Neue Schließsysteme in Stadt-Gebäuden für mehr Sicherheit und Kontrolle

Chips statt Schlüssel

Das sichere Erkennungszeichen eines Hausmeisters: In Visselhövede sollen im kommenden Jahr elektronische Systeme die Schlüssel ersetzen.
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Das sichere Erkennungszeichen eines Hausmeisters: In Visselhövede sollen im kommenden Jahr elektronische Systeme die Schlüssel ersetzen.

Visselhövede – Mittlerweile hat es Björn Lade drauf: Ein kurzer Blick und schon hat er den richtigen Schlüssel erspäht. Das wäre für einen Ungeübten mehr als schwierig, bei einem Bund mit mehr als 30 Schlüsseln dran. „Gibt es irgendwo ein neues Schloss, muss man sich erst wieder dran gewöhnen“, so der Hausmeister der Visselhöveder Grundschule. Aber das Schleppen diverser Schlüssel, Lade ist nämlich nicht nur der Herr der Türen in der Schule, sondern auch der der Turnhalle Auf der Loge, des Kindergartens Fabula und bald auch des Primar Campus, hat im kommenden Jahr ein Ende. Die Stadt beabsichtigt, bei diesen Gebäuden ein elektronisches Schließsystem zu installieren. Zunächst nur in diesen Gebäuden, mittelfristig auch in allen Liegenschaften der Stadt, inklusive Rathaus.

In den öffentlichen Gebäuden gibt es nämlich aktuell ausschließlich mechanische Schließsysteme alter Machart mit Schlüssel und Schloss. „Verliert jemand einen Schlüssel, ist das schon ein richtig hohes Risiko“, bewertet die städtische Bauingenieurin und Fachfrau für Immobilienaufgaben Karin Stegmann die Situation. „Die Gefahr, dass ein verlorener Schlüssel von Unbefugten gefunden wird und die dann Zutritt zu unseren Häusern haben, ist sehr groß.“

Die Lösung sollen elektronische Systeme sein, die zwar nicht per Fingerabdruck oder Augen-Scan wie in guten Fernseh-Krimis funktionieren, aber immerhin mit Chips oder Transpondern, die per Mausklick am Computer gesperrt oder freigegeben werden können.

„Wir haben im Zuge des Neubauprojekts Primar Campus neue und hochmoderne Schließsysteme mal ein bisschen ausführlicher betrachtet, weil mechanische Schließanlagen häufig nicht mehr die heutigen Anforderungen an die Gebäudenutzung erfüllen“, informiert Stegmann. Stand der derzeitigen Technik sei unter anderem eben nicht nur die sofortige Sperrung verlorener Schlüssel, sondern auch eine flexible Vergabe von Schließberechtigungen.

Sinnvoll sei es darum, nicht nur für den Primar Campus den elektronischen Schlüssel einzuführen, sondern auch die benachbarten Gebäude wie die Grundschule, den Kindergarten und auch die Sporthalle umzurüsten – auch, weil Björn Lade die Häuser vor Ort betreue.

Er soll sich nach Stegmanns Vorstellungen außerdem um die Verwaltung des neuen Schließsystems kümmern. „Björn Lade muss sich derzeitig mit einem entsprechend großen Schlüsselbund herumschlagen, weil alle Objekte unterschiedliche mechanische Schlösser aufweisen. Ein einheitliches elektronisches Schlüsselsystem würde eine deutliche Entlastung bringen.“

Die moderne Technik habe zahlreiche weitere Vorteile: Bei einem Verlust sei kein Austausch der Schließanlage mehr notwendig, sondern lediglich die Sperrung des verlorenen Schlüssels. „Wenn jemand einen Generalschlüssel verliert, kann der Austausch aller Schlösser schon mal mehr als 10 000 Euro kosten“, weiß Bürgermeister Ralf Goebel aus Erfahrung.

Des Weiteren könnten die Zutrittsrechte durch die Elektronik örtlich und zeitlich befristet werden, und gleichzeitig gebe es eine bessere und sicherere Zutrittskontrolle, insbesondere für die Turnhalle mit den unterschiedlichen Nutzern. „Es hat bereits diverse Fälle gegeben, bei denen die Sporthalle Auf der Loge ohne Einverständnis und Wissen der Stadt genutzt wurde. Eine Sparte eines Vereins gibt den Schlüssel an eine andere weiter, und irgendwann weiß niemand mehr, wer alles einen Schlüssel hat“, nennt Stegmann einen weiteren Vorteil.

Erste Informationen zu elektronischen Schließsystemen hat sich die Stadt bisher bei zwei Herstellern eingeholt. „Nach dem Austausch der mechanischen Schlösser und dem Einbau der elektronischen Knaufzylinder oder Türbeschläge sind als Schlüssel nur noch sogenannte Transponder nötig. Es kann sogar ein einziger Transponder parallel zum Schließen und für die Zeiterfassung verwendet werden.“

Allerdings gucken die konventionellen Schlüsseldienste nach der Anschaffung in die Röhre, denn die Anfertigung von Ersatz- oder Zusatzschlüsseln entfällt, „die Transponder-Rohlinge können zum Beispiel innerhalb der Stadtverwaltung aufbewahrt und je nach Zugangsberechtigung programmiert werden“, betont Stegmann. Der größte Vorteil sei jedoch, dass jeder Transponder bei einem Verlust sofort zentral ungültig geschaltet werden könne. „Der Finder hat also keine Möglichkeit mehr, in unsere Häuser zu gelangen. Wir haben auch eine sofortige Kontrolle bei Ablauf der Nutzungsberechtigungen.“

Aber: Das Ganze gibt es natürlich nicht zu einem kleinen Preis: Eine erst grobe Kostenschätzung besagt, dass die Stadt rund 50 000 Euro für den Einbau an den vier Gebäuden auf den Tisch legen muss. Im Bauamt, so Stegmann, würden nun weitere Angebote und ausführlichere Informationen eingeholt. Die Ergebnisse würden anschließend in den politischen Gremien vorgestellt, entschieden und danach ausgeschrieben.

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