Bildschirm statt Mistforke

Digitales Leben: Mark Schunert ist mit seinem Hof weit vorn

Mark Schunert kann auf einen Blick Düngung und Ertrag der Schläge sehen.

Visselhövede - Von Henning Leske. Einen landwirtschaftlichen Betrieb im digitalen Zeitalter zu führen, ist auf dem Süderhof in Visselhövede in allen Facetten zu erleben. Landwirt Mark Schunert ist in Sachen elektronischer Datenverarbeitung ein Vorreiter unter seinen Berufskollegen und versucht, die Erleichterungen der alltäglichen Betriebsführung durch den effizienten Einsatz digitaler Technik zu maximieren.

Angefangen bei der simplen Buchführung und dem Erfassen der Belege über die von Satelliten gesteuerten Trecker auf dem eigenen Acker bis hin zur infrarotüberwachten Gewichtszunahme bei seinen Mastschweinen läuft bei Schunert alles über computergesteuerte Systeme. Daher fordert er das Mobilfunknetz 5G nicht nur an jeder Milchkanne, sondern auch an jedem Schweinestall.

In einem mit Digitaltechnik vollgestopften Raum hat Schunert eine Übersicht seiner Schläge rund um Visselhövede auf dem großen Bildschirm. Insgesamt bewirtschaftet der Betrieb rund 200 Hektar Ackerfläche, die komplett digital mit GPS-Vermessung erfasst sind. Die für die Förderanträge wichtigen EU-Nummern der einzelnen Schläge, wie der Landwirt seine Felder nennt, sind automatisch hinterlegt. „Die Erfassung musste ich nur einmal mittels einer Daten-CD machen und ins System einlesen lassen, damit ich die Förderanträge dann alle digital für die Landwirtschaftskammer vorbereiten kann“, sagt Schunert. In der Folge könne er alle Fruchtfolgen und Daten für die Aussaat elektronisch festhalten, um der Dokumentation nachzukommen. „Papier ist ja noch nicht verboten, aber ich brauche das nur noch zum Unterschreiben für die Verträge“, scherzt der digitale Landwirt.

Der Trecker pflügt mit Satellitenunterstützung.

In seiner Farmnet-Software kann er Wetterdaten der vergangenen Jahre mit der Vorschau der kommenden Tage vergleichen. Außerdem werden Düngung und Ertrag für jeden Schlag genau dokumentiert. Somit kann Schunert die Wirtschaftlichkeit seiner Aktivitäten auf jedem Acker ermitteln, denn wie kaum anders zu erwarten, hat er auch seinen Maschinenpark voll vernetzt.

Der Mähdrescher misst schon auf dem Feld während des Dreschens den Feuchtigkeitsgehalt des Korns und die Menge pro Hektar. Die vorherigen Maschinenstunden pro Hektar sind auch abgespeichert.

Deswegen seien Dürrejahre wie der Sommer 2018 für ihn schon eine Einbuße, aber nicht existenzbedrohend, da er rechtzeitig sehe, wo Engpässe in der Liquidität des Betriebes aufkommen könnten, so Schunert. „Die staatlichen Hilfen für besonders schlechte Ernten durch extreme Wetterlagen sind daher in meinen Augen nicht unbedingt notwendig. Eine steuerfreie Risikorücklage wäre jedoch wünschenswert“, sagt er.

Den sonstigen Papierkram erledigt er in seinem papierlosen Büro, indem er alle Rechnungen oder Belege einscannt und mit der entsprechenden Software erfassen lässt. Schunert kontrolliert nur den Empfänger und den richtigen Betrag, was dann in einer Zahlungsdatei zusammengefasst an seine Hausbank gesendet wird. „Die Zeit, die andere mit dem Ausfüllen der Überweisungsträger verbringen, spare ich mir ein“, sagt Schunert. Einmal die Woche ungefähr eineinhalb Stunden benötigt er für den kompletten Papierkram samt Zahlungsverkehr. Außerdem wird die komplette Dokumentation zur neuen Düngeverordnung digital mit Werten von den Proben bis zum Verbrauch des Mineraldüngers organisiert. Deswegen steht er dieser Neuerung, die vielen Berufskollegen Sorgen bereitet, „eher gelassen“ gegenüber.

Per App wird das Schweinefutter gesteuert.

Aber bei aller digitalen Effizienz geht er täglich selber zweieinhalb Stunden in den Stall zur Schweinekontrolle, um seinen wertvollen Tierbestand mit eigenen Augen zu sichten. Aber auch dort setzt er elektronische Hilfsmittel ein. Eine Infrarotkamera überwacht zum Beispiel eine Schweinebox, wo anhand von rund 100 Aufnahmen täglich die Gewichtszunahme der Tiere beobachtet und automatisch optisch analysiert wird. Damit wird der Mastvorgang überwacht und für jedes Tier wird der optimale Termin für den Schlachthof prognostiziert. „Wenn das Schwein dann die 120 Kilo hat, kann der Viehtransporter kommen“, meint der Schweinemäster.

Selbst den Futtermittelbedarf steuert und checkt er mit einer Handy-App. „Das geht von überall, wo ich Netz habe.“ Darum hat Schunert auch eine dringende Forderung: „Mit meinem Handy kann ich im Haus eigentlich nur in der Küche telefonieren, weil sonst kein Netz ist. Deswegen brauchen wir schnell wenigstens 3 G oder 4 G in der Fläche. Denn am liebsten arbeite ich für meinen Betrieb im Büro“, resümiert der Agraringenieur, der aber „auch gerne auf dem Trecker“ sitzt.

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