Drei Tage im Schlamm

Drei Tage im Schlamm: Hiddinger berichtet von seinem Hilfseinsatz im Katastrophengebiet

Wilfried Eimer an seinem Radlader mit Schaufel.
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Wilfried Eimer an seinem Radlader mit Schaufel. Drei Tage lang waren er und seine Begleiter im Einsatz in Ahrweiler.

Ein scheinbar ganz normaler Feierabend: Lohnunternehmer Wilfried Eimer (63) aus Hiddingen, hat endlich Zeit, den schweren Radlader und die Motorwalze von seinem Tieflader zu rollen und zu den anderen Maschinen zu stellen. Immer wieder denkt er an jene drei Tage in dem Hochwasserkatastropengebiet in Altenahr im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, 35 Kilometer von Bonn entfernt.

Hiddingen – Hier war vor fast drei Wochen die Hölle los. Der Fluss Ahr war Mitte Juli nach Starkregen zu einem reißenden Gewässer angeschwollen und verwandelte das Land, kleine Städte und Dörfer in ein Chaos.

Das beschauliche Altenahr gehörte mit seinen Menschen mit zu den Hauptbetroffenen. Menschen standen plötzlich vor dem Nichts, viele Häuser waren zerstört, die Fahrzeuge, Wohnwagen und Zelte von Feriengästen und Touristen wurden von den Fluten weggespült. Für Wilfried Eimer und seine Kollegen in den Landkreisen Rotenburg und Heidekreis gab es in der letzten Woche nur dies: Den Menschen musste geholfen werden in einer gemeinsamen Aktion.

Jan Schnackenberg (24), Juniorchef einer Baumaschinenhandlung in Tewel bei Neuenkirchen (Heidekreis) organisierte eine Hilfsaktion. Berufskollegen wie Eimer aus Schwitschen, Visselhövede, Abbendorf, Zeven sowie aus Bispingen und Heber (Heidekreis) waren spontan bereit, Fahrzeuge und Maschinen, vom Tieflader bis Radlader, zur Verfügung zu stellen und für drei Tage in das Katastrophengebiet zu fahren, um zuzugreifen und den Menschen zu helfen. Im Konvoi ging es Freitagnacht auf den 430 Kilometer langen Weg über die Autobahn in den Südwesten Deutschlands machte. 13 Männer und zwei Frauen von insgesamt 14 Firmen, unter ihnen Wilfried Eimer mit seinem Mitarbeiter Berndt Wachtmann (63) aus Brockel.

Als die Helfer aus der Heide am Sonnabendvormittag über die Bundesstraße 257 in Ahrweiler eintrafen, lag vor ihnen ein Chaos: zerstörte Häuser, Straßen, herausgerissene Bahnschwellen, Autos und Wohnwagen, von der Flut mitgerissen und jetzt als Blockade an den alten Brücken. Überall Trümmer, vom Schlamm verschmutzte Wohnungseinrichtungen, berichten sie. Dazu, wie ein Widerspruch, 23 Grad Wärme, Sonnenschein, nur der Wind wirbelte Staub durch die Straßen. Der Tross wurde dankbar erwartet. Maschinen und Geräte wurden ab- und umgeladen. Ein Mitarbeiter der Gemeinde wies die Helfer aus dem Norden ein, zeigte die Orte, wie der Einsatz der Maschinen besonders dringlich und wichtig war.

Die Einwohner waren seit Tagen fast ununterbrochen dabei, ihre Häuser zu säubern, Müllberge aufzuschichten zu Zwischenlagern für den großen Abfallplatz. Eimer: „Ich glaubte, sie hatten das Ganze noch nicht realisiert. Ein älterer Hausbesitzer sagte zu mir: Es muss ja weitergehen. Bei einem Jungen bemerkte ich eine positive Einstellung. Wichtig war auf jeden Fall, dass man mit den Menschen sprach.”

Die Helfer begannen gleich mit der Arbeit, in fast allen Teilen von Altenahr war ihr Einsatz mit den Maschinen dringend wichtig. Und dass, obwohl Soldaten der Bundeswehr, Polizisten, Helfer des Technischen Hilfswerks, des Deutsche Roten Kreuzes, der Freiwilligen Feuerwehr und Mitarbeiter der Kirche vor Ort waren und den Menschen halfen. „Ich war immer wieder erstaunt über die Hilfsbereitschaft der Menschen und den Grad der Unterstützung fremder Menschen”, erinnert sich Eimer. Die Landfrauen sorgen immer wieder für Essen und Getränken.

Haupteinsatztag für die Helfer war der Sonnabend. Von 8 bis 23 Uhr arbeiteten sie in dem verwüsteten Städtchen mit Maschinen und Geräten. Ein Ende der Aufräumarbeiten, so Eimer, sei auch jetzt noch nicht abzusehen. Und dann der Wiederaufbau, das werde noch sehr lange dauern. Trotz der oft ausweglosen Situation: Für die Helferinnen und Helfer aus dem Norden waren die drei Tage – am Sonntag Mittag machten sie sich auf die Rückfahrt – ein Gewinn. „Alle haben gesagt”, so Eimer, „es sei ein gutes Wochenende gewesen.”

Ein betroffener Einwohner schrieb: „Lieben Dank. Ist ja richtig was gelaufen letzte Nacht. Vielen Dank. Ich kann nur immer wieder sagen, was würden wir ohne euch Helfer in dieser schweren Zeit machen. Vielen, vielen Dank auch an das ganze Team. Ihr seid Klasse.”

Wilfried Eimer: „Ich bin dankbar, dass ich mit meinen Kollegen vor Ort war, um zu helfen. Ich würde auf jeden Fall wieder losfahren, wenn ich darum gebeten würde. Meinen Kollegen geht es genauso.” Einer habe sich aus Altenahr drei Steine mitgebracht. Die habe dieser an Plätze gelegt, an denen er immer wieder vorbeigehe. „Die Steine”, habe er gesagt, „sollen mich daran erinnern, wie gut es mir geht.”

Von Wieland Bonath

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