Nordmann prophezeit Bauern erfolgreiche Saison

Der Erdbeerpapst in Visselhövede

Albert Nordmann (v.l.), Christina Oevermann und Cord Averbeck installieren das Tensiometer bei vollem Körpereinsatz direkt zwischen den Erdbeerpflanzen im Ackerboden.
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Albert Nordmann (v.l.), Christina Oevermann und Cord Averbeck installieren das Tensiometer bei vollem Körpereinsatz direkt zwischen den Erdbeerpflanzen im Ackerboden.

Visselhövede – Die Sonne strahlt vom Himmel, und in den kommenden Tagen wird es immer ein bisschen wärmer. „Jetzt geht es los“, freut sich Erdbeerbauer Cord Averbeck aus Visselhövede. Aber bis die leckeren Früchte rot leuchtend in voller Pracht an den Pflanzen hängen, braucht es einige Menge an Fachwissen und Feingefühl beim Anbau.

„Die Erdbeere ist wirklich nichts für schwache Nerven“, bringt es Averbeck auf den Punkt. „Zum Glück gibt es aber den sogenannten Erdbeerpapst Albert Nordmann. Und der stattet mir jetzt mit seiner Nachfolgerin Christina Oevermann einen Besuch auf dem Hof ab“, freut sich Averbeck. So gibt es für ihn den aktuellsten Wissensstand und einen Ausblick auf die Erdbeersaison. „Für die Erdbeere ist der richtige Fruchtwechsel besonders wichtig. Sehr gut funktioniert die Erdbeere nach dem Spargel“, sagte Nordmann vom Obstbeerenversuchsring Jork im Alten Land.

Kein Wunder also, dass viele Direktvermarkter beide Edelfeldfrüchte anbauen und im Verkauf ihren Kunden direkt anbieten. „Wir vermeiden aber ehemalige Kartoffelflächen“, so Oevermann. Auch allerhand Pflanzenkrankheiten und Schädlinge können den Spaß an der Zucht verderben. Ein Pilz oder Blattläuse können der Pflanze übel mitspielen und die Ernte erheblich dezimieren. „Unsere kultivierten Erdbeerarten stammen übrigens alle von einer chilenischen Wildart ab“, erklärte der Beerenobstberater Nordmann. Mit den wilden Walderdbeeren aus dem norddeutschen Wald haben die süßen Früchte von der Plantage also eher weniger gemein.

Mit der Lupe sucht Christina Oevermann nach Schädlingen auf der Erdbeerpflanze.

Empfindlich seien die Erdbeeren auch bei Frühjahrsfrösten, wodurch mal fix ein ganzes Feld zum Totalausfall werden könne. „Wenige Grad unter Null in einer Nacht reichen da schon, damit die Blüten gefrostet werden und sich keine Beere entwickelt“, informiert Nordmann. Abhilfe könne da nur eine Folie bringen oder eine Erdbeersorte, die nicht als Frühsorte gelte. Deswegen sei die frühe Verfügbarkeit der heimischen Erdbeeren eigentlich auch immer ein Glücksspiel. Bei späteren Sorten sei der Erdbeerbauer auf der sicheren Seite, weil die Pflanzen weniger Froststress hätten. Laut Nordmann könnten in Deutschland bis zu neun Monate lang frische Erdbeeren erzeugt werden, weil es Sorten gebe, die quasi bei entsprechendem Wetterschutz fast ganzjährig Früchte trügen.

Bei Averbeck ist die erste Sorte, die gepflückt werden kann, die Korona, die schon im ersten Sommer der Corona-Pandemie reißenden Absatz fand. „Ich habe von Betrieben gehört, die waren mittags leergepflückt, als die Selbstpflücker auf das Feld stürmten“, schilderte Nordmann.

Das Tensiometer zeigt den Unterdruck in der Wassersäule an, wovon der Wasserbedarf im Boden ableiten lässt.

Die Erntemenge hänge natürlich von weiteren Faktoren ab, wie beispielsweise dem Wasserhaushalt des Bodens. Das wird von Landwirt Averbeck mit dem Tensiometer überprüft. Die Wassersäule in dem einfachen Messgerät direkt im Ackerboden diffundiert durch die Keramikspitze in den Boden und erzeugt so einen Unterdruck im Messkolben. Desto mehr Unterdruck, desto trockener der Boden und Averbeck muss sich auf eine Beregnung des Feldes einrichten, weil die Pflanzen Wasser brauchen. „Darum streue ich jährlich auch bis zu 30 Rundballen Stroh unter die Erdbeeren, damit der Boden nicht so schnell austrocknet.“ So werde der genaue Wasserbedarf für die Erdbeeren gemessen und sichergestellt, nur die notwendige Menge zusätzlich regnen zu lassen. „Beregnung ist Grundwasserschutz, weil die Pflanzen die Nährstoffe im Boden dann aufnehmen können und sie nicht ins Grundwasser gelangen“, sagte Averbeck.

Wassertechnisch seien die Bodenansprüche bei der Erdbeere ganz anders als bei vielen anderen Feldfrüchten. „Die Wasserführung muss gut von oben nach unten sein, aber auch von unten nach oben“, nennt Erdbeerfachmann Nordmann den Kapillareffekt als ein Kriterium für ein Feld. Mit einer Bodensonde werde so auch die Verdichtung im Boden überprüft, um genau das zu kontrollieren.

Auf den ersten Blick mit den Niederschlagswerten für diesen Frühsommer im Hinterkopf zeigte sich der Fachmann optimistisch für die Erdbeerfelder in Visselhövede, weil diese Sorten den Spätfrost relativ gut weggesteckt hätten.

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