CDA-Tagung in Jeddingen stellt konkrete Forderungen an die Landespolitik

Dringende Suche nach Fachkräften

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Das Podium: Danny Schnur (DGB) (v.l.), Stefan Nowatschin (BLBS), Carl-Michael Vogt (Handwerkskammer), Max Matthiesen (CDA), Uwe Lagosky (CDA) und Andres Bock (MdL). 

Jeddingen - Von Henning Leeske. Der Mangel an Fachkräften gilt als großes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung gerade der mittelständischen Betriebe, die häufig im Handwerk angesiedelt sind. Grund genug für den Landesverband des Arbeitnehmerflügels der CDU, sich in einer Klausurtagung als inhaltlichem Schwerpunkt mit einer Initiative Fachkräftenachwuchs in Niedersachsen zu beschäftigen. Die christdemokratischen Arbeitnehmer (CDA) erarbeiteten am Freitagabend in Jeddingen konkrete Forderungen insbesondere an die Landespolitik, um für genügend Fachkräfte in der heimischen Wirtschaft zu sorgen. Die Handwerkerschaft, die berufliche Bildung, der DGB und die Landespolitiker der CDA fassten ihre Verbesserungsvorschläge in einer lebhaften Diskussion zusammen und bauten auf Schnittmengen auf.

So stellte Danny Schnur vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) eine Studie seiner Gewerkschaft zum Thema Fachkräftequalifizierung vor. 58 Prozent der Betriebe in Niedersachsen hätten im ersten Halbjahr 2016 ihre Beschäftigten weiter fortgebildet. „Je kleiner der Betrieb, desto weniger Qualifizierung wurde allerdings angeboten“, sagte Schnur. Sein Blick in die Zukunft behandelte auch die Anforderungen an die Berufsausbildung in der „Arbeitswelt 4.0“. Das Substituierbarkeitspotential sei in der Fertigung besonders hoch und in den sozialen Berufen viel niedriger, worauf sich die Ausbildung auch einstellen müsse. Daher forderte er eine Ausbildungsumlage für alle Branchen, um mit den Mitteln auch das Potenzial für bildungsferne Zielgruppen heben zu können und diese Menschen zu aktivieren als Fachkraft.

Carl-Michael Vogt von der Handwerkskammer Hannover kritisierte die ständig wechselnde Förderlandschaft in der Ausbildung für das Handwerk. „Dass funktionierende Programme eingestampft werden, frustriert“, sagte Vogt. Auch das Handwerk sei auf die Arbeitskraft von Flüchtlingen, die selber ausgebildet werden, unbedingt angewiesen, und Vogt forderte hier Verlässlichkeit von der Politik, damit Auszubildende nichtabgeschoben werden. Außerdem hielt er ein Plädoyer für das Aufstiegssystem im Handwerk, das für den Meister in der Studienberechtigung ende und generell mehr Ansehen für eine Handwerksausbildung bringe.

Die Berufsschulen und das Handwerk hätten gerade bei der Integration von Zuwanderern Großartiges geleistet. „Dabei müssen sie weiter unterstützt werden, das ist Aufgabe der Politik, weswegen ich mich dafür in Hannover weiter einsetzen will. Hierfür wollen wir die regionale Zusammenarbeit von Handwerk, Gewerbe und Berufsschulen stärken“, sagte der Rotenburger Landtagsabgeordnete Eike Holsten (CDU).

Für die Berufsschulen äußerte sich der Vizebundesvorsitzende des Berufsschullehrerverbandes BLBS, Stefan Nowatschin. Die Berufsschulen sollten in einen europäischen Bildungsraum bis 2025 integriert werden, worin zum Beispiel auch zwei Fremdsprachen in der Ausbildung vorkämen. Natürlich bedürfe dies weiterer Planstellen in den BBS. Außerdem will er ein Niedersächsisches Institut für berufliche Bildung, das jedoch beim Wirtschaftsministerium angesiedelt sein soll.

Auf die regionalen Kompetenzzentren wies Andre Bock hin, der in der CDU-Landtagsfraktion für die Berufsschulen zuständig ist. Diese Zentren seien fest im Koalitionsvertrag vereinbart. „Mal sehen, was wir da mit den Sozialdemokraten auf den Weg bringen können“, sagte Bock. Denn hier sei Wiederrum das Kultusministerium zuständig mit Minister Grant Hendrik Tonne (SPD). Viele offene Baustellen machte er in der beruflichen Bildung aus. „Die Berufsorientierung muss dringend überarbeitet werden, auch in der IGS und den Gymnasien“, forderte Bock. Es sei eine unsägliche Entwicklung, dass fast alle Schüler nach einem Abitur und Studium streben. Alle Diskutanten stimmten hier der wichtigen Rolle der Berufsorientierung zu, die dringend verbessert werden müsse.

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