Vertreter der größten deutschen Molkerei tagen an der Vissel

„Der Milchgipfel war eine Farce“

Während der spontanen Demonstration kam es dann doch noch zum Meinungsaustausch zwischen Vertretern des Deutschen Milchkontors und den Bauern. - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Was wollen die denn hier?“ Die Stimmung bei einigen genossenschaftlichen Anteilseignern des Deutschen Milchkontors, der größten deutschen Molkerei, die am Donnerstag im Visselhöveder Hotel Pescheks tagten, war gereizt, als sie das knappe Dutzend Bauern vor der Tür erblickten. Die hatten sich zu einer Spontankundgebung zusammengefunden, um für faire Preise für ihre Milch zu demonstrieren. Am Ende gab es aber doch ein paar Gespräche zwischen Treckerreifen, Protestplakaten und abgelegten Gummistiefeln.

Die kniehohen Treter werden mittlerweile von Mitgliedern des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) in ganz Deutschland vor Ministerien, vor dem Reichstag in Berlin und auch bei allen Demonstrationen abgelegt, um zu symbolisieren, dass viele Milchbauern im Land ihre Betriebe aufgeben müssen, weil sie nicht mehr existieren können.

Die Forderung ist klar und deutlich: „Wir brauchen 40 Cent pro Kilogramm Milch, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Im Augenblick bekommen wir von den Molkereien knapp über 20 Cent. Da kann sich jeder ausrechnen, wie lange wir Milchbauern das noch mitmachen können“, so Jörg Hüner aus Schwitschen.

Für Entspannung habe der mit vielen Vorschusslorbeeren angepriesene Milchgipfel offenbar nicht gesorgt. „Das Treffen mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat nichts geändert“, schimpft BDM-Teamleiterin Johanna Böse-Hartje aus Thedinghausen (Kreis Verden), die sich mit einigen anderen Bauern auf dem Weg nach Visselhövede gemacht hatte. Sie wird sogar noch deutlicher: „Der Gipfel war eine Farce, eine reine Showveranstaltung.“ Viele ihrer Kollegen seien mit 70 bis 100.000 Euro bei den Banken verschuldet – pro Hektar. „Dass Schmidt Bundesbürgerschaften verspricht, setzt dem Ganzen die Krone auf, denn die sollen nur die Banken retten, damit die bei einer Betriebsaufgabe des Milchbauern entsprechend entschädigt werden“, so Elisabeth Böse, die den CSU-Politiker aus Franken fortan nur noch „Bauernvernichtungsminister“ nennen will.

„Es kann auch nicht sein, dass bei einem Gipfel die Industrie und die großen Molkereien mit am Tisch sitzen sowie der Bauernverband, der lieber Groß-Investoren in den Dörfern sehen möchte, als gewachsene Strukturen, und von unserem Verband darf niemand teilnehmen“, lässt auch Ottmar Böhling aus Borchel kein gutes Haar am Milchgipfel. „Unter Demokratie verstehe ich etwas anderes, als dass die Industrie über Steuergelder mitentscheiden kann.“ Der Grund allen Übels ist das Überangebot an Milch. Eine Situation, die die Preise gehörig unter Druck geraten lässt. „Wir müssen ganz einfach die Menge reduzieren“, so Böse-Hartje, die von einer neuerlichen Milchquote aber nichts wissen will. „Wir brauchen nur ein Kriseninstrument, das für den Moment greift.“ Das könne zum Beispiel eine Entschädigungszahlung von rund 30 Cent für jedes nichtproduzierte Kilogramm sein.

„Solche Unternehmen wie das Deutsche Milchkontor müssen einfach ein Zeichen setzen, denn bei knapp 80 Prozent Marktanteil, hat das Wort des Konzerns auch bei weiteren Milchgipfeln Gewicht“, fordert Jörg Hüner, der seine Mitstreiter innerhalb von wenigen Stunden zur Spontandemo zusammengetrommelt hatte.

Einige der DMK-Delegierten nahmen sich während einer Tagungspause ein paar Minuten Zeit, um sich mit den BDM-Aktivisten auszutauschen. „Wir sitzen doch alle in einem Boot“, so einer von ihnen. „Das wollen wir doch mal sehen. Im Augenblick ist das bei den Molkereien sicher nicht der Fall“, so Bäuerin Böse-Hartje.

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