Der ehemalige Oberkreisdirektor Gerhard Blume erforscht die Geschichte und Sagen der Region

Mythen und Mord im Paterbusch

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Der ehemalige Oberkreisdirektor Gerhard Blume (l.) ist mit dem Kreisarchäologen Stefan Hesse unterwegs.

Visselhövede - Von Wieland Bonath. Gerhard Blume, ehemaliger Oberkreisdirektor des Landkreises Rotenburg, kann auch im Ruhestand die Hände nicht in den Schoß legen. Der pensionierte Verwaltungschef, der jetzt mit seiner Frau in Rotenburg lebt, muss stets hinaus in „seinen“ Landkreis – als Jäger, Naturfreund, Hobby-Archäologe, Geschichtsenthusiast und als Fotograf.

An diesem grauen Tag geht die Fahrt in den südwestlichsten Zipfel des Landkreises – ins Visselhöveder Stadtgebiet mit Kettenburg, Hof Tadel und Bleckwedel. Uraltes Grenzland, wo der Fluss Lehrde einst das Bistum Verden und das Herzogtum Lüneburg trennte und wo sich heute die Landkreise Rotenburg, Verden und der Heidekreis treffen. Eine stille, von viel Wald und Äckern geprägte Landschaft.

Hier gibt es neben moderner Land- und Viehwirtschaft überall Geschichte: vom uralten Kopfsteinpflaster, vorbei an alten Wassermühlen und versteckten Hügelgräbern, von denen es in dieser Gegend etwa ein gutes Dutzend gibt. In der Zeit von 3000 bis 1000 vor Christus haben die Menschen die Toten in diesen Gräbern bestattet.

Und warum zieht der ehemalige Oberkreisdirektor immer wieder seinen Lodenmantel und seine Gummistiefel an? Warum legt er immer wieder das Gewehr in den Kofferraum, nur um es immer seltener zu benutzen und dafür lieber die Natur zu genießen? Blume: „Weil ich die Gelegenheit dazu habe, bin ich viel und fast überall im Kreis Rotenburg unterwegs – von Bremervörde bis Visselhövede.“

Bereits in seinen Jahren als Oberkreisdirektor im Landkreis haben es Blume diese und andere geschichtsträchtige Landschaften in der Region angetan: Der heute 80-Jährige setzte sich zwischen 1985 und 2000 stets für die Kreisarchäologie ein. „Durch die rege Bautätigkeit wurden wieder archäologische Fundstellen zerstört – unwiederbringlich!“, sagt er.

Mit dieser Einschätzung war er damals nicht allein, er habe dabei die Unterstützung der Abgeordneten des Kreistages erfahren. Archäologische Fundorte, pflichtet Stefan Hesse, Leiter der Kreisarchäologie Rotenburg, bei, seien „eben keine nachwachsenden Rohstoffe“.

Aber nicht nur historisches interessiert Blume in dieser Region. Als Jäger nutzt er die Fahrt in den Südwesten, um eine Futterstelle für Wild zu versorgen. Hier ist eine Kamera installiert, mit der das Wild wie Reh- und Damwild gezählt wird.

Um diesen „historischen Zipfel“ des Landkreises tummeln sich neben Wahrheiten auch immer wieder Sagen, Mythen und Legenden. So soll beispielsweise im Paterbusch ein Kirchenmann erschlagen worden sein, der mit der kaiserlichen Kriegskasse unterwegs war.

Der alte Königshof, der damals in der Gegend des heutigen Grenzdreiecks stand, war laut Sage einst Eigentum des hannoverschen Königs, der häufig zur Hirschjagd vorbei kam. Der dritte der Höfe an der Lehrde, der Spöringsche Hof, wurde 1396 von Graf Otto III. von Hoya vom Knappen Ongies von der Eitze erworben. Später bewirtschaftete Henke von Lernen das Anwesen. Später wurde der Hof ein Lehnhof der Grundherren von Behr.

Die letzte Station dieser Zeitreise in die lokale Vergangenheit ist Kettenburg. Vom ehemaligen Schloss ist nichts mehr zu sehen, dafür ist der alte Grenzstein zwischen dem Bistum Verden und dem Herzogtum Lüneburg mit dem springenden Löwen noch gut erhalten. Georg Graf Nesselrode, Forstwirt und Eigentümer großer Waldflächen, hütet diesen historischen Schatz bis heute.

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