Edeka will Vollsortimenter bauen und Schwimmhalle kaufen

Supermarkt mit Hallenbad

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Fast immer ist der große Parkplatz verwaist. Das könnte sich ändern, wenn die Pläne des Edeka-Konzerns realisiert werden. Denn rechts neben dem Hallenbad, das weiter vermietet werden soll, plant der Konzern einen Vollsortimenter. 

Visselhövede - Von Jens Wieters. Der Edeka-Konzern plant offenbar einen rund 2000 Quadratmeter großen Supermarkt als Vollsortimenter mit einer angegliederten sogenannten Shopping-Mall in der Visselhöveder Innenstadt im Bereich des Hallenbades.

Auch das Vissel-Bad will das Lebensmittelunternehmen im Paket mit den städtischen Grundstücken kaufen und an einen privaten Betreiber oder vielleicht auch an die Stadt weitervermieten. Das haben Recherchen unserer Zeitung ergeben.

Pläne derzeit noch unter Verschluss

Im Visselhöveder Rathaus werden die Pläne derzeit noch unter dem Siegel „streng geheim“ unter Verschluss gehalten. Dennoch stand Bürgermeister Ralf Goebel kurz Rede und Antwort, als die RK/VN ihn mit den Ergebnissen der Recherche konfrontierte. „Ja, es gibt diese Gedankenspiele und ich hoffe, dass bei der weitergehenden Betrachtung in den kommenden Monaten sachlich diskutiert und das Für und Wider sorgfältig abgewogen wird. Aber ich sehe das Ganze als große Chance für die Stadt“, gibt sich der Verwaltungschef betont vorsichtig, wohlwissend, dass die Edeka-Pläne so geheim sind, dass noch nicht einmal alle Ratsmitglieder konkrete Dinge darüber wissen.

„Wir planen am 20. April eine nichtöffentliche Ratssitzung, bei der auch Vertreter des Gewerbevereins über die Idee informiert werden“, versichert Goebel, der dringend appelliert, dass alle Beteiligten sich ohne Vorbehalte an der Entscheidungsfindung beteiligen. „Sollten die Pläne nämlich realisiert werden, möchte ich dafür auch eine breite Mehrheit haben.“

Visselbach soll prominentere Rolle erhalten

Mehr Details will Goebel aber noch nicht verraten, aber unseren Recherchen nach soll der Markt, bei dem es vom Liter Milch bis zum Toaster, von der Banane bis zum Parfum fast alles gibt, rund 2000 Quadratmeter groß werden. 170 Parkplätze müssen dafür vorgehalten werden. Die sogenannte Vorkassenzone wird den Plänen nach als eine Art Shopping-Mall gestaltet, in der kleine Shops für Backwaren, Blumen, Imbiss, Lotto und Zeitschriften integriert sind.

Der Visselbach, der aktuell in seinem Bett ein eher tristes Dasein vor dem Hallenbad führt, soll optisch aufgewertet und in die Shopping-Zone mit Bäumen und Arkaden eingebunden werden.

Das Hallenbad soll gemeinsam mit den städtischen Grundstücken gleich mit an Edeka verkauft werden. Allerdings wird ein Betreibermodell entwickelt, dass eine gewisse Nachhaltigkeit verspricht, damit der Fortbestand der Schwimm- und Bademöglichkeit für die Einwohner weiter gesichert ist.

Verträgt die Stadt zwei Vollsortimenter?

So könnte es auch sein, dass die Stadt das Bad weiter als Mieter betreibt. Dem Vernehmen nach soll in Verbindung mit dem Bad ein Reha-Zentrum auf dem Gelände entstehen, damit das aktuell noch hochdefizitäre Hallenbad stärker frequentiert wird.

Die Einfahrt soll weiterhin über die Straße „Zu den Visselwiesen“ erfolgen. Dafür sind aber einige Arbeiten auf der Goethestraße wie zum Beispiel Abbiegespuren erforderlich. Die Stadt Visselhövede ist aber in der glücklichen Lage, dass alle die Planungen betreffenden Grundstücke ihr gehören, sodass zeitraubende Verhandlungen entfallen.

Allerdings sind bis zur Realisierung noch einige bürokratische Hürden zu überwinden. So wird der Landkreis die Baugenehmigung nur erteilen, wenn ein unabhängiges Einzelhandelsgutachten bestätigt, dass die Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern neben dem Combi noch einen weiteren Vollsortimenter vertragen kann.

Außerdem ist das Areal am Hallenbad ein sogenannter Außenbereich, sodass auch die Bauleitplanung entsprechend angepasst werden muss. Des Weiteren müssen wohl naturschutzrechtliche Dinge bezüglich des angrenzenden Bürgerparks berücksichtigt werden. „All das wollen wir in den nächsten Monaten in aller Ruhe und Sachlichkeit Stück für Stück diskutieren“, hebt Bürgermeister Goebel hervor.

Kommentar von Jens Wieters: Der ganz große Wurf

Jens Wieters

Wow, das ist ein echter Hammer! Wenn sich die Pläne des Edeka-Konzerns realisieren ließen, wäre das für die kleine Stadt am Rande der Lüneburger Heide der ganz große Wurf. Denn sie schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. So flösse ein großer Batzen Geld beim Grundstücksverkauf in die chronisch leere Kasse, womit sich der vom Rat angepeilte Schuldenabbau bis 2043 leichter realisieren ließe. Außerdem wäre die Stadt das Hallenbad los, das jedes Jahr gut 300.000 Euro an Unterhaltungskosten für eine überschaubare Gruppe von Nutzern verschlingt. Hinzu kommen noch Investitionskosten, die pro Jahr an der 100.000-Euro-Marke kratzen. Gleichwohl wäre aber weiterhin eine Schwimmausbildung oder der Badespaß möglich, wenn die Stadt als Mieter auftritt oder ein anderes Betreibermodell gefunden würde. Die Visselhöveder Innenstadt würde sicherlich neue Kunden nicht nur aus den umliegenden Dörfern, sondern aus den benachbarten Landkreisen akquirieren. Und das alles, ohne den örtlichen Einzelhändlern weh zu tun. Nicht zuletzt würden auch einige Jobs geschaffen. Klar, es gibt immer noch viele Konjunktive, aber es bleibt nur zu hoffen, dass die Entscheidungsträger behutsam mit dieser tollen Idee umgehen und sie nicht von vornherein negativ belegen.

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