Blaualgenproblem bleibt / Filter und Co. zu teuer / „Baden auf eigene Gefahr“

Schilder statt Vollsperrung

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Auch in diesen Tagen sind grüne Schlieren auf dem Wasser des Visselsees 3 zu entdecken.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Der Teich der Vissel-Quelle ist voller Algen, in den Visselseen 2 und 3 treiben Cyanobakterien, die im Volksmund Blaualgen genannt werden und bei Mensch und Tier die Gesundheit beeinträchtigen können. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, denn eine Sanierung des Sees ist schlicht zu teuer. Schilder sollen im kommenden Sommer vor der Gefahr warnen. Das generelle Badeverbot soll aber gelockert werden.

Mehr als 200000 Euro würde die technisch sehr aufwändige Beseitigung der Blaualgen aus dem Visselsee 3 kosten. Zusätzlich kämen noch einmal gut 10000 Euro Unterhaltungs- und Energiekosten für die Filteranlagen und Pumpen hinzu. „Aber nur so können wir ganz sichergehen, dass wir das Problem der Blaualgen in den Griff bekommen“, erläuterte Diplom-Ingenieurin Petra Huge dem Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und Energie. Recherchen der Firma Polyplan hätten ergeben, dass ein immens hoher Phosphor-Gehalt sowohl im Wasser als auch im Boden und in den Sedimenten das Wachstum der Blaualgen beschleunige. „In der Tiefe wurden 0,16 Milligramm pro Liter ermittelt“, so Huge.

Woher diese hohen Werte stammen, vermochte auch die Fachfrau nicht zu sagen. Da die Seen allerdings durch das Grundwasser gespeist werden, sei einen Überdüngung der landwirtschaftlichen Flächen als Möglichkeit in Betracht zu ziehen. „Aber auch menschliche und tierische Ausscheidungen sind nicht auszuschließen.“

Also müsse man den Phosphorgehalt verringern. „Das kann durch großflächige Kiesfilter, eine Belüftungseinheit und einem Kreislauf durch beide Seen sowie einem Zusatz von Eisen geschehen“, so Huge. Der Haken an der Sache: Das Ganze kostet rund 210000 Euro.

„Da hätten wir das Freibad ja geöffnet lassen können, das wäre kaum teurer gekommen“, formulierte Hermann Bergmann (SPD) etwas überspitzt.

Erheblich günstiger, nämlich rund 1500 Euro für 126 Kilogramm Pulver, ist die sogenannte Fällung. Dabei wird Eisen oder Aluminium in den See eingebracht. Diese Metalle binden das Phosphor. „Von Aluminium raten wir ab. Eisen funktioniert recht gut, nimmt aber nur die aktuellen Phosphoranteile auf“, erklärte Huge. Dennoch wollte Heiner Gerken (Grüne) es mit dem Pulver versuchen, fand aber im Ausschuss keine Mehrheit.

Für Bürgermeister Ralf Goebel, der gerne den Bürgerpark Visselseen nutzt, sei das Gewässer, „so schön es dort auch ist“, ohnehin nicht unbedingt als Badesee geeignet.

Nach Rücksprache mit Behörden sei man in der Verwaltung zu der Erkenntnis gekommen, dass generelles Badeverbot nicht über die gesamten Sommermonate ausgesprochen werden müsse, sondern „hoffentlich nur gelegentlich“. Denn nur zehn Prozent der Menschen würden auf Blaualgen reagieren. „Darum werden wir entsprechende Schilder mit klaren Hinweisen aufstellen, damit deutlich wird, dass das Baden auf eigene Gefahr geschieht“, so Goebel, der gemeinsam mit den anderen Ausschussmitgliedern hofft, dass sich die Situation im kommenden Jahr positiver darstellt. Auch für ihn ist eine städtische Investition von 210000 Euro utopisch: „Das steht nicht im Verhältnis zu der Zahl der Badegäste und wir können und wollen eine solche Summe angesichts unserer Finanzlage nicht aufbringen.“

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