Auch Fördergeld stimmt Ausschuss nicht um / Mobile Warnanlage im Blick

Drögenbostel ohne Sirene

Die Drehstromsirenen wie auf dem Dach des Rathauses sind für die meisten Einwohner bei besonderen Ereignissen immer noch das Warnmittel Nummer 1.
+
Die Drehstromsirenen wie auf dem Dach des Rathauses sind für die meisten Einwohner bei besonderen Ereignissen immer noch das Warnmittel Nummer 1.

Visselhövede – Die guten alten Sirenen werden angesichts der Flutkatastrophe in Ahrweiler, wo die Alarmierung der Bevölkerung im Vorfeld nicht geklappt hat, von vielen Kommunen wieder intensiv überprüft und teilweise auch erneuert. Das Land Niedersachsen stellt sogar Fördergelder in Höhe von rund 140 000 Euro für den Landkreis Rotenburg in Aussicht. Mit dem Geld können sieben bis acht moderne Sirenen angeschafft werden.

„Was liegt da also näher, als uns ebenfalls für eine Installation in der Ortschaft Drögenbostel zu bewerben“, hatte Michael Meyer (CDU) im Visselhöveder Feuerwehrausschuss beantragt – allerdings erfolglos. Der Drögenbosteler Ortsvorsteher kassierte in dem Gremium eine mehrheitliche Abfuhr – und im letztlich entscheidenden Stadtrat wurde sein Antrag kurzerhand von der Tagesordnung genommen. Unter anderem mit der Begründung, dass der Bereich Visselhövede nicht durch Hochwasser oder ähnliche Naturkatastrophen unmittelbar gefährdet sei und man lieber den Kommunen den Vortritt lassen solle, die vielleicht eher betroffen sein könnten, wie Robert Rabe (SPD) es im Ausschuss formuliert hatte.

Dass jetzt eine andere Gemeinde im Landkreis von der Förderung profitiert und Visselhövede „noch nicht einmal den Versuch unternimmt, eine kostenlose Sirene zu bekommen“, ärgert Meyer immer noch. Denn nicht nur Ahrweiler, sondern auch der bundesweite Warntag im Herbst 2020 habe gezeigt, dass es „in unserer Region immer noch Defizite gibt, die Bevölkerung vor unvorhersehbaren Ereignissen rechtzeitig zu warnen“. Auch die Warn-Apps und neue Warnmittel würden nicht einwandfrei funktionieren. „Das zuständige Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat festgestellt, dass Sirenen bei den Menschen nach wie vor das Warnmittel Nummer 1 sind, trotzt des geringen Informationsgehalts des Signals“, so Meyer in seinem Antrag.

Die Ortschaft Drögenbostel sei besonders betroffen, weil es dort seit Jahren keine Sirene mehr gebe. „Die Warntöne aus den Nachbarorten sind bei uns bei entsprechender Wetterlage nicht immer zu hören“, informiert Meyer. Dass der Bereich Visselhövede kaum bis gar nicht gefährdet sei, will er so auch nicht stehen lassen, denn „wir sind ringsherum von großen Waldgebieten umgeben, die angesichts der zunehmenden Trockenheit in Brand geraten können“. Vor noch nicht allzu vielen Jahren sei das Dorf im Winter tagelang ohne Strom gewesen. „Also so ganz ohne Risiko leben wir hier auch nicht. Außerdem gibt es immer mehr Starkregen, vor dem mit modernen Sirenen ebenfalls gewarnt werden könnte.“

Die Verwaltung steht einer Bewerbung für einen Zuschuss oder gar einer Installation ebenso wie der Ausschuss allerdings skeptisch gegenüber: „Es gibt bisher keine Vorgaben für die Installation von Sirenen seitens des Bundes und des Landes. Und es ist fraglich, ob die Installation und Unterhaltung nur einer modernen Sirene konzeptionell sinnvoll ist.“

Im Rahmen der Ordnungsamtsleitertagung im vergangenen Oktober habe man sich zunächst darauf verständigt, die Bestandssirenen mit sogenannten Rics im Rahmen der Wartung nachzurüsten, „um diese für die Warnung der Bevölkerung nutzen zu können“, erläutert Ordnungsamtsleiter Mathias Haase. Die Kosten je Sirene werden demnach 25 bis 30 Euro betragen. In ein paar Wochen würden weitere Gespräche mit den Ordnungsamtsleitern des Landkreises hinsichtlich Warnmöglichkeiten der Bevölkerung geführt. Dann werde erörtert, ob die zur Verfügung stehenden Warnmittel ausreichen oder ob eine flächendeckende Installation von modernen Sirenen zu empfehlen sei.

„Zurzeit stehen als Warnmittel in Visselhövede folgende Möglichkeiten zur Verfügung: Warn-Apps, Radio und Fernsehen, Sprachdurchsagemöglichkeiten durch Streifenwagen und Feuerwehrfahrzeuge und Drehstromsirenen“, bilanziert Haase.

Grundsätzlich seien schon Szenarien denkbar, die eine Warnung der Bevölkerung in einem bestimmten Bereich des Stadtgebietes oder in einer der Ortschaften erforderlich machen würden. Damit hohe Investitionen und Unterhaltungskosten für eine flächendeckende Ausstattung mit Sirenen vermieden würden, könne es sinnvoll sein, eine mobile Sirenenanlage zu beschaffen, die auf jedem Fahrzeug montiert werden könne. „Am sinnvollsten wäre sicherlich der Betrieb auf einem Fahrzeug der Feuerwehr“, so Haase.

Michael Meyer kann diese Beurteilung zwar im Grunde nachvollziehen, versteht aber dennoch nicht, dass die Stadt nicht einmal versucht, „für Drögenbostel eine moderne Anlage ohne Kosten zu bekommen. So freut sich ein andere Kommune im Landkreis.“

Der Drögenbosteler verspricht aber, „in dieser Sache weiter am Ball zu bleiben“. Und vielleicht kämen auf die Stadt in den nächsten Jahren gerade bei dieser Thematik einig neue Aufgaben mit entsprechenden Zuschüssen hinzu, sodass „sie tätig werden muss“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben
Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat
Weiterhin Schule in Präsenz?

Weiterhin Schule in Präsenz?

Weiterhin Schule in Präsenz?
Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Kommentare