Dialogforum Schiene Nord verabschiedet Empfehlung mit gut 90-prozentiger Mehrheit

"Y-Trasse ist tot“ – Alpha-E kommt

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Vor der Celler Congress Union feierten gestern Mittag die Vertreter der Bürgerinitiativen.

Celle/Visselhövede - Von Jens Wieters. Mit einem großen Fest vor der Congress Union in Celle feierten Bürger, Umweltaktivisten und Bahnfreunde gestern den Abschluss des Dialogforums Schiene-Nord. Drinnen stimmten die Vertreter von Bahn, Landkreisen, Kommunen, Umweltschützern und Bürgern bei der letzten Sitzung des Forums mit gut 90-prozentiger Mehrheit für die Alpha-E-Variante, die einen umfangreichen Ausbau von vorhandenen Bahnstrecken für Gütertransporte aus den Seehäfen Hamburg, Bremen und Wilhelmshaven vorsieht. „Damit ist die Y-Trasse tot“, so Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium.

Olaf Lies (SPD), niedersächsischer Wirtschafts- und Verkehrsminister, wird das Abschlussdokument an das Bundesverkehrsministerium übergeben, um das Alpha-Streckennetz in den Bundesverkehrswegeplan (BWP) aufnehmen zu lassen. Letztlich entscheidet der Bundestag wohl im Frühjahr über den BWP.

Bahnvertreter Volker Kefer betonte, dass der Konzern das Ergebnis des Forums akzeptiere und sich schleunigst an die Umsetzung machen werde.

„Dieses Forum ist ein leuchtendes Beispiel für eine demokratische Konfliktlösung im Sinne des Allgemeinwohls“, war von den Initiativen zu hören. Es sei ein breiter Konsens erarbeitet worden, der mit der Alpha-Variante den Ausbau der Schieneninfrastruktur vorsehe, aber gleichzeitig die Belange von Mensch und Umwelt respektiere.

In einem Gutachten habe die Alpha-Variante gute Noten für ihre Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit erzielt. Sie erfülle zudem als einzige der zahlreichen Varianten die Wünsche der Deutschen Bahn nach einer schnellen Kapazitätserweiterung ihres norddeutschen Schienennetzes.

„Dank ihrer erheblichen Kapazitätsleistung über die Ost- und Weststrecken nach Süden ohne eine zusätzliche Belastung des Knotens Hannover sowie der verbesserten Ost-West-Verbindung durch den Ausbau der Amerikalinie entstehen erhebliche Kapazitätsverbesserungen für den Güterverkehr und letztlich auch für den Personennah- und -fernverkehr“, heißt es in einer Mitteilung der Initiativen.

Für die Umsetzung der Alpha-Variante seien vom Forum klare Bedingungen definiert worden, die unter anderem einen bestmöglichen Lärmschutz für die betroffenen Strecken und eine Schonung von Orts- und Landschaftsbildern vorsehen. Um die weiteren Schritte bis hin zur Fertigstellung der Alpha-Variante zu begleiten, ist außerdem der Einsatz eines Projektbeirates vorgesehen.

Bis zum Schluss hatte vor allem das Land Hamburg letztlich erfolglos versucht, durch eine sogenannte Öffnungsklausel eine Neubauempfehlung entlang der Autobahn 7 von Hamburg nach Hannover in das Abschlussdokument einfließen zu lassen.

„Sie haben das zwar sehr vorsichtig formuliert, aber sind mit ihrer Meinung nicht unbedingt auf Gehör gestoßen“, so Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle, der gestern Morgen vor dem Dialogforum noch einmal den langen Protest der Bürgerinitiativen gegen die Y-Trasse Revue passieren ließ. Eberle und mit ihm alle Mitstreiter wollen aber noch nicht so recht feiern: „Wir lassen erst dann die Sektkorken knallen, wenn die Alpha-Variante im Bundesverkehrswegeplan steht.“

So wie sich die Bürger zwischen Wittorf und Lauenbrück freuen, dass die Y-Trasse wohl nun endgültig vom Tisch ist, steht es um die Laune vieler Visselhöveder nicht zum Besten. Denn durch den Ausbau der Amerikalinie ist die Kommune massiv betroffen. Darum hatte der Stadtrat während seiner vergangenen Sitzung einen Forderungskatalog verabschiedet. Der sieht unter anderem Lärmschutzmaßnahmen, einen verbesserten Personennahverkehr, Ausgleichszahlungen für Hauseigentümer direkt an der Bahnstrecke, gemeinsam mit der Gemeinde geplante Querungen und eine barrierefreie Umgestaltung des Bahnhofs vor.

Der Visselhöveder Hannes Wilkens vom Verein Bürger für Umwelt (BfU) freut sich über das Ergebnis des Dialogforums: „Das beharrliche Nachfragen von sogenannten Laien in Fragen der Verkehrspolitik hat endlich plausible Antworten auf die drängenden Fragen des Schienenverkehrs in Norddeutschland gegeben. Antworten, die Verkehrsexperten jahrelang nicht geben konnten.“

Auch Evelyn Rathjen, Vorsitzende des Umweltschutzverbands Bothel/Brockel, atmet erstmal tief durch: „Unser seit mindestens 15 Jahren im Kampf gegen die Y-Trasse geforderte alternative Ausbau von Bestandsstrecken wird mit den Ergebnissen des Dialogforums Schiene Nord bekräftigt. Eine deutliche Mehrheit aller Forumsteilnehmer spricht sich für das Prinzip Ausbau vor Neubau aus.“

Dirk Eberle, Botheler Samtgemeindebürgermeister und seit Jahrzehnten engagierter Gegner der Y-Trasse, ist glücklich über den „breiten Konsens der sich bei den Initiativen breit gemacht hat, wenn man die tiefen Gräben betrachtet, die sich zu Beginn der Y-Diskussion aufgetan hatten. Diese Entscheidung entschädigt für die Arbeit, die wir alle in den vergangenen Jahren in die Bürgerinitiativen gesteckt haben.“

Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel freut sich, dass die Ertüchtigung der Amerikalinie nun eine „offizielle Maßnahme“ ist. „Damit bekommen wir auch modernen Lärmschutz, der sonst an der bestehenden Strecke vielleicht nicht gebaut werden würde.“

In der Abschlusserklärung empfiehlt das Forum die sogenannte Alpha-E-Variante. Sie umfasst

die folgenden Maßnahmen: zweigleisiger Ausbau Rotenburg-Verden, eingleisige Ertüchtigung und Elektrifizierung der Amerikalinie zwischen Langwedel und Uelzen, eine Blockverdichtung Nienburg-Wunstorf mit Überholgleisen und Wendemöglichkeiten, eine Blockverdichtung zwischen Verden und Nienburg, Celle und Lehrte, den geringfügigen Ausbau Nienburg-Minden, den dreigleisigen Ausbau von Lüneburg nach Uelzen sowie der Ausbau Uelzen-Halle.

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