60 MINUTEN Geordnete Verhältnisse bei der Visselhöveder Tafelausgabe

Ein eingespieltes Team

Die letzten Vorbereitungen für den Nachmittag: Cindy Meling (l.) und Julia Kublun sortieren die Lebensmittel und verschaffen sich einen Überblick, um den Kunden schnell sagen zu können, was es heute gibt.
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Die letzten Vorbereitungen für den Nachmittag: Cindy Meling (l.) und Julia Kublun sortieren die Lebensmittel und verschaffen sich einen Überblick, um den Kunden schnell sagen zu können, was es heute gibt.

Visselhövede – „Ach, ich brauche noch meine Handschuhe!“, ruft Jutta Benke und verschwindet im kleinen Nebenraum. Als sie wiederkommt, trägt sie ein paar weiße Einmalhandschuhe und wackelt mit den Fingern. Ihre drei Kolleginnen grinsen fröhlich und ziehen sich ihrerseits die Handschuhe hoch. Sicherheit geht vor und ist das oberste Gebot derzeit bei der Visselhöveder Ausgabestelle der Tafel. Die vier sind bereit, alle Vorbereitungen getroffen. Gleich geht es los. „Etwa 20 Kunden warten schon draußen“, verkündet Helmut Neiß, als er hereinkommt.

Viele werden es heute erfahrungsgemäß auch nicht werden – freitags ist mehr los, erklärt er. Neiß hat ein Auge auf alles und wuselt ständig hin und her. Der Fahrer kassiert, sorgt dafür, dass jeder seine Hände desinfiziert, der hereinkommt sowie eine Maske trägt und wird besonders aufmerksam, wenn bestimmte Personen hereinkommen. „Es gibt auch unverschämte Leute“, meint er. „Aber die Netten überwiegen“, ruft Meling herüber. Müssen sie auch, sonst wäre wahrscheinlich keiner freiwillig hier.

Die Fünf sind gut gelaunt, scherzen ständig miteinander. Sie sind miteinander vertraut, ein eingespieltes Team, das merkt man schnell. Jeder Handgriff sitzt und jeder hat seinen Bereich, so können sie ihren Abstand so gut es geht einhalten. Und wenn es doch mal enger wird, tragen alle Visiere, die das komplette Gesicht verdecken – obwohl die ja nicht ganz so gut sein sollen, denke ich mir insgeheim. Aber: mehrere Spuckschutzscheiben wurden entlang der Ausgabe installiert. Das ist gut.

Jetzt geht es los, der erste Kunde kommt herein. Neiß kündigt immer an, für wie viele Personen er jeweils Lebensmittel benötigt. Der Mann bekommt ein Brot, weiter geht es zum Gemüse, dann zum Obst. Meling hält ihm eine Auswahl in einer grünen Kiste hin. Auf dem Regal hinter ihr liegt eine überschaubare Menge Obst. „Weintrauben? Und brauchst Du Knoblauch oder Zwiebeln?“ Die hat sie auch parat, in einer roten Kiste.

Vorne darf unterdessen der nächste Kunde hereinkommen, maximal zwei sollen zeitgleich im Raum sein. Richtung Bahnsteig geht es durch den Ausgang, kein Begegnungsverkehr. Bisher halten sich alle brav daran, es wird nicht gemurrt. „So, jetzt bist du gleich dran“, sagt Neiß gut gelaunt zu einer blonden jungen Frau. „Aber erstmal desinfizieren“, mahnt er. Die Kundin vor ihr trödelt ein wenig. „Wir essen zeitig“, ruft Neiß quer durch den Raum, lächelt aber dabei. „Guten Appetit“, antwortet sie nur trocken. Mehr Zeit muss ohnehin eingeplant werden: Durch die Hygienemaßnahmen verzögert sich die Ausgabe. Geduld ist auf jeden Fall gefragt.

Neiß kündigt den nächsten Kunden an, einen Vater. Fünf Kinder, eine Frau. „Er braucht Essen für sieben Leute“, ruft Neiß. Auch die Religionszugehörigkeit ist wichtig – nicht jedes Lebensmittel wechselt die Besitzer. Der Mann trägt schwarze Handschuhe, vorsichtig und fast ein wenig schüchtern greift er nach den ihm angebotenen Lebensmitteln, legt sie in seine mitgebrachte Kiste. Aus einem Gefrierschrank holt Neiß unterdessen einzeln verpacktes Hähnchen heraus und hält es mir hin. Gut sieht es aus, nicke ich und er lächelt zufrieden. „Deswegen ist es so wichtig, dass wir offen bleiben“, meint Benke, die gerade Brötchen in Tüten packt. „Sonst würde so vieles wieder weggeschmissen. Kuchen?“, wendet sie sich direkt dem nächsten Kunden freundlich zu. Denn Kuchen gibt es heute auch. Allerdings vorverpackt in undurchsichtigen Papiertüten – so geht es schneller. Es ist wie eine kleine Wundertüte. Was drin ist, erfahren die Kunden Zuhause.

Eine weitere Frau kommt herein, Neiß sprüht ihre Hände ein. „Uff“, sagt sie – der Geruch nach Lavendel und Aloe Vera dringt sogar durch die Maske. Nach kurzer Zeit schnuppert sie zufrieden an ihren Händen. „Wenn es etwas verflogen ist, riecht das richtig gut.“ Hinter ihr wartet ein Teenager. Benke ist vorbereitet, hält ein paar süße Leckereien in der Hand, die sie dem Jungen in den Korb legt. Weiter geht’s zum Gemüse. „Nimm mal deine andere Tasche, das wird sonst matschig“, rät ihm Horack. Bisher ist es sehr ruhig, alle sind entspannt. Ein Dienstag eben. Freitags ist mehr los.

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