„Diabolo goes digital“

Digitales Leben: Schützen aus Schwitschen haben sich schon früh der modernen Technik verschrieben

Im Spiegelbild des Handys sind schwach die drei hintereinander geschalteten Dioden zu sehen, die die Kugel im Messrahmen erfassen.

Schwitschen - Von Jens Wieters. Früher? „Ja, früher, da konnte man mit dem Teilermessgerät schon mal die Ergebnisse ein bisschen beeinflussen“, sagt Ulrich Röhrs lachend. Das Urgestein des Schwitscher Schützenvereins deutet auf eine analoge Maschine mit einer Spitze und einer Messuhr dran. Aber das war einmal. Heute wird der derjenige Schützenkönig, der auch die besten Schüsse abgegeben hat. „Ohne wenn und aber“, wie Schießsportleiter Alexander Köster betont. Denn bei den Schwitscher Schützen läuft alles digital, wenn es um Ringe und Teiler geht.

Mit dem Umbau des Schwitscher Hauses, das sich die Schützen mit dem Sportverein teilen, reifte 2003 die Idee, doch mal etwas Neues zu wagen. „Wir hatten mitbekommen, dass eine neue Technik auf dem Markt ist, die uns auf einfache und vor allem sehr genaue Art und Weise die Ergebnisse anzeigt“, erinnert sich Köster.

Nur die damals noch recht neue Digitaltechnik der Firma Meyton war nicht mal eben so aus der Vereinskasse zu bezahlen. „Denn 43 000 Euro sind für unseren rund 160 Mitglieder zählenden Verein kein Pappenstiel“, sagt Ulrich Röhrs. Also wurden ein paar Sponsoren gesucht und gefunden, die den Löwenanteil der Kosten übernommen haben. „Und so haben wir die veralteten Zuganlagen abgebaut und die moderne Digitaltechnik installiert“, erzählt Köster. Das war damals eine kleine Revolution, und die Schießanlage in Schwitschen war die modernste im Landkreis. Mittlerweile haben aber einige andere Vereine nachgezogen.

Im Aufenthaltsraum werden die Ergebnisse aller Schützen in Echtzeit per Beamer an die Wand projiziert oder ins Internet gestellt.

Das Prinzip dieser Art der Ergebniserfassung ist recht einfach. Der Schütze legt mit einer ganz normalen Luftdruck- oder Kleinkaliberwaffe auf die Zielscheibe an, die allerdings immer noch aus Papier ist. Aber sie steckt in einem digitalen Messrahmen. Hintereinandergeschaltete Dioden auf zwei Achsen erfassen blitzschnell die Kugel, die zunächst durch den etwa vier Zentimeter tiefen Messrahmen zischt, bevor sie auf die Scheibe trifft.

„Das Gerät errechnet durch diese besondere Form einer Lichtschranke in Bruchteilen einer Sekunde, wo genau die Kugel die Karte getroffen hat oder wie weit sie aus der Mitte ist. Und zwar auf einen hundertstel Millimeter genau“, ist Köster auch nach Jahren immer noch fasziniert von der Technik.

Aber nicht nur der Schütze bekommt am Stand sein Ergebnis sofort auf einem großen Bildschirm angezeigt, sondern auch seine Teamkollegen und natürlich die Gegner kriegen mit, wenn der Grünrock mal wieder eine ganze Serie von Schüssen versemmelt hat. Denn während die einen um die größtmögliche Anzahl von Ringen kämpfen, können es sich die anderen im schicken Aufenthaltsraum bei Erfrischungsgetränken gut gehen lassen. Aber dennoch sind die mittendrin im Geschehen.

Vor der Digitalisierung wurden die geschossenen Ringe mit einem mechanischen Gerät ermittelt.

Köster: „Wir können unsere Anlage so programmieren, dass die Ergebnisse in Echtzeit per Beamer an eine Wand projiziert werden. So weiß jeder, was er besser machen muss.“

Für Rundenwettkämpfe oder ähnliche Veranstaltungen ist es sogar möglich, Ringe und Teiler sowie ganze Listen und Serien ebenfalls in Echtzeit ins Internet zu übertragen. „Auch der Niedersächsische Landesverband nutzt diese Anlagenart und auch bei den Deutschen Meisterschaften kommt sie zum Einsatz“, berichtet Röhrs.

Der digitale Messrahmen ist übrigens nicht nur für die Diabolos, wie die Munition der Luftdruckwaffen heißt, sowie Kleinkalibergeschosse geeignet, sondern auch für die Lichtpunktgewehre der Kinder. „Die Funktionsweise ist immer gleich“, so Köster. „Auch großkalibrige Jagdwaffen sind möglich“, ergänzt Röhrs.

Der Schütze hat sein Ergebnis sofort im Blick und kann beim Zielen entsprechend nachjustieren. - Fotos: Wieters

Und wenn mal was kaputt geht, was beim Schießsport ja in der Natur der Dinge liegen soll? „Bisher haben wir noch keinerlei Probleme gehabt. Die Anlage muss nur regelmäßig gewartet werden. Und zur Not gibt es einen Service, der sich auch aus der Ferne aufschalten kann“, sagt Köster.

Nur Ulrich Röhrs hält immer noch ein bisschen wehmütig die analoge Teiler-Messmaschine in der Hand und zeigt, wie man mit ein bisschen Geschick und einer Portion halbkrimineller Energie nach einem schlechten Schuss doch noch Schützenkönig werden konnte. Aber das war früher.

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