulvorstand der OBS der Besetzung mit dem Auswahlkandidaten Ronny Wieland zugestimmt. Er ist ein junger Mann mit Leitungserfahrung aus der IGS Rotenburg. Ich habe ihn bereits kennengelernt und bin überzeugt, dass er sich gut in die schulischen Belange und das hiesige Umfeld einarbeiten wird. Allerdings steht die offizielle Ernennung noch aus.

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