Rotenburger Idee wird an der Vissel umgesetzt

Bürgerstiftung hofft auf viele Zlotys, Lire und Co.

Heinz Gehnke (l.) und Martina Sommermeier (r.) übergeben die Restbestände ihres ausländischen Geldes an Jörg Schlichting und Susanne Armbrust von der Bürgerstiftung, die die Sammel-Idee sehr gerne aufgreifen, um soziale Bereiche in der Stadt zu fördern. - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Trotz des Euro, mit dem man in den meisten europäischen Ländern bezahlen kann, und trotz vielfach verbreiteter Kredit- und EC-Karten schlummern immer noch unendlich viele Münzen und Geldscheine aus aller Welt in den Urlaubsportemonnaies oder Spardosen.

Das ist sicher auch in Visselhövede der Fall. Und genau das soll nun über die Bürgerstiftung für wohltätige Zwecke verwendet werden. Die Idee ist nicht neu, denn der Rotenburger Stammtisch „Die Mistböcke“ hatte vor einigen Jahren in vielen Geschäften und Institutionen der Kreisstadt Sammelbüchsen aufgestellt, um die „Schlafmünzen für Hilfsprojekte für Kinder in Afrika zu verwenden“, wie Stammtischsprecher Heinz Gehnke die Aktion beschreibt. 

Jetzt sei „Rotenburg allerdings abgegrast“, so Gehnke. Gemeinsam mit Martina Sommermeier hat er im Internet recherchiert und ist so auf die Bürgerstiftung Visselhövede gestoßen, die vor fast genau einem Jahr die Arbeit aufgenommen hat.

Also packten Sommermeier und Gehnke ihre restlichen Münzen und Scheine zusammen und machten sich auf den Weg an die Vissel, um sie Vertretern der Bürgerstiftung zu übergeben. „Das ist eine tolle Sache, die wir gerne aufgreifen“, so Susanne Armbrust. „Fast jeder hat irgendwo Zuhause noch Geld von verschiedenen Urlaubsreisen herumliegen, und das wollen wir zusammenlegen“, so Jörg Schlichtung von der Bürgerstiftung, der selber schon ein großes Glas voller Münzen in seiner Familie gesammelt hat.

„Geplant ist, dass wir in den nächsten Wochen in verschiedenen Geschäften sogenannte Sortensäue aufstellen, in die unsere Mitbürger ihr ausländisches Geld hineinwerfen können“, erläutert Armbrust. Auch beim Martinsmarkt am 6. November wird die Aktion vorgestellt. „Ein zeitliches Limit haben wir uns nicht gesetzt“, berichtet Schlichting, der auch schon weiß, was mit dem Kleingeld und auch mit den Scheinen geschehen soll: „Ich habe einen Interessenten aus Verden ausgemacht, der ausländisches Geld aufkauft.“

„Sortensäue“ bald in den Geschäften

Aber nicht nur Lira, Peseten, Kronen und Co. aus aller Herren Länder werden ab sofort gesammelt, sondern auch die gute, alte D-Mark. „Es gibt immer noch viele Mark-Bestände in den Haushalten. Unsere Bürgerstiftung wäre doch eine tolle Chance, das Geld loszuwerden, denn nicht jeder fährt für 5,70 Mark zum Umtausch zur Landesbank nach Hannover“, so Armbrust.

Der Sinn und Zweck der Bürgerstiftung ist breit gefächert. Sie soll die Arbeit in den Bereichen Sport, Kultur, Vereine oder bei vielen anderen Aufgaben sinnvoll unterstützen. Sie ist allerdings nicht dafür gedacht, jemandem finanziell unter die Arme zu greifen, dem Auto und Waschmaschine gleichzeitig kaputtgegangen sind. Ein Kuratorium, das zur Aufsicht des Stiftungsvorstands eingesetzt wird, entscheidet über die Vergabe der Gelder, die entsprechend beantragt werden müssen.

Das Problem einer Stiftung: Der eigentliche Grundstock darf nicht angetastet werden, sondern nur das Geld aus den Erträgen kann wohltätigen Zwecken dienen. Angesichts der momentanen Zinslage aber eine schwierige Aufgabe, möglichst hohe Erträge zu erzielen. „Darum hoffen wir natürlich auf viele Spenden“, appelliert Schlichting an seine Mitbürger.

Der Stiftung einfach Geld zu überweisen, ist eine Möglichkeit. Die andere ist eine zweckgebundene Finanzhilfe, die dann dementsprechend weitergeleitet wird. Da eine Stiftung gemeinnützig ist, kann die Zuwendung auch steuerlich genutzt werden.

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