Einzelbewerber aus Norderstedt sammelt Unterschriften

Burkhard Scheidel will Visselhövedes Bürgermeister werden

Burkhard Scheidel will den Chefposten im Rathaus.
+
Burkhard Scheidel will den Chefposten im Rathaus.

Visselhövede – Burkhard Scheidel sitzt am Kaffeetisch von Bekannten und Verwandten in Visselhövede. Plötzlich kommt das Gespräch auf den kuriosen Ausgang der Bürgermeisterwahl, bei der der gewählte Kandidat den Posten nicht angenommen hat und nun überall nach neuen Kandidaten gesucht wird. „Burkhard, willst du das nicht machen?“, fragt Scheidels Gegenüber. Und zwar ernsthaft. Sofort kommt der 64-Jährige ins Grübeln. Und umso mehr Gedanken er sich an diesem Nachmittag macht, umso mehr kommt er zu dem Entschluss: „Ja, ich will!“

Das ist jetzt rund drei Monate her und der Norderstedter Burkhard Scheidel ist bereits fleißig dabei, die 120 Unterstützerunterschriften in Visselhövede zu sammeln, die nötig sind, um überhaupt zu kandidieren, weil er keiner Partei angehört und damit als Einzelbewerber an den Start gehen will.

Aber wie kommt jemand darauf, der aktuell bei der Lufthansa Technik in Hamburg als Diplom-Ingenieur die Umbauten von Flugzeugen für Superreiche leitet und fortwährend einige hundert Mitarbeiter schult, Bürgermeister eines Grundzentrums mit nicht mal 10 000 Einwohnern werden zu wollen? „Ich habe schon immer Freude daran gehabt, etwas ganz Neues auszuprobieren und mich voll und ganz damit zu beschäftigen“, sagt der Mann, der in Dannenberg an der Elbe geboren wurde und auf einem Bauernhof aufgewachsen ist.

Mitarbeiterführung ist „kein Problem“ für den 64-Jährigen, der es sich schon vor Jahren zum Credo gemacht hat, „Aufgaben im Team zu lösen und den Mitarbeitern, ganz gleich in welcher Position, immer die nötige Wertschätzung entgegenzubringen.“ Denn anders sei eine Personalführung in einem Weltkonzern wie der Lufthansa auch gar nicht möglich, „sonst ist man schnell nicht mehr dabei“, sagt Scheidel schmunzelnd.

Aber Personalführung ist die eine Sache, die Verwaltungsarbeit eine andere. „Aber was ich bisher so über die Zeitung und durch das Internet mitbekommen habe, sitzen im Rathaus gute Leute, die gute Arbeit machen. Und ich bin schon immer bereit gewesen, neue Dinge wissbebegierig zu erlernen. Und das auch mit 64 noch.“

Apropos Alter: Eigentlich bereiten sich Menschen mit 64 so langsam auf den Ruhestand vor, Scheidel will hingegen nochmal ganz von vorn durchstarten. „Das liegt auch daran, dass mein Ehepartner neuneinhalb Jahre jünger ist und den Job in einem Hamburger Krankenhaus noch etliche Jahre machen wird“, begründet der Fan alter Autos aus den 1970er-Jahren seine Pläne. „Und nur am Teich zu sitzen und die Enten zu füttern, das ist nicht mein Ding. Bürgermeister von Visselhövede zu werden schon.“

Dass die Kandidatur aufgrund seines fehlenden Bekanntheitsgrades keine leichte Aufgabe sein wird, weil es aktuell mit Jürgen Dunecke, Sabine Schulz und André Lüdemann noch drei weitere Kandidaten gibt, weiß auch Scheidel. „Darum versuche ich, so oft wie möglich in Visselhövede zu sein. Das wird aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit und der dunklen Jahreszeit aber vorwiegend am Wochenende der Fall sein.“ Aber vielleicht sei es ein Vorteil, „völlig neu und unvoreingenommen“ an die Arbeit gehen zu können.

So wird er weiterhin seinen Infostand samstags am Combi-Markt aufbauen und auch einen kleinen Videofilm für Facebook hat Scheidel schon gedreht, der ihn an prägnanten Orten der Stadt zeigt. Ansonsten habe er Kernort und Dörfer, politische Gegebenheiten und wirtschaftliche Zusammenhänge bisher nur durch seine Recherchen im Internet ein bisschen kennengelernt und könne sich über politische Feinheiten noch kein Urteil erlauben. „Aber die ersten Kontakte sind geknüpft und übernächste Woche bin ich bei der Firma Hoyer, um mich zu informieren“, sagt Scheidel, der betont, dass alles, was eine Kommune in Visselhövedes Größenordnung leisten könne, natürlich unmittelbar mit der Wirtschaft zusammenhänge: „Klappt die nicht, klappt auch vieles andere nicht, weil die finanziellen Mittel fehlen.“ Darum will der Kunstliebhaber und Hobbypsychologe in den nächsten Wochen viele Gespräche führen, „was wann und wie in Visselhövede noch gehen könnte oder was verbesserungswürdig ist“.

Einen Blick in die politische Arbeit hat Burkhard Scheidel erledigt: Er hat die vergangene Sitzung des Stadtrats verfolgt – ebenso wie die anderen Kandidaten.

ZUR PERSON

Burkhard Scheidel ist 64 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder aus erster Ehe. Er ist in Dannenberg (Elbe) geboren, dort auf einem Bauernhof aufgewachsen und lebt jetzt in Norderstedt. Nach dem Abschluss zum Diplom-Ingenieur für Flugzeugbau ist er seit 1986 bei der Lufthansa Technik in Hamburg beruflich aktiv und hat verschiedene Tätigkeiten als Betriebsingenieur durchlaufen. Bei der Bundeswehr war er vier Jahre in der Wartung der Transall tätig und hat vorher eine Lehre als Maschinenbauer abgeschlossen. Er ist Fan alter Autos aus den 1970er-Jahren, spielt ein bisschen Klavier, malt gerne und liebt Blumen, besonders Orchideen. Scheidel interessiert sich für Psychologie und reist gerne. Bevorzugt auf die Kanaren, und dort überwiegend nach La Gomera.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer

Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer

Autofahrerin verletzt sich bei Unfall auf Glatteis schwer
In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen

In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen

In Ostervesede gestrandeter „Circus May” ist immer noch auf Spenden angewiesen
Näher dran

Näher dran

Näher dran
Verkehrsunfall bei Ahausen mit sieben beteiligten Fahrzeugen

Verkehrsunfall bei Ahausen mit sieben beteiligten Fahrzeugen

Verkehrsunfall bei Ahausen mit sieben beteiligten Fahrzeugen

Kommentare