Schaustellerfamilie Ahlden baut Buden am eigenen Hof auf – zwangsläufig

Dreeßel statt Jahrmarkt

Die Fischbrötchen bereitet David Ahlden immer frisch zu.
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Die Fischbrötchen bereitet David Ahlden immer frisch zu.
  • Angela Kirchfeld
    vonAngela Kirchfeld
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Dreeßel – Mit derzeit 74 Einwohnern gehört Dreeßel zu den kleinsten Ortschaften der Stadt Visselhövede. Dennoch gibt es in dort derzeit einen Mini-Jahrmarkt. Ein großer Fischwagen und eine Bude für Schmalzgebäck und Crepés stehen vor dem Hof von David Ahlden. Calamares, Backfisch mit Kartoffelsalat, Rollmops, Fischbrötchen in verschiedenen Varianten, das ist alles von freitags bis sonntags in seinem „Kapitäns Dinner“ erhältlich.

Wie es dazu kam? „Ganz einfach: Corona macht erfinderisch“, erklärt der fünffache Familienvater und Schausteller. Durch die Pandemie liegt das Schaustellerleben zurzeit völlig brach. Alle Veranstaltungen, Volksfeste, Feiern und Jahrmärkte, womit er und seine Familie sich ihren Lebensunterhalt verdienen, sind abgesagt,.

„Erst im Dezember haben wir in einen neuen Verkaufswagen investiert und eine Woche vor Corona einen zweiten Fischwagen gekauft“, macht der 42-Jährige den Ernst der Lage deutlich. Er ist mit dem Gewerbe aufgewachsen und hat die „Schinkenkate“ von Vater Heinz geerbt. „Ich habe im Sommer immer bis zu zwölf Studenten, die bei mir jobben. Denen musste ich jetzt leider eine Absage erteilen. Warum gerade wir nicht weitermachen dürfen, versteht keiner“, so Ahlden.

Auf die Wochenmärkte auszuweichen, komme aber nicht infrage, denn dort gebe es bereits Fischhändler. „Da stelle ich meinen Wagen nicht als Konkurrenz dazu, das macht man einfach nicht“, betont Ahlden. Auch an die Freizeitparks hat er sich gewandt. „Durch die Hygienevorschriften sehen die Betreiber keine Möglichkeit. So kamen wir auf die Idee, die Buden auf dem eigenen Hof in Dreeßel zu öffnen.“

Durch die Reiseerwerbskarte ist es ihm nach einigen Auflagen der Stadt möglich, auf dem eigenen Hof zu verkaufen. Durch Werbung auf Facebook und Aushängeschilder konnte sich Familie Ahlden schon einen kleinen Kundenstamm aufbauen. „Gerade hier in Dreeßel ist das schon etwas Besonderes“, freut sich auch Ehefrau Mareike, die voll und ganz hinter dem Projekt steht und für den viel gelobten Kartoffelsalat zuständig ist.

Sohn Leon wird ebenfalls eingespannt und bessert sich damit in den Ferien sein Taschengeld auf. Er kümmert sich um das „süße Geschäft“ und bereitet Schmalzgebäck oder Crepés frisch zu. Drei Kilo Teig werden pro Tag hergestellt. „Mehr als versuchen und ausprobieren, hier etwas zu etablieren können, wir nicht“, verdeutlicht Mareike Ahlden, die beruflich noch als Nachtwache in einem Kinderheim tätig ist. „In der heutigen Zeit muss man sich etwas einfallen lassen, und sich hier hinzustellen, ist besser als gar nichts zu tun. Freitags ist der Betrieb verhalten, samstags geht’s so, und am Sonntag haben wir richtig guten Zulauf. Dazu zählen Stammkunden, ältere Kunden aus Kirchwalsede und Ahausen, ,Laufkundschaft‘ wie Fahrradfahrer, die spontan anhalten, und abends kommen schon mal nette Bestellungen rein. Dann macht es Spaß“, betont David Ahlden, der viel Wert auf Frische legt. „Jede Woche kommt der Fisch frisch von einem Liederanten aus Steinhude. Die Brötchen werden immer frisch zubereitet“, betont der Dreeßeler.

Und der Renner? „Ist ganz klar unser Backfisch in Bierteig, der aus Cornflakes und Honigmarinade besteht“, verrät der Schausteller in zweiter Generation. Das kann auch Kunde Alfred Rust aus Jeddingen bestätigen: „Der schmeckt so gut wie auf dem Brokser Heiratsmarkt!“  aki

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