Kritik an Apotheker-Verhalten / Grube: Zeitliche Beschränkung der Abgabe

Drei Masken, zwei Standpunkte

In der Neuen Apotheke stapeln sich die Masken.
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In der Neuen Apotheke stapeln sich die Masken.

Visselhövede – Seit gut einer Woche haben Menschen über 60 Jahre und die mit Vorerkrankungen die Möglichkeit, sich drei kostenlose FFP2-Masken aus den Apotheken zu holen. Die besonders verarbeitete Mund- und Nasenbedeckung schützt nachweislich besser vor Corona als die üblichen Alltagsmasken. Der Andrang auf die weißen Luftfilter ist groß, teilweise bilden sich Schlangen vor den Apotheken. Dann ist auch mal Streit angesagt, so wie jetzt in Visselhövede. Denn dort gibt es auf der einen Seite Hans Abeling, der seinen Worten nach keine Masken in der Neuen Apotheke bekommen habe, weil er dort „zu wenig Umsatz gemacht“ hätte, wie „mir Apotheker Matthias Grube klar zu verstehen gegeben hat“. Auf der anderen Seite gibt es den Pharmazeuten Grube, der seine Maskenausgabe vorübergehend zeitlich begrenzen musste, da er einem Kollegen ausgeholfen habe, „der zu wenig vorrätig hatte“, sodass dessen Kunden ebenfalls bei ihm nach dem Schutz gefragt hätten.

Aber der Reihe nach: „Als ich am vergangenen Dienstag für meinen Lebensgefährten Hans Abeling bei der Neuen Apotheke Masken abholen wollte, sagte man mir, dass er persönlich vorbeikommen müsse. Das war für mich auch noch in Ordnung“, berichtet Mira Sandler. Als Hans Abeling kurze Zeit später zur Apotheke an die Goethestraße ging und nach den Masken fragte, „schaute Apotheker Grube in seinen Computer und teilte mir mit, dass ich nicht genügend Umsatz gemacht hätte und darum keinen Anspruch auf die speziellen Masken hätte“, erzählt der 75-Jährige.

Er sei anschließend zur Alten Apotheke gegangen, wo „ich ohne Umstände die Schutzmasken erhalten habe“. Wieder Zuhause, habe er von seiner Nachbarin Gaby Adler erfahren, dass sie ebenfalls die Neue Apotheke mit leeren Händen verlassen habe: „Es hieß dort, die wären alle vergriffen“, so Abeling, der „sehr enttäuscht“ ist vom Verhalten des Apothekers Grube: „Das ist nicht kundenfreundlich. In einem kleinen Ort spricht sich so eine Geschichte schnell herum!“

Apotheker Matthias Grube will die Anschuldigungen nicht unkommentiert im Raum stehen lassen und klärt auf: „Die von uns kostenlos ausgegebenen Masken mussten vorher von mir auf dem freien Markt gekauft werden. Wir Apotheker bekommen sie nicht vom Staat geschenkt.“ Aber zum Start der Maskenausgabe sei das Team der Neuen Apotheke „viel besser“ gewesen als andere Mitbewerber, „denn wir waren sofort lieferfähig und sind das auch heute noch“, betont Grube.

Er klärt auch über den Abrechnungsmodus auf: „Die Entlohnung der Apotheken erfolgt nicht pro Maske, sondern pauschal nach der Zahl der abgegebenen verschreibungspflichtigen Arzneimittel der Monate Juli, August und September an unsere Kunden – und damit meine ich unsere Stammkunden.“

Durch den vorübergehenden Lieferengpass der benachbarten Apotheke, die eben nicht über genügend Masken verfügt habe, seien „sehr viele Kunden dieser Apotheke zu uns gekommen“. Darum sei die Ausgabezeit der Masken zeitweise beschränkt worden, um „auch der Kundenzahl Herr zu werden“. Aber auch der größte Teil der Stammkunden der anderen Apotheke habe von ihm die Masken erhalten, betont Grube.

„Diese Situation hat allerdings zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung geführt, da wir Masken an Kunden der noch nicht lieferfähigen Nachbarapotheke abgegeben haben, sie aber trotzdem dafür pauschal entlohnt wird.“

In Bezug auf Hans Abeling sagt Grube: „Nachdem die Nachbar-Apotheke wieder Masken vorrätig hatte und da Herr Abeling nicht unser Kunde ist, habe ich ihn gebeten, seine Stamm-Apotheke aufzusuchen, um sich dort mit Masken einzudecken. Das soll auch verhindern, dass zwischen den Apotheken hin und her gependelt wird um sich unrechtmäßig doppelt mit Masken zu versorgen.“

Im Fall von Gaby Adler erläutert Grube, dass „die von uns gekauften Masken ein Volumen einnehmen, das vom Platz her nur schwer in den Apotheke-Räumen zu lagern ist. Deshalb entnehmen wir unserem Lager eine normalerweise ausreichende Menge vor der Apothekenöffnung. An diesem Tag war sie offenbar nicht ausreichend. Sorry!“  jw

Mira Sandler und Hans Abeling kritisieren, dass sie in der Neuen Apotheke keine Maske bekommen haben. Sie sind dort aber keine Stammkunden.

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