Zehn neue angehende Landwirte aus Südamerika zu Gast

Aus Brasilien in die norddeutsche Tiefebene

Gerhard Oeltjen (l.), Ausbilder und Vorsitzender der Organisation „AG Brasil”, hieß mit seinen Mitstreitern die die zehn „Aprendiz“ aus Brasilien willkommen. - Fotos: Kirchfeld

Nindorf - Von Angela Kirchfeld. „Aprendiz“ – das ist das portugiesische Wort für Auszubildende. Während in Rio in der Nacht von Freitag auf Sonnabend offiziell die Olympischen Spiele eröffnet wurden, bekamen zehn junge brasilianische „Aprendiz“ nur über das Fernsehen etwas mit, denn sie waren gerade in Norddeutschland angekommen.

Für mindestens ein Jahr sind die angehenden Landwirte auf Bauernhöfen untergebracht und werden auch hier die Berufsschule besuchen. Der Empfang, die Verteilung der Schüler auf die Gastfamilien und die Infoveranstaltung fanden am Freitagnachmittag im Möhmes Hof in Nindorf statt.

„Die ersten deutschstämmigen Brasilianer haben wir 1964 noch mit dem Bus aus Genua abgeholt“, erinnert sich Henning Haase, der damals seinen Vater und Ausbilder Christel Haase als junger Mann begleitete. „Leider schlief die Aktion mit der Zeit ein, bis wir sie 1988 wieder in Gang brachten – das Projekt „AG Brasil“ war gegründet.“ Bis heute rund 1500 brasilianische Schüler die Region besucht, berichtet der Nindorfer stolz.

Viele Freundschaften und Kontakte sind seitdem entstanden und werden weiter gepflegt. Der berühmteste Schüler ist Elton Weber, der in Porto Alegre ins Parlament gewählt wurde. „Für die jungen Leute ist die Technik hier vor Ort enorm interessant, obwohl Brasilien bereits in der Hinsicht aufgeholt hat“, weiß Haase. Eine der Landwirtschaftsschülerinnen ist Karin Scholz. Ihre Gasteltern Yvonne und Andreas Martens bewirtschaften einen kleinen Hof in Buchholz und haben, wie sie selbst zugeben, „von jedem etwas – 30 Kühe und Mastschweine“.

Sprachbarrieren gibt es nicht. „Mein Großvater Franz stammt aus Deutschland“, erzählt die hübsche Brasilianerin. Für ein Jahr wird die 21-jährige ausgebildete Lehrerin den Betrieb in Buchholz kennenlernen – und unter anderem auch Kühe melken. Wie es sich in Deutschland gehört, gibt es auch einen Ausbildungsvertrag, der seit Neuestem auf drei Jahre verlängert werden kann.

„Wer hierher nach Deutschland kommt, muss nicht nur arbeiten, sondern soll auch das Land kennenlernen. Wir haben ja den Vorteil, dass wir in der Nähe von Hamburg wohnen“, freut sich Yvonne Martens, ihrem jungen Gast die Heimat näher zu bringen. Dazu gehören natürlich auch die hiesigen Partys und Schützenfeste. Ebenso wird AG Brasil einiges mit den „Aprendiz“ unternehmen, dazu gehören eine Reise nach Süddeutschland und die Grüne Woche in Berlin.

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