Birgit Erdmann verlässt Kita St.-Johannis nach 42 Jahren

„Immer noch mein Traumjob“

Birgit Erdmann freut sich nach 42 Jahren im evangelischen Kindergarten auf den Ruhestand.
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Birgit Erdmann freut sich nach 42 Jahren im evangelischen Kindergarten auf den Ruhestand.

Nach 42 Jahren endet für Birgit Erdmann am 9. Juli die Zeit im St.-Johannis-Kindergarten in Visselhövede. „Erzieherin ist immer noch mein Traumjob“, sagt die 64-Jährige und erinnert daran, dass die Betreuung früher ganz anders war als heute.

Visselhövede – „Tja“, sagt Birgit Erdmann und blinzelt in die Sonne, die an diesem Morgen durch die alten Laubbäume auf dem riesigen Gartengelände des Visselhöveder St.-Johannis-Kindergartens blinzelt. „Es ist schon irgendwie komisch, wenn man jahrzehntelang fast jeden Tag des Jahres hier war, und jetzt der Abschied unmittelbar bevorsteht.“ Aber es gibt kein Zurück: Am 9. Juli verlässt die Erzieherin nach 42 Jahren die Kindertagesstätte und geht mit 64 Jahren „leider in den dann ehrlich verdienten“ Ruhestand, wie ihre Chefin Michaela Lorke diesen Freitag schon ein bisschen fürchtet.

Aber bis dahin sind es ja noch einige Tage, in denen Erdmann ausführlich auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicken kann. „Und wie alles in den Jahren, hat sich natürlich auch der Kindergartenalltag gewaltig verändert. Früher mussten die Kinder drei Jahre alt und vor allem trocken sein. Meistens lief die Betreuung nur am Vormittag für etwa vier Stunden“, erinnert sich die Wittorferin, deren erste Chefin noch die berühmte Schwester Elisabeth war, weil der Kindergarten ja einen kirchlichen Hintergrund hat. „Es folgte mit Hanne Meier-Zindler die erste Leiterin ohne Haube auf dem Kopf“, betont Erdmann.

Kindergarten mit christlicher Prägung

Die Kita wurde 1910 als sogenannte Warteschule gegründet. Mütter, die in ortsansässigen Betrieben arbeiteten, konnten ihre Kinder ganztägig betreuen lassen. 1951 übernahm die evangelische Kirchengemeinde die Trägerschaft. Bis 1991 wurde der Kindergarten von Diakonissen geleitet. 1991 übernahm Hanne Meier-Zindler, seit 2017 ist Michaela Lorke Chefin. 1993 gab es einen großen Erweiterungsbau. Die Zahl der Vormittagskinder erhöhte sich von 75 auf 100 Kinder. 2001 wurde eine Integrationsgruppe eingerichtet. 2012 wechselte die Trägerschaft zum ev.-luth. Kindertagesstättenverband Rotenburg-Verden. Seit 2013 gibt es eine Krippengruppe und seit 2014 eine Ganztagsgruppe. Zurzeit besuchen 83 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren die Einrichtung.

Aber genau so wie das Outfit der Erzieherinnen habe sich auch die Betreuung verändert. „Heute geben Eltern ihre Kinder schon mit wenigen Monaten zu uns, natürlich auch bedingt durch die sich stetig wandelnden beruflichen Anforderungen. Und darauf müssten die Kindertagesstätten entsprechende Antworten parat haben. „Die Betreuung ist heute eine ganz andere als früher und das bedeutet auch viel mehr Verantwortung und viel mehr Ausbildung für uns Erzieherinnen.“ Das funktioniere natürlich nur mit einem entsprechendem Konzept, das sich am grundlegenden Leitbild einer jeden Einrichtung orientiere.

„In den vergangenen Jahren waren wir auf einem guten Weg die frühkindliche Bildung noch mehr als ohnehin schon zu intensivieren, und dann kam Corona, bevor wir die Startblöcke dafür verlassen konnten“, bedauert Erdmann die strikten Regeln, die mit Ausbruch der Pandemie von einem Tag auf den anderen gelten mussten.

„Plötzlich wurde unser wunderschönes Außengelände mit Trassierband in bestimmte Bereiche eingeteilt, die nur einer festgelegten Gruppe betreten werden durften. Ein Austausch war nahezu unmöglich“, erinnert sich Erdmann an das vergangene Jahr.

Darum wünscht sie dem Kindergarten vor allem, dass die offene Arbeit so schnell wie möglich wieder starten kann. „Denn die Kinder sollten entsprechend ihrer Fähigkeiten gefordert und gefördert werden, was bei uns in den bestimmten Kreativgruppen und Funktionsräumen stattfinden wird“, betont die Leiterin der Mäusegruppe, deren Kinder und Enkel ebenfalls im Haus betreut wurden. „Überhaupt ist es immer wieder amüsant, wenn ich Eltern treffe, die ich selbst schon in der Gruppe hatte und die jetzt ihre eigenen Kinder bringen. Dann sieht man erst, wie lange man schon dabei ist“, sagt Erdmann und tröstet mal eben ein kleines Mädchen, das zur Bank unter den alten Bäumen gelaufen kommt, um sich zu beschweren, weil die „Jungs mich immer ärgern“. Ein zärtliches Streicheln über den Kopf und ein aufmunterndes Wort helfen sofort – wie schon tausende Male in den vergangenen 42 Jahren. „Tja“, sagt Erdmann wieder, und blickt in den blauen Sommerhimmel, „Erzieherin ist immer noch mein Traumjob.“

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