Meyer-Antrag abgelehnt / Zu hohe Folgekosten

Drögenbostel bleibt sirenenfrei

DieDrehstromsirene auf dem Dach des Visselhöveder Rathauses.
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Die einfache Drehstromsirene auf dem Dach des Visselhöveder Rathauses heult zwar, aber viel mehr kann sie auch nicht.

Visselhövede/Drögenbostel – Vor fast einem Jahr fand der erste bundesweite Warntag nach der Wiedervereinigung statt – und der ging bekanntlich grandios in die Hose. Sirenen heulten nicht in der verabredeten Zeit oder blieben gleich ganz stumm, Warn-Apps fürs Handy quittierten ihren Dienst. „Das Ergebnis hat gezeigt, dass es nicht nur in der Region noch reichlich Defizite gibt, sondern dass auch neue Warnmittel nicht einwandfrei funktionieren“, so Drögenbostels Ortsvorsteher Michael Meyer (CDU).

Und darum möchte er wieder eine Sirene im Dorf installieren lassen und hat einen entsprechenden Antrag im Visselhöveder Feuerwehrausschuss eingebracht. Aber der hat am Ende einer langen Diskussion abgelehnt.

„Dabei hat der Katastrophenschutz meiner Meinung nach einen immer höheren Stellenwert und auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat festgestellt, dass Sirenen nach wie vor das Warnmittel Nummer eins sind“, argumentierte Meyer.

In seinem Heimatdorf sei die ehemals vorhandene Sirene vor einigen Jahren abgebaut worden, weil sie defekt gewesen sei. „Die wurde aus Kostengründen nicht ersetzt. Aber in Drögenbostel sind die Melder aus den Nachbardörfern nicht immer zu hören“, so Meyer, der sich auch schon über die Finanzierung so seinen Gedanken gemacht hatte: „Rund 12 000 Euro kostet eine moderne Sirene. Die Stadt bräuchte nur 20 Prozent zahlen, den Rest würden Land und Bund übernehmen. Ich hätte durch Sponsoren auch die Möglichkeit, den städtischen Anteil noch einmal zu halbieren.“

Aber auch das ist dem Ausschuss zu viel Geld, denn es bleibe ja nicht bei den Anschaffungskosten, war im Ausschuss zu hören. Außerdem wolle man für Drögenbostel keine Extrawurst braten und alle Ortsteile gleich behandeln.

„Um aber eine 100-prozentige flächendeckende Alarmierung über solche Sirenen in Visselhövede zu gewährleisten, wären für das gesamte Stadtgebiet mit allen dazugehörigen Ortschaften grob geschätzt 25 bis 30 Anlagen erforderlich“, so Ordnungsamtsleiter Mathias Haase. Dafür wären Haushaltsmittel in Höhe von mindestens etwa 300 000 Euro zu veranschlagen. Hinzu kämen Grunderwerb oder Pachten, Stromkosten sowie die jährliche Wartung in Höhe von geschätzt 10 000 Euro. „Und die vorhandenen Sirenen müssen abgebaut werden.“

Grundsätzlich sei eine Nachrüstung der vorhandenen Sirenen aber mit einem geringen finanziellen Aufwand möglich, so Haase. Für den Bevölkerungsschutz seien sie aber nicht mehr vorgesehen. Der Bund habe die Geräte in den 1990er-Jahren an die Kommunen übergeben und die hätten nur noch für die Alarmierung der Feuerwehren gedient. „Seit einigen Jahren werden die Wehren aber mit Funkmeldeempfängern ausgestattet. Auf die Sirenen in den kleineren Ortschaften wurde dann verzichtet, wenn sie defekt waren und der Reparaturaufwand sehr hoch gewesen wäre.

Aktuell sind noch 17 Sirenen verfügbar und werden entsprechend gewartet“, informierte Haase. Da die Gemeinden verpflichtet seien, die Bevölkerung in Notlagen zu warnen, wurden die neuen Feuerwehrfahrzeuge mit Lautsprecheranlagen ausgestattet. Die gebe es in Hiddingen, Nindorf, Buchholz, Visselhövede und demnächst auch in Ottingen.

Der Landkreis Rotenburg habe ihm, so Haase, außerdem mitgeteilt, dass Sirenen im Katastrophenfall nicht das entscheidende Kommunikationsmittel seien.

Ob es aber nicht doch irgendwann zu einem Umdenken kommt, ließ Haase offen: Denn der Niedersächsische Städtetag habe mitgeteilt, dass eine Neuausrichtung für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz stattgefunden hat. So plane der Bund eine Fördersumme für die Länder und Kommunen in Höhe von 88 Millionen Euro, um Sirenen aufbauen zu können. „Fraglich ist, ob die Landkreise oder auch die Gemeinden antragsberechtigt sind“, so Haase, der Sirenen aber generell infrage stellt, weil Visselhövede zum Beispiel kein Hochwassergebiet sei, wo die Geräte Sinn ergeben würden.

Moderne Sirenen können mehr

Beim deutschlandweiten Probealarm am 10. September 2020 sollte überprüft werden, ob die Warnmittel eine zuverlässige Alarmierung der Bevölkerung gewährleisten. Unter anderem wurden die Warn-App „Nina“, Rundfunk und Fernsehen, Sprachdurchsagen durch Streifenwagen und Feuerwehrfahrzeugen und auch Sirenen getestet. Oder es wurde zumindest versucht, denn im Landkreis Rotenburg war der Bevölkerungsschutz durch eine Sirenenwarnung an dem Tag technisch nicht möglich. Weiterhin stellte sich heraus, dass die Warn-Apps nicht zuverlässig funktionieren. Unbestritten ist aber, dass Sirenen nachts die größte Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung erreichen, wenn sie einen höheren technischen Standard erfüllen, als die bisher eingesetzten Drehstromsirenen. Folgende Funktionen bieten die modernen Sirenen: ein Alarmsignal, die Möglichkeit von Sprachdurchsagen, angepasste Einstellung der Schallrichtung und Schallweite sowie einen Akku-Notbetrieb bei Stromausfall.

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