Umfrage des Ortsrats Jeddingen / Marquart-Erbin stellt Laden zur Verfügung

Dorfladen: Wer macht mit?

Die Ortsratmitglieder Eike Elfers (v.l.) Britta Carstens, Lars Dammann und Henning Vollmer mit dem Fragenkatalog.
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Die Ortsratmitglieder Eike Elfers (v.l.) Britta Carstens, Lars Dammann und Henning Vollmer mit dem Fragenkatalog.

Jeddingen – Seit dem plötzlichen Tod von Heiner Marquart, dem Eigentümer des Einkaufsladens an der Bremer Straße, fehlt den Jeddingern seit einigen Wochen nicht nur die Möglichkeit einer Versorgung mit Lebensmitteln gleich um die Ecke, sondern auch ein beliebter Treffpunkt für die knapp 1 000 jungen und älteren Einwohner des Ortes. „Das darf nicht sein“, sagte sich der Ortsrat – und schon war die Dorfladen-Idee geboren.

Da solch ein ehrgeiziges Unterfangen natürlich nur dann wirtschaftlich funktionieren kann, wenn es mehrheitlich von den Einwohnern getragen wird, sowohl finanziell als auch durch ehrenamtliches Engagement, haben die Ortspolitiker jetzt eine schriftliche Umfrage auf den Weg gebracht, um herauszufinden, ob die Bevölkerung einen Dorfladen überhaupt will.

„Wir haben alle 400 Jeddinger Haushalte angefahren und den Fragebogen in die Briefkästen gesteckt“, informiert Ortsbürgermeister Henning Vollmer (CDU). Zusätzlich seien die Briefe auch in Dreeßel, Bleckwedel und Egenbostel verteilt worden, weil auch Bürger aus diesen Gemarkungen Kunden im kleinen Geschäft von Heiner Marquart gewesen sind.

Damit möchte der Ortsrat, der das Projekt „zunächst nur anschieben kann“, wie Vollmer betont, ein aktuelles Meinungsbild zu den Einkaufswünschen, dem Warenangebot und einer Beteiligung an einem Dorfladen erfahren. „Die Bürger-Rückantwort ist sehr wichtig, um dem Ortsrat ein Signal zu geben, ob eine Unterstützung für die Entwicklung eines solchen Ladens besteht“, heißt es in dem Anschreiben der Umfrage.

„Die Jeddinger und die Menschen drumrum sollten sich ruhig Zeit lassen beim Ausfüllen und auch hinter ihren Antworten stehen“, hofft Vollmer auf möglichst viel Post. Wenn genügend Personen dem Vorhaben positiv gegenüberstünden und auch eine Bereitschaft zu finanzieller Unterstützung vorhanden sei, könne der Ortsrat in weiterführende Verhandlungen mit der Erbin des Marquart-Anwesens einsteigen. Vollmer: „Die ersten Gespräche mit ihr sind sehr positiv verlaufen und sie lässt uns viel Spielraum mit Blick auf den Kauf nur des Geschäftsbereichs oder eine vorangestellte Pacht. Aber sie will natürlich auch bald Klarheit.“

Darum gibt es bei aller Bedächtigkeit beim Ausfüllen des Fragebogens auch einen Einsendeschluss: Und das ist der Samstag, 31. Oktober. Bis dann steht eine Box am Eingang des Hotels Jeddinger Hof. „Dort gibt es auch noch weitere Fragebögen, für die, die ihren verlegt haben oder die Haushalte, die wir beim Austeilen vergessen haben“, so der Ortsbürgermeister, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern als Termin „Mitte November“ nennt, wann eine Entscheidung über die weitere Vorgehensweise hinsichtlich eines Dorfladens getroffen werde. Denn: „Wenn wir diese Idee weiter verfolgen wollen, sollte schon die Mehrheit der Jeddinger dahinterstehen.“

Abgefragt werden zum Beispiel die Orte, wo die Jeddinger seit der Schließung des rund 150 Quadratmeter großen Geschäfts einkaufen. Sie sollten angeben, was sie brauchen, wie häufig sie unterwegs sind, wann sie einkaufen, welche Warengruppen für sie besonders wichtig sind und welche Dienstleistungen wie Kaffeetische, Reinigung, Lotto oder Bring- und Holservice sie sich wünschen.

Unterstützung bekommt der Ortsrat von Günter Lühning, der maßgeblich am Aufbau eines Dorfladens in Otersen (Gemeinde Kirchlinteln) vor 19 Jahren beteiligt war. „Dort hat sich ein Verein gegründet, der aktuell 160 Mitglieder hat und den bürgerschaftlich organisierten Dorfladen in dem nur 500 Einwohner zählenden Dorf betreibt“, berichtet Vollmer, bei dem sich mittlerweile Interessierte gemeldet hätten, die im Laden arbeiten wollen. „Und auch einen Lieferanten haben wir bereits, wenn sich der Ort entschließt, in solch einem Laden mit seinen rund 3 000 Produkten regelmäßig einzukaufen.“

Wenn der Ortsrat ein positives Votum bekommt, soll noch im November eine Informationsveranstaltung zu Corona-Bedingungen folgen, denn es „geht ja auch um rechtliche Dinge, und ob solch ein Laden genossenschaftlich oder als Gesellschaft bürgerlichen Rechts betrieben werden soll.“ Wichtig sei, so Vollmer, dass möglichst alle Angeschriebenen an der Aktion mitmachen, damit der Ortsrat ein ehrliches Meinungsbild bekomme.

Geschäft für alle Generationen

Wenn Bürgervereine oder Genossenschaften selbst Betreiber eines Dorfladens werden, dann bringen Interessierte pro Kapital- oder Genossenschaftsanteil in der Regel 250 Euro ein. In Otersen (Gemeinde Kirchlinteln), wo seit 2001 erfolgreich ein solches Geschäft betrieben wird, habe die 160 Vereinsmitglieder insgesamt 116 000 Euro in das Gebäude und in die Ladeneinrichtung investiert. Vorstellbar ist aber auch ein jährlicher Förderbeitrag von 30 Euro oder mehr. Die kleinen Dorfläden sind nicht viel teurer als die großen Märkte, sagt der Otersener Günter Lühning, Vorsitzender der Dorfladen-Bundesvereinigung. Mit einem guten Großhandelspartner als Hauptlieferant, könne ein Dorfladen ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten. Und wer Fahrkosten und Zeitaufwand berücksichtige, kaufe im Dorfladen sogar günstiger ein. Lühning ist auch der Meinung, dass Dorfläden wichtig seien, für die Einwohner aller Generationen: „Wer mit 30, 40 oder 50 die örtlichen Geschäfte nicht schätzt und dort nicht einkauft, darf sich später mit 70 oder 80 nicht beklagen, wenn die Wege zum Einkaufen immer weiter und beschwerlicher werden.“

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