Am Donnerstag kommen 20 neue Flüchtlinge an / Helfergruppe sehr aktiv

Wohnungen stehen bereit

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Fast jede freie Minute für die Flüchtlinge im Einsatz (v.l.): Michaela Zabel, Judith Spoo und Mario Zabel.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Judith Spoo baut die letzten Betten zusammen. Michaela Zabel schleppt mehr als ein Dutzend Rollmatratzen bis hoch hinauf in den dritten Stock, während ihr Mann Mario sich um Phase und Nullleiter kümmert, sprich den Strom für die Flurbeleuchtung sicherstellt. Bis Donnerstagmittag muss das Mehrfamilienhaus an der Visselhöveder Schäferstraße eingerichtet sein, dann kommen 20 neue Flüchtlinge an und beziehen ihre von der Stadt angemieteten Wohnungen.

Und die sind richtig gut in Schuss. „Da muss man auch mal dem Eigentümer ein großes Lob aussprechen, denn der hat sogar einige Handwerker ins Haus geschickt, um Laminat zu verlegen und andere Dinge im ehemals leer stehenden Gebäude reparieren zu lassen“, berichtet Heiko Grünhagen von der Visselhöveder Stadtverwaltung, der sich seit einigen Monaten intensiv um die Unterbringung der Flüchtlinge kümmert.

Ursprünglich war ein Kontingent von 37 Personen angekündigt, das heute am Bahnhof eintrifft. „Es werden aber nur 20“, so Grünhagen. Bis Januar kommenden Jahres kämen noch einmal 29 Menschen hinzu. „Wobei die Zahlen rein spekulativ sind, denn manchmal überschlagen sich doch die Ereignisse, wie man am vergangenen Wochenende in München erlebt hat.“

Die Familien und Einzelpersonen, die am Donnerstag in Visselhövede ankommen, werden in fünf Wohnungen in dem großen Haus an der Schäferstraße untergebracht.

Dort schraubten und putzten bis gestern noch Familie Zabel und weitere Helfer, die sich über den Präventionsrat zu einer 20-köpfigen Helfergruppe zusammengeschlossen haben, um den Flüchtlingen in der ersten Tagen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Es gibt bei uns eine Patengruppe, die die Menschen bei Behördengängen oder Arztbesuchen begleitet. Die Sprachgruppe kümmert sich um den Deutschunterricht für die Flüchtlinge, und wir haben eine Gruppe von ,Sporados’, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Not am Mann und etwas zu schleppen ist“, informiert Mario Zabel.

Bisher hat die Stadt noch keine Probleme bei der Ausstattung der Wohnungen mit lebensnotwendigen Dingen bekommen. „Betten, Sitzmöbel und Kochgelegenheiten haben wir bereits auf Vorrat angeschafft, wenn mal eine Waschmaschine fehlt, wird sie später eingebaut“, erläutert Grünhagen.

Für das nötige Inventar sorgen neben der Stadt aber auch die Flüchtlingshelfer des Präventionsrats. „Es geht dabei um ganz banale Dinge. So braucht eine fünfköpfige Familie zum Beispiel nicht drei kleine Töpfe, um Speisen zuzubereiten, sondern einen großen“, beschreibt Michaela Zabel den Alltag der Arbeit.

Also ziehen die Helfer los und besorgen die benötigten Dinge. Inzwischen gibt es nämlich eine Datei, die von Sascha Kirschke angelegt wurde. Darin sind Sachgegenstände aufgelistet und wer was spenden möchte. Die können die Flüchtlingshelfer bei Bedarf abfragen.

Wer Haushaltsgegenstände spenden möchte, kann sich bei Sascha Kirschke unter der Telefonnummer 04262/3544 melden.

„Würde es diese Gruppe nicht geben, hätten wir immense Probleme, die Aufgaben zu übernehmen. Wir wären regelrecht aufgeschmissen. Diese ehrenamtliche Arbeit kann gar nicht hoch genug bewertet werden“, dankt Grünhagen den Asylhelfern stellvertretend für die gesamte Verwaltung.

Bisher habe die Stadt übrigens noch keine Probleme bei der Unterbringung der Flüchtenden gehabt: „Auch wenn es eng und zeitlich knapp wurde, haben die Menschen bisher immer eine Matratze für den ersten Tag gehabt“, freut sich Grünhagen, dass die Bezeichnung Notunterkunft an der Vissel bisher ein Fremdwort ist.

Wenn die 20 Personen an der Schäferstraße einziehen, dürfen sie sich auch an einem Blick ins Grüne erfreuen, denn das Haus verfügt nach hinten raus über einen riesigen Garten mit altem Baumbestand.

„Vielleicht können wir die Leute animieren, den Garten auch zu pflegen. Allerdings brauchen wir dazu einen Rasenmäher, denn solch ein Gerät sieht die Ausstattungsliste der Stadt nicht vor“, schmunzelt Grünhagen, der heute Mittag wieder mit Händen und Füßen arbeiten muss, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen. „Denn so viele Sprachen spreche ich nicht, aber mit der Zeit bekommt man Routine“, so Grünhagen.

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