Theater Metronom geht neues Open-Air-Projekt an

Eine märchenhafte Inszenierung

Das gezimmerte Piratenschiff verleiht der Kulisse in Hartböhm eine besondere Atmosphäre. Das machen sich die Schauspieler vom Theater Metronom zunutze.  
Foto: Theater Metronom
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Das gezimmerte Piratenschiff verleiht der Kulisse in Hartböhm eine besondere Atmosphäre. Das machen sich die Schauspieler vom Theater Metronom zunutze. Foto: Theater Metronom

Hütthof – Märchenhaft geht es derzeit im Theater Metronom in Hütthof zu. Das liegt nicht unmaßgeblich am Stück „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, das als Open-Air-Inszenierung Anfang August seine Premiere in Hartböhm auf dem Gelände feiert, das demnächst beim Kinder-Sommertheater seine Feuertaufe absolviert.

Was machen zwei benachbarte Ehepaare, allesamt Künstler, zu Coronazeiten abends am Lagerfeuer? Vielleicht jammern sie, weil den einen sämtliche Workshops, Gastspiele, Premieren weggebrochen sind, den anderen Konzerte und Drehs. Oder sie überlegen, was geht, spinnen herum, finden neue Formate. Zweiteres war bei Karin Schroeder vom Theater Metronom und Moritz von Zeddelmann, Schauspieler „von nebenan“, der Fall. Am Anfang war da das Gelände von Hartböhm und die Erkenntnis, dass der fast verwunschene Platz in der Nähe von Hütthof zu schade ist, nur eine Woche vom Kindertheater genutzt zu werden. Eigentlich sei von Zeddelmanns Tochter Schuld, grinst der 32-Jährige: „Mit ihrer Begeisterung für den Spielplatz hat sie den Ausschlag gegeben.“

Alles andere habe sich gefügt, erzählen die Beteiligten. Der Hamburger Regisseur Michael Bandt, den von Zeddelmann aus gemeinsamer Arbeit kannte, hatte – oh Wunder – gerade Zeit, genau wie die Kostümbildnerin „und so ziemlich alle, die wir gefragt haben“, meint Schroeder. Und es schwingt immer noch ein Hauch Verwunderung mit, dass sich ein Projekt in so kurzer Zeit auf die Beine stellen lässt. Denn schon ist man mittendrin in den Proben. Die haben es in sich: Zwei Personen, 30 Rollen, „Ein- und Ausstieg“ in neue Rollen zum Teil drei Mal im Satz – ein Fest für jeden Regisseur, aber auch die Schauspieler“, findet Bandt, der sonst eher im Unternehmenstheater unterwegs ist. Er schwärmt vom Stück von F.K. Wächter: „So dicht geschrieben, kein Wort zu viel – eigentlich brauchte es mich gar nicht mehr“, erklärt der Regisseur mit einem Grinsen.

Auch von Zeddelmann, der sonst eher vor der Kamera steht, schwärmt: „Ich habe schon Freilichttheater gespielt, aber hier, ohne große Produktion im Rücken: ein Traum.“ Ob er zum Mitspielen genötigt worden sei? „Mitnichten, habe mich geradezu aufgezwungen“, grinst er. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen. Fakt ist, hier passte alles: Zsuzsa, Moritz‘ Frau, deren eigene Show im Hamburger Schmidt´s in Coronazeiten natürlich auch flachfällt, steuert die Musik bei. Obwohl die Sängerin ihre eigenen Lieder schreibt, ist Theatermusik ein Novum für sie.

Das Thema Corona soll übrigens weitgehend vor der Tür, oder besser, jenseits des Zauns bleiben. Vielleicht will man ein oder zwei dezente Bezüge oder Anspielungen einbauen, „aber damit ist es dann auch gut. Die Leute wollen sicher sein, und dann aber auch Corona mal für einen Abend vergessen“, so Bandt.

Dabei spielt dem Regisseur die Form des Erzähltheaters in die Hände: Überwiegend nach vorn gerichtet, „wird das meiste mit dem Publikum verhandelt“. Trotzdem sei die Umsetzung gerade von Liebesszenen mit Abstand natürlich interessant. Während im Film viel über Kameraperspektive und -schnitt machbar sei, muss das Theater andere Wege finden. Das berichtet der „Unter Gaunern“-Akteur von Zeddelmann, bei dem die Drehs langsam wieder anfangen. „Spannend: Das Knistern ist da, wenn sich die Schauspieler aufeinander zu bewegen, egal, in welcher Distanz“, hat Schroeder festgestellt.

Es ist nicht das einzige Faszinosum, das sich um die etwas andere Produktion in diesen besonderen Zeiten rankt. Und das hat mit Thema und Tenor des Stückes zu tun. Der von von Zeddelmann gespielte Bauernjunge („Am Anfang bin ich erstmal tot, aber das kenne ich aus dem Tatort“, untertreibt der Darsteller, der alles vom Bräutigam über den Polizisten bis zum Gauner spielt), dem das Schicksal immer wieder Steine in den Weg legt, aus deren Bewältigung dank seiner „Glückshaut“ immer wieder etwas Positives erwächst – das habe verdammt viel mit ihm selbst zu tun, meint der Schauspieler nachdenklich. „Am Anfang des Projekts hatten wir alle keine Arbeit und nichts zu tun – und jetzt ist daraus dieses wunderbare Projekt geworden, das sogar den Anfang eines gesamten Theatersommers bilden soll.“ Einen guten Teil der Faszination macht wohl auch die Kulisse, das Gelände mit dem gezimmertem Piratenschiff aus: „Da ist schon alles da, woran sich anknüpfen lässt“, schwärmt Bandt: „Die Baumwurzel wird mit einem imaginären Peitschenknall zur Kutsche – mit einer kleinen Geste bist du in einer anderen Welt!“

Das märchenhafte Erzähltheater für Erwachsene und Familien mit Kindern ab zehn Jahren über Macht und Gier mit anarchischen Charakteren feiert am 8. August in Hartböhm Premiere und ist der Auftakt zu vier weiteren Vorstellungen und einem dreiwöchigen Theatersommer mit weiteren Gastspielen und Konzerten.  hey

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