Planken schützen vor Baumunfällen

Zäune an den Bundesstraßen 

Für die Anwohner ein Ärgernis, für den Bürgermeister ein „Schildbürgerstreich“ und für die Straßenmeisterei eine effektive Maßnahme, um die Zahl der Baumunfälle zu senken: Die neue und gut 100 Meter lange Schutzplanke an der Bundesstraße 440.

Wittorf - Von Jens Wieters. „Eigentlich ist das ein Fall für den Bund der Steuerzahler“, so Wittorfs Ortsbürgermeister Willi Bargfrede (CDU). Er schüttelt immer noch den Kopf über das neue Bauwerk, das direkt an der Bundesstraße 440 kurz vor dem Ortseingang aus Richtung Visselhövede kommend entstanden ist. Denn dort wurde auf gut 100 Meter eine Schutzplanke zwischen Radweg und Fahrbahn errichtet. „Echter Blödsinn“, so Bargfrede. „Guter Schutz für die Autofahrer“ kontert Margit Schröder, Chefin der Straßenbahnmeisterei Rotenburg.

Was war passiert? Vor einigen Wochen wurde der Fahrbahnbelag der Bundesstraße und des angrenzenden Radwegs komplett erneuert. Im Zuge der Arbeiten rammten die Bauarbeiter auch einige Metallpfähle in die Erde des Grünstreifens zwischen Straße und Radweg. Anwohner und Bürgermeister rieben sich verwundert die Augen, als auf einer Strecke von rund 100 Metern Leitplanken an die Pfähle montiert wurden. Die direkten Anwohner müssen jetzt entweder drüberklettern oder einen Umweg machen, wenn mal schnell ein Stück Butter oder ein Ei vom Nachbarn geborgt werden soll.

Das Ganze hat aber natürlich einen Grund. „Hier greift zum ersten Mal die neue Verordnung des Bundesverkehrsministeriums, mit der die Zahl der tödlichen Unfälle gerade auf Bundesstraßen reduziert werden soll“, erläutert Margit Schröder.

Demnach sollen überall dort Schutzplanken an den Bundesstraßen aufgestellt werden, wo Bäume dichter als 4,50 Meter an den Fahrbahnrändern stehen. Das gelte aktuell in erster Linie für Neuanpflanzungen im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen – so wie im Wittorfer Bereich geschehen. „Natürlich sind das zurzeit nur Bäumchen, aber auch die werden größer. Mit den Planken sollen die Autofahrer besser geschützt werden“, stellt Schröder klar. Das dafür gleich gute 100 Meter gebraucht würden, habe auch einen ganz einfachen Grund: „Angenommen, ein Lkw gerät an die Planke und die würde nach 20 Metern nicht mehr schützen, dann würde der Laster auf den Radweg geraten. So haben wir eine Auslaufzone, währenddessen das Tempo gedrosselt wird.“

„Auch kleine Bäume werden groß“, sagt Margit Schröder und will Autofahrer mit Planken schützen. - Fotos: Wieters

Wo genau die Planken jetzt nach und nach aufgestellt werden, entscheidet demnach eine Kommission, die die Unfallstatistik auswertet. „Wo es möglich ist, werden überall dort Planken aufgestellt, wo die Bäume dicht an der Straße stehen.“

Also ein durchgängiger Zaun von Wittorf bis Rotenburg, da auf beiden Seiten dicke Eichen direkt an der Straße wachsen? „So weit möchte ich jetzt noch nicht gehen“, sagt Schröder. „Aber grundsätzlich ist das in den kommenden Jahren vorgesehen. Dann werden wir viele Gespräche unter anderem auch mit den Landwirten führen müssen. Denn alle zehn Meter eine Öffnung zu lassen, damit die Bauern mit ihren Fahrzeugen auf die Felder kommen, ist auch nicht so einfach möglich.“

Die Bundesstraße 440 habe bei der Umsetzung des Ministeriums aber keine Priorität, das habe sich im Wittorfer Bereich nur gerade angeboten, weil die Straßendecke neu gemacht worden sei. „Wir planen, die Schutzmaßnahmen in unserem Zuständigkeitsbereich zunächst an den Bundesstraßen 75, 71 und 215 umzusetzen“, beschwichtigt Schröder.

„Dennoch bezeichne ich die Planke an dieser Stelle als absoluten Schildbürgerstreich“, bleibt Wittorfs Bürgermeister hart. Er hofft nur, dass die Rotenburger Behörde, die auf Anordnung des Verdener Straßenbauamts handeln muss, doch noch eine Lücke in den stählernen Zaun „flext“, damit sich die Nachbarn ohne Kletterei oder Umwege gegenseitig besuchen können.

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