1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Visselhövede

Ein Haus für alle: Nutzungsidee für das Haus der Bildung

Kommentare

Das Haus der Bildung in Visselhövede.
Aus dem Haus der Bildung soll ein Begegnungs- und Zukunftshaus werden. © Wieters

Visselhövede – Wo früher beim „großen Leo“ im Kaminzimmer die berühmte Ouzoplatte serviert worden war, wird vielleicht schon bald eine Papiermanufaktur der Rotenburger Werke die Arbeit aufnehmen, während ein paar Meter weiter kleine Kinder gemütlich miteinander in der Runde spielen und deren Eltern sich über die neusten Angebote des Vereins Simbav informieren.

Denn das jetzige Haus der Bildung (HdB) in Visselhövede, das früher Haus des Gastes (HdG) hieß und in dem jahrzehntelang ein griechisches Restaurant untergebracht war, soll noch in diesem Jahr zu einem Begegnungs- und Zukunftshaus (BuZ) mit gleich mehreren Nutzern umfunktioniert werden.

Mit dem Ziel, die Arbeit in Visselhövede in Zukunft weiter voranzubringen, haben sich die Rotenburger Werke und Simbav gemeinsam mit der Initiative Vissel for Future sowie der Gemeinwesenarbeit der Stadt zusammengetan und vor rund drei Monaten erste Ideen einer Zusammenarbeit reifen lassen, die unter den Titeln Inklusion, Umweltbildung, Angebote für Familien/Frühe Hilfen und Gemeinwesenarbeit zusammengefasst werden können.

Ina Helwig (Simbav), Thorsten Tillner und Hendrick Wachowski von den Rotenburger Werken informierten den Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung am Donnerstagabend über das Projekt, das nach einem kurzen Probelauf in einen langfristigen Mietvertrag münden soll. „Wir sind bereits mit mehren Wohnprojekten und Tagesförderstätten in Visselhövede präsent und wollen weitere Teilhabemöglichkeiten für die Bewohner schaffen“, erläuterte Tillner. Die Einbindung der Menschen mit Behinderung in das Gemeinschaftsprojekt bedeute einen Abbau von Hemmschwellen. Die Rotenburger Werke würden im Rahmen des Projekts Nutzer des unteren Bereichs im BuZ werden.

„Gemeinsam soll dort mit der Initiative Vissel for Future unter anderem einen Regionalladen und eine Kreativwerkstatt aufgebaut und betrieben werden und die Bürger aus Visselhövede einladen, die Angebote für sich zu nutzen“, hob Hendrick Wachowski hervor.

„Mitten im Geschehen“, so sehen es die Planungen vor, wird auch Vissels Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy sitzen. Sein Büro soll als Schnittstelle für alle Bürger, Vereine und Initiativen der Stadt gelten. Auch Oddoys neuer Arbeitsschwerpunkt „Jugendsozialarbeit“ würde von der Gemeinschaftseinrichtung profitieren: Angebote und Aktionen für und mit Jugendlichen könnten im BuZ stattfinden und bekämen einen inklusiven Charakter – verankert mit der Zielrichtung „Übernahme für gesellschaftliche Verantwortung“.

Die etwa 100-köpfige Initiative Vissel for Future bündelt bürgerschaftliches Engagement im Bereich Umwelt und Klima. Angebote zur Umweltbildung und die Bearbeitung von Zukunftsthemen sollen ausgebaut werden. Durch die Kooperation mit den Rotenburger Werken im Rahmen des Regionalladens und der Kreativ- und Zukunftswerkstatt werden Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen geschaffen und Bürger werden für den Wert regionaler Produkte sensibilisiert. „Weiter sind Vorträge, Filmvorführungen sowie die Weiterentwicklung des Repaircafés geplant“, führte Wachowski aus.

Der Verein Simbav ist bereits seit einigen Jahren im Haus der Bildung mit vielfältigen Angeboten für Familien in der Vissel-Stadt engagiert. „Wir sind Ansprechpartner für viele Eltern geworden und wollen unser Engagement weiter ausbauen“, betonte Ina Helwig. Die Angebote würden von Familien aus allen Lebenswelten rege wahrgenommen. „Im BuZ soll unser bisheriges Angebot durch einen offenen Treffpunkt für Familien mit integrierter Kleiderbörse erweitert werden. Hierfür sind in der Planung die Räume der jetzigen Bücherei vorgesehen.“

Die aktuellen Simbav-Angebote könnten in die oberen Räume des Hauses umziehen, um den Familien einen eigenen Bereich zu bieten. Um die Idee eines Zentrums für Familien abzurunden, ist der Ausbau der Angebote im Bereich Kurse, Vorträge sowie Kooperationen mit anderen Fachleuten wie zum Beispiel Hebammen geplant. „Das alles sorgt für eine familienfreundliche Infrastruktur in Visselhövede“, so Helwig. Die Kooperation mit den Rotenburger Werken böte die Chance, dass Eltern und vor allem Kinder mit dem Thema „Menschen mit Behinderungen“ in Berührung kämen und Hemmschwellen gar nicht erst aufgebaut würden.

Ausschussvorsitzender Dieter Carstens (CDU) sieht die Ideensammlung als „überaus positiv“ an, weil jetzt ein greifbares Nutzungskonzept vorliege. Mit ihm stimmten fast alle Ausschussmitglieder, dass an der Ausgestaltung der Planungen weiter gearbeitet werden soll.

„Wir haben seit Jahren überlegt, was wir mit dem Haus der Bildung machen können, jetzt haben wir eine gute Idee, die auch der Stadt eine wirtschaftliche Perspektive ermöglicht“, so Bürgermeister Ralf Goebel.

Er hat auch schon Planungen, was mit der Bücherei, dem Stadtarchiv und dem Kinderhort geschehen soll, die jetzt noch im Haus der Bildung untergebracht sind: „Wir haben in der Oberschule noch sehr viel Platz und ein Umzug könnte bereits Sommer realisiert werden.“

Für den Hort müssten für die Zukunft ganz andere Überlegungen angestellt werden, weil ab 2025 die Ganztagsschule verpflichtend sei

Zeitplan: Noch viel Detailarbeit

Das Haus der Bildung soll Eigentum der Stadt bleiben. Es ist eine Mischnutzung angedacht. Die Rotenburger Werke würden einen Teil der Räumlichkeiten fest mieten. Der Saal soll weiter für städtische Veranstaltungen und Vereine zur Verfügung stehen. Jetzt werden Kosten ermittelt, Fördermöglichkeiten gecheckt und Umbau-Notwendigkeiten geprüft. Die Möglichkeiten der zeitlichen Umsetzung sind bei den einzelnen Akteuren unterschiedlich, alle haben aber den Wunsch, die Projektidee im Laufe des Jahres umzusetzen.

Auch interessant

Kommentare

Teilen