Gilkenheide Z 1: Ingenieur schickt eigene Prüfergebnisse an die Behörden

Bodenwerte in der Diskussion

Die Versenkbohrstelle Gilkenheide Z 1 liegt tief im Wald östlich von Visselhövede - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die Untersuchung ist zwar schon fast zwei Jahre alt, könnte aber dennoch für Brisanz in der aktuellen Diskussion zum Thema Erdgasförderung und Verpressung von Lagerstättenwasser sorgen: Denn laut Mitteilung des selbstständigen Ingenieurs für Wasserwirtschaft, Bernd Ebeling, seien Baumwurzeln an der „ExxonMobil“-Versenkbohrstelle Gilkenheide Z1 stark mit Quecksilber verseucht.

„Wir haben in der Wurzelmasse, die in einen Versickerungsschacht eingedrungen waren, 138 Milligramm Quecksilber pro Kilo Trockensubstanz festgestellt“, so der selbstständige Ingenieur für Wasserwirtschaft auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Untersuchungen der Messproben habe das akkreditierte Labor ALS aus Hamburg 2014 vorgenommen. Laut Ebeling liegt der Quecksilber-Grenzwert für Industrieanlagen bei nur 80 Milligramm pro Kilo Trockensubstanz. „Auch in der Regengosse der Asphaltoberfläche wurden nach diesem Prüfverfahren 13,4 Milligramm festgestellt“, so Ebeling.

Die Proben seien aus einem Schacht, der der Versickerung von Oberflächenwasser diene, außerhalb der Einzäunung der Versenkbohrstelle entnommen worden, teilt der Uelzener mit.

Seine Prüfergebnisse habe er in der vergangenen Woche an die Verwaltungsspitzen der Landkreise Rotenburg und Heidekreis geschickt. Der Zeitpunkt sei gewählt worden, so Ebeling, weil Daten des diesjährigen Untersuchungsprogramms des Landesbergamtes (LBEG) zur Versenkbohrung in der Gilkenheide Z 1 dokumentierten, dass die sogenannten Vorsorgewerte für Arsen, Quecksilber und Zink überschritten worden seien.

„Es ist nicht auszuschließen, dass über einen langen Zeitraum – da die Versenkbohrung seit etwa 1990 in Betrieb ist – Quecksilber mit dem Oberflächenwasser über die Sickerschächte in das Grundwasser gelangt ist“, heißt es in dem Schreiben, das Ebeling verschickt hat.

Weder der Auftrag der Grünen des Heidekreises noch der Ingenieur Ebeling selbst seien im Rathaus bekannt gewesen, so Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel, der sich doch „sehr wundert, dass diese Proben erst gut eineinhalb Jahre später auf das Tableau kommen“.

Er habe sofort mit dem Landkreis telefoniert und um weitere Überprüfung dieser Ergebnisse gebeten. „Das geschieht zurzeit“, betont Ebeling.

Auch die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats und die betroffenen Ortsbürgermeister seien informiert worden. „Wir müssen jetzt abwarten, was die zuständigen Fachbehörden sagen. Eine erste Sichtprüfung der Werte hat ergeben, dass keine bedrohliche Situation vorliegt, die Sofortmaßnahmen erfordert.“ Die Fachleute vom Landkreis würden jetzt die genauen Untersuchungsergebnisse prüfen und sich mit den Bodenfachleuten des LBEG in Verbindung setzen. „Sobald ein Ergebnis dieser Prüfung vorliegt, wird die Öffentlichkeit natürlich unterrichtet“, hebt Goebel hervor..

„ExxonMobil“ sieht die Sache ganz anders als Ebeling: „Das LBEG hat mitgeteilt, dass bisher keine Bodenbelastungen durch Schwermetalle oder Kohlenwasserstoffe festgestellt wurden. Alle Bodenuntersuchungen, auch in der Gilkenheide, unterschreiten die Prüfwerte der Bundes-Bodenschutzverordnung, sodass von den Böden keine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgeht.“ Bei einzelnen Parametern würden die Vorsorgewerte überschritten. Da diese unter den für die Gefährdungsabschätzung maßgeblichen Prüfwerten lägen, bleibe die Aussage, dass von den Böden keine Gefahr ausgehe, unbeeinflusst, so „ExxonMobil“-Sprecher Klaus Torp.

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