Diskussion zum Thema „Flüchtlinge“ / Experten berichten über den Stand der Dinge

„Bislang keinerlei Probleme“

Marc Puschmann (l.) moderierte die Diskussion, während die Fachleute für Fragen zur Verfügung standen.

Visselhövede - „Was kann ich tun, wenn mir nachts eine Gruppe Flüchtlinge auf der Straße begegnet?“, wollte eine Frau wissen, die am Montagabend die Diskussion der Visselhöveder Kirchengemeinde besuchte. „Sich so verhalten, als ob es Gruppe Deutsche wäre. Da gibt es keinen Unterschied“, beschwichtigte Oberkommissarin Cathrin Senkbeil von der Visselhöveder Polizei.

Sie und eine Reihe weiterer Fachleute saßen auf dem Podium und standen unter der Moderation von Marc Puschmann für die interessierten Fragen der gut 40 Zuhörer zur Verfügung. Die St.-Johannis Kirchengemeinde hatte zu einem Informationsabend zur Flüchtlingssituation in der Stadt eingeladen. Schon am Eingang brachten die Besucher auf Flipchart-Tafeln ihre Fragen an, wovon viel Gebrauch gemacht wurde. Hanne Meier-Zindler, Vorsitzende, des Kirchenvorstands begrüßte die interessierten Gäste mit dem Hinweis, dass die Wahlen in drei Bundesländern gezeigt hätten, wie dringend das Flüchtlingsthema sei.

Bürgermeister Ralf Goebel erläuterte die Situation. Danach sind derzeit 164 Flüchtlinge in der Stadt dezentral untergebracht und 194 Menschen in der Kaserne. Dort können bis zu 450 Asylsuchende aufgenommen werden. Für die 164 Flüchtlinge hat die Stadt 28 Wohnungen angemietet. 44 schulpflichtige Kinder gehören zu diesem Personenkreis, 22 gehen in den Kindergarten. Die Bewohner des Camps erhalten Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld von 145 Euro.

Rund 60 Zuhörer folgten am Montagabend der Einladung der St.-Johannis-Kirchengemeinde, die zur Diskussion zum Thema „Flüchtlinge in der Stadt“ eingeladen hatte. -  Fotos: Zindler

„Ich hatte zunächst etwas Angst, ob alles gut gehen würde. Bislang zeigten sich jedoch keinerlei Probleme“, so Goebel. Das bestätigte nachdrücklich auch Cathrin Senkbeil. Angesprochen auf die vermehrt bettelnden Menschen an vielen Haustüren in der Stadt, sagte sie, dass es sich dabei oft um rumänische EU-Bürger handele und das Betteln zunächst einmal keine Straftat sei. „Es sei denn, es wird eine Notlage vorgegaukelt.“ Aber grundsätzlich könne die Polizei informiert werden, die die Personen überprüfe.

Eine Besucherin beklagte, dass Flüchtlinge, verlegt werden, obwohl sie im Camp bleiben wollen. Gustav Stegmann, Vorsitzender des Präventionsrats, wies darauf hin, dass das Camp nur eine Erstaufnahme-Einrichtung sei und für Neuankömmlinge wieder freigemacht werden müsse. „Im Übrigen sind die meisten aus dem Camp verlegten Flüchtlinge im Landkreis geblieben“, erläuterte Bürgermeister Goebel.

Pastor Jürgen Klein nahm zu den religiösen Fragen Stellung. „Wir sehen nicht den normalen, friedlichen Islam,“ sagte er, sondern durch die Medien werde der als Bedrohung dargestellt. Es sei nötig, die Muslime zu fragen, wie sie selbst den Islam verstünden. Er räumte aber auch ein, dass es Parallelgesellschaften durch Muslime gebe und es wünschenswert sei, dass sie sich mehr in die deutsche Gesellschaft integrierten. Klein setzte sich für einen Dialog der Religionen ein. So könne der Islam auch als Bereicherung verstanden werden.

Martin Pape nahm als Lehrer zur schulischen Situation der Flüchtlingskinder Stellung: „Sie sind emotionaler als die deutschen Schüler. Es braucht viel Zeit und Geduld, sie zu integrieren. Anders als deutsche Kinder, die im Ausland schnell eine fremde Sprache lernen, sind die Flüchtlingskinder durch Vorerfahrungen zum Teil erheblich belastet.“

Christina Golegos vom Diakonischen-Werk Rotenburg ist dort Ansprechpartnerin für Flüchtlingsfragen. Ihr Ziel ist es, Fortbildungsseminare für die ehrenamtlichen Helfer anzubieten. Pastor Peter Thom kündigte zum Schluss an, dass die Kirchengemeinde künftig etwa zweimal monatlich einen Café-Nachmittag als Beitrag zur Integration anbieten werde. Pastor i.R: Wolfgang Wattjes fand die Veranstaltung „gut“, aber vielleicht wäre es das nächste Mal besser, mit den Flüchtlingen reden“. -  wz

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