Raubüberfall im Dorf / Polizei gibt Einzelhändlern Tipps

„Bloß nicht den Helden spielen“

Am vergangen Freitag ist ein Räuber gezielt um den Verkaufstresen des Wittorfer Bäckergeschäfts herumgegangen, hat die Mitarbeiterin bedroht und Bargeld und Zigaretten erbeutet.
+
Am vergangen Freitag ist ein Räuber gezielt um den Verkaufstresen des Wittorfer Bäckergeschäfts herumgegangen, hat die Mitarbeiterin bedroht und Bargeld und Zigaretten erbeutet.
  • Jens Wieters
    vonJens Wieters
    schließen

Wittorf – Ein Raubüberfall auf eine Bäckerei? Das gibt es doch nur in der Großstadt, aber nicht im beschaulichen Wittorf. Das dachte sich bisher auch Bäcker- und Konditormeister Heiner Tamke – und mit ihm sicher auch seine 125 Angestellten. Aber am vergangenen Freitag war plötzlich alles anders: Am helllichten Tag, mitten im Dorf, an einer viel befahrenen Bundesstraße und obwohl ein halbes Dutzend Mitarbeiter sich im Haupthaus des Unternehmens befinden, erbeutet ein mit einem Messer bewaffneter Täter Bargeld und Zigaretten.

„Es war so gegen 16.30 Uhr, als wir plötzlich laute Hilferufe aus dem Verkaufsraum hörten“, erinnert sich Tamke, der zu der Zeit in seinem Büro saß, während andere Mitarbeiter die Produktion für den nächsten Tag vorbereitet haben. Sofort seien alle nach vorne geeilt, der Täter habe aber bereits den Laden fluchtartig in Richtung Dorfgemeinschaftshaus ver- und eine geschockte Mitarbeiterin hinterlassen.

Laut Mitteilung der Polizei habe der als mittelgroß und etwa 20 Jahre alt beschriebene Mann das Geschäft, in dem es nicht nur Backwaren, sondern auch eine Auswahl von Lebensmitteln und Getränke gibt, durch die geöffnete Eingangstür betreten, und sei zielgerichtet hinter den Verkaufstresen getreten. „Dort forderte er die 47-jährige Angestellte mit einem Messer in der Hand auf, ihm die Tageseinnahmen und Zigaretten auszuhändigen. Damit ist er geflüchtet“, so die Polizei. Der Täter sei maskiert, schwarz gekleidet gewesen und habe nur gebrochen Deutsch gesprochen.

„Ich bin ins Auto gesprungen und habe die Gegend um die Wittorfer Straße herum abgesucht“, so Tamke. Währenddessen hat seine Tochter die Polizei verständigt. „Und die war schon nach wenigen Minuten vor Ort, weil ein Rotenburger Streifenwagen gerade in der Gegend war.“ Hilfe bekamen die Beamten aus der Kreisstadt von Kollegen aus Verden und dem Heidekreis. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera war im Einsatz, um den Täter ausfindig zu machen. Tamke: „Die Polizei hat auch in Scheunen und Ställen nachgeguckt, ob sich dort jemand versteckt hat.“ Die Suche wurde allerdings ergebnislos abgebrochen.

Tamke möchte seine Berufskollegen und auch alle anderen Einzelhändler für die coronabedingte Maskenpflicht sensibilisieren: „Jeder Kunde muss eine Maske tragen, also haben sich auch unsere Mitarbeiter auf der anderen Seite des Tresens mittlerweile daran gewöhnt. Aber wir sollten uns vornehmen, doch ein wenig genauer hinzuschauen, wer die Geschäfte betritt.“ Der Bäckermeister hat natürlich seine Verkäuferinnen in allen Filialen sofort über den Überfall informiert und sie aufgefordert, in solchen Situationen auf das verlangen der Täter einzugehen.

Das hofft auch die Polizei: „Die Mitarbeiter sollten bloß nicht den Helden spielen, sondern eher deeskalierend agieren und das tun, was die Räuber verlangen. Es ist ja nur Geld und meistens nicht mal das eigene“, so Heiner van der Werp, Sprecher der Polizeiinspektion Rotenburg. Allerdings weiß auch van der Werp, dass es sich dabei um Extremsituationen handelt, die viele der Verkäuferinnen „zum Glück“ so noch nicht erlebt hätten. „Da weiß man im Voraus nicht, wie man selbst reagieren würde.“ Sinnvoll sei es auf jeden Fall, lieber ein paar Schritte zur Seite zu treten und den Räuber machen lassen und sich besser Details über Kleidung, Aussehen und vielleicht Auffälligkeiten des Täters einzuprägen.

Van der Werp geht davon aus, dass es sich im Wittorfer Fall nicht um einen „Profi“ gehandelt hat, sonst „hätte er sich mit Bargeld zufriedengegeben und nicht auch noch Zigaretten verlangt, weil ja zu jeder Zeit ein weiterer Kunde den Laden hätte betreten können.“ Aber genau darum seien solche Ereignisse nicht ungefährlich, weil „sich auch der Räuber in einer Extremsituation befindet“ und es darum auch zu gefährlichen Kurzschlusshandlungen kommen könnte.

Zwar seien solche Delikte im ländlichen Raum anders als in Großstädten noch nicht die Regel, aber auch das Vorgehen solcher Tätergruppen verändere sich. „Tankstellen werden von ihnen weitaus weniger ausbaldowert als früher, weil dort überwiegend mit Karte bezahlt wird und darum Bargeld kaum mehr zu holen ist.“

Im Betrieb Tamke sind jetzt jedenfalls „alle Mitarbeiter sehr wachsam“, wie der Chef betont, der die Vorhänge seines Büros nicht mehr zuzieht, um Besucher und Kunden im Blick zu haben. „Solch eine Geschichte hat es in unserem Unternehmen noch nicht gegeben, und ich hoffe, dass es auch das letzte Mal war.“  jw

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wer an diesen Unis studiert hat, wird Milliardär

Wer an diesen Unis studiert hat, wird Milliardär

Diese Dinge sollten Sie schleunigst aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Diese Dinge sollten Sie schleunigst aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Mit dieser Körpersprache geht das Bewerbungsgespräch schief

Mit dieser Körpersprache geht das Bewerbungsgespräch schief

Mit neuen Gesichtern und neuen Trikots: Trainings-Start bei Werder

Mit neuen Gesichtern und neuen Trikots: Trainings-Start bei Werder

Meistgelesene Artikel

Zwei für Ahausen

Zwei für Ahausen

Jeder feiert sein eigenes „Mini-Festival“

Jeder feiert sein eigenes „Mini-Festival“

„Es war und ist ein toller Job“

„Es war und ist ein toller Job“

Viel zu erzählen

Viel zu erzählen

Kommentare