Umfrage des Jeddinger Ortsrats bringt nicht die erhoffte finanzielle Hilfe

Dorfladen-Idee liegt auf Eis

Die Türen bleiben geschlossen: Das Geschäft des verstorbenen Heiner Marquart wird wohl kein Dorfladen.
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Die Türen bleiben geschlossen: Das Geschäft des verstorbenen Heiner Marquart wird wohl kein Dorfladen.

Jeddingen – Eine positive Resonanz gab es in Jeddingen bei der Umfrage für einen Dorfladen. Von den 580 Briefen, die der Ortsrat verteilt hatte, kamen 274 wieder zurück, die einen ganzen Tag lang von den Kommunalpolitikern ausgewertet wurden. Und von denen wollen 269 Haushaltsvorstände gerne in Jeddingen einkaufen. Allerdings fehlen die festen Zusagen über eine finanzielle Unterstützung des Projekts Dorfladen. „Daher werden wir als Ortsrat dieses Vorhaben nicht mehr aktiv weiter verfolgen“, sagte Ortsbürgermeister Henning Vollmer (CDU). Rund 50 000 Euro wären als Startkapital nötig gewesen, um in konkrete Verkaufsverhandlungen mit der Erbin des Ladens des im Sommer plötzlich verstorbenen Heiner Marquart einzutreten und auch Förderanträge stellen zu können. „Wir hatten aber nur Zusagen in Höhe von rund 16 000“, so Vollmer.

Laut Lars Dammann (Grüne), der während der Sitzung das Umfrageresultat präsentierte, würde solch eine Summe bei Weitem nicht ausreichen. „Dabei ist das eigentlich eine einfache Rechnung: Brächten die 269 Haushalte im Durchschnitt 185 Euro auf, würden die 50 000 Euro auf dem Tisch liegen, wobei einzelne größere Spenden die Jeddinger mit dem kleineren Portemonnaie entlasten würden.“

Enttäuscht zeigten sich die Kommunalpolitiker auch vom Interesse an dieser wegweisenden Sitzung am Donnerstagabend im Jeddinger Landhaus, weil nur zwei Besucher aus der Ortschaft dabei waren und anschließend ebenfalls „sehr enttäuscht“ über die Entscheidung waren.

„Wir haben mit viel Einsatz die Briefe verteilt und einen ganzen Samstag lang die Antworten unter Coronabedingungen gemeinsam ausgewertet. Das war schon viel Arbeit“, fasste Vollmer zusammen. „Wären heute 20 Leute hier und würden sich weiter für den Dorfladen einsetzen, könnte die Entscheidung auch anders ausfallen“, sagte Dammann ein wenig resigniert. Vielleicht hätten ein paar Zugpferde für das Projekt von außerhalb des Ortsrats gefehlt. Mit der professionell aufgezogenen Umfrage wollte man eigentlich die Basis für einen Nahversorger aufbauen.

„Die Datenbasis ist wie eine Marktanalyse. Da bezahlen andere viel Geld für“, so Dammann. Einem potenziellen Betreiber würde der Rat das Ergebnis der Analyse kostenlos zur Verfügung stellen, bot Dammann an. „Die Antworten beeindruckten mit ihrer Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit. Manche Kreuzchen wurden noch verbessert oder gestrichen und viele ausformulierte Sätze zeigten ein detailliertes Bild“, berichtet Vollmer von der Auswertung.

So wollten 170 Einwohner am liebsten zu Fuß zum Einkaufen kommen, weil für einen Großteil der Bevölkerung der soziale Treffpunkt im Dorf zähle. Das gaben 100 Antworten explizit wieder: Einkaufen und „nen lütten Schnack“ dabei. „Bei Heiner war der Dorfaustausch“, so Vollmer. Weiter seien regionale und qualitativ hochwertige Produkte den potenziellen Kunden wichtig gewesen und Zusatzleistungen wie ein Paketdienst oder auch eine Bargeldversorgung wurden außerdem gewünscht. „Es hätte sogar schon einen Handelspartner gegeben, der uns beliefern wollte“, so Dammann.

Für Ortsbürgermeister Vollmer ist die Pacht der Immobilie keine Option, weil doch größere Investitionen für den Dorfladen nötig seien, die bei Beendigung der Pacht dann einfach futsch wären. „Wir verfolgen darum dieses Thema erst mal nicht weiter, weil wir ganz einfach von den Einwohnern kein Mandat dafür erhalten haben“, zeigte auch Vollmer sich konsterniert.

Sollte sich im Rahmen der Verhandlungen zwischen der Marquart-Erbin und einen möglichen Investor eine andere Sachlage ergeben, „können wir das Thema gerne wieder aufgreifen, aber erst mal liegt für uns das Projekt Dorfladen auf Eis“, stellt Henning Vollmer klar.

„Im Kern finde ich die Idee nach wie vor gut. Problem sind diejenigen, die die Idee aufgreifen und auch weiter verfolgen. Das wäre auch für einen Dorfverein nicht so einfach“, reagierte Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel auf die Ankündigung Vollmers, dass im kommenden Jahr ein derartiger Verein gegründet werde. „Das ziehen wir durch“, sagte Vollmer entschlossen und kündigte diesen Schritt für die Zeit nach der Pandemie an.  lee

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