Zwischen Visselhövede und Neuenkirchen

Beliebte Abkürzung: Rücksichtsloses Fahrverhalten weckt Unmut der Anwohner

+
Die Strecke zwischen Visselhövede und Delventhal ist derzeit auf dem Weg nach Neuenkirchen und umgekehrt eine beliebte Abkürzung – an heißen Tagen sieht man wie hier eine Staubwolke nach der anderen. Doch das ist besser, sagt die Stadt: Bei nassem Wetter würde viel mehr kaputt gehen.

Visselhövede - Ab Montag steht die nächste Vollsperrung auf der Strecke zwischen Visselhövede und Neuenkirchen an, der zweite Bauabschnitt auf der Landesstraße 171 zwischen Schwitschen und Hiddingen. Während die zuständige Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr aus Verden zufrieden verlauten lässt, dass die Arbeiten voll im Zeitplan liegen, herrscht bei den Anwohnern in der Visseler Mühlenstraße, der Hohen Straße und in Delventhal eher Unzufriedenheit – aber nicht wegen der Baustelle, sondern aufgrund des Verhaltens der Fahrer. Die Strecke, nicht als Umleitung gedacht, wird von Ortskundigen, Bussen sowie Lkws als eben solche genutzt – was grundsätzlich möglich ist, aber Schilder verbieten letzteren die Durchfahrt.

Anwohner mit Vierbeinern, die diesen Weg Richtung Breitensportclub für Hunde öfter nutzen, müssen stärker aufpassen als sonst – oder vermeiden die Strecke derzeit völlig. „Das ist gefährlich – und hier sind auch viele ältere Menschen unterwegs“, erzählt Manuela Julius, die gerade ihre beiden Hunde ausführt. „Ab der Kreuzung wird oft schon Gas gegeben, wir gehen kaum noch auf dem Feldweg.“ Ihre Katzen lässt sie mittlerweile nur noch nachts heraus – aus Sorge um die Sicherheit der Freigänger. „Hier ist so viel Verkehr wie noch nie, die Lärmentwicklung hat rapide zugenommen“, berichtet die Anwohnerin. Ihre Nachbarin Daniela Bohr schließt sich dem an. Auch sie sagt, dass sie die Strecke Richtung Hundeplatz nicht mehr nutzen. „Das ist einfach zu gefährlich“, merkt auch sie an, während sie mit ihrem Hund unterwegs ist.

Auch aus Delventhal kommt Unmut über die Nutzung, insbesondere im Hinblick auf das Ferienende, mit dem die Bauarbeiten bekanntlich nicht beendet sein werden. „Die Kinder fahren mit dem Fahrrad Richtung Visselhövede, da habe ich massiv Bauchschmerzen“, erklärt Henning Vesper. Für ihn sei es kein Problem, wenn Anwohner aus Hiddingen und Schwitschen die Abkürzung nutzten, aber „für alles andere habe ich kein Verständnis“. Zumal es eine befestigte Straße zwischen Hiddingen und Ottingen gebe.

Die Schlaglöcher werden durch den zunehmenden Verkehr immer größer.

„Wir wissen, dass man bei einer Baustelle nicht ungeschoren davonkommt, das ist uns klar. Aber das ist übel mit dem Lkw-Verkehr aktuell“, erzählt Mühlenstraßen-Anwohner Dieter Behnemann im Gespräch mit der Kreiszeitung. „Alles, was ortskundig ist, fährt hier durch nach Neuenkirchen und umgekehrt.“ Dabei gehe es ihm nicht um den Verkehr an sich, sondern das Verhalten der Fahrer: Bei Begegnungsverkehr müssen sie im oberen Teil der Mühlenstraße, wo es in die schmale Straße Richtung Delventhal übergeht, auf den Fußweg ausweichen – der ohnehin an dieser Stelle nur notdürftig geschottert ist. Auf der Feldstraße bleibt oft nur das Ausweichen auf den Randstreifen.

Während Behnemann erzählt, fahren einige Autos an ihm vorbei – mit Kennzeichen aus Hamburg, Lüneburg, Ansbach in Bayern und Nienburg. „Ihr Navi muss sie hier langführen“, sagt er. Anders könne er sich das nicht erklären. Da die Straße durch den starken Verkehr weiter in Mitleidenschaft gezogen wird und sich die Schlaglöcher vergrößern, hat Behnemann bei der Stadt angefragt, ob diese repariert werden. „Wenn es Umleitungsstrecken gibt, schauen wir uns natürlich die Seitenrandstreifen und die Straßen danach an“, sagt Mathias Haase, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, auf Nachfrage.

In der Mühlenstraße hat der Verkehr mit Beginn der Bauarbeiten immens zugenommen.

In einem sind sich die Nachbarn einig: Es müsse sich etwas tun. Schließlich sei der Heelsener Kirchweg, ebenfalls eine beliebte Abkürzung, kürzlich gesperrt worden. Wie die Polizei berichtet, fahre sie dort und auch in der Mühlenstraße Streife. „Der eine oder andere musste im Heelsener Kirchweg bereits sein Portemonnaie zücken und wurde verwarnt“, heißt es aus der Polizeistation. Dass eine Sperrung jedoch nicht so einfach ist, erklärt Rick Graue, Fachbereichsleiter Bau bei der Straßenverkehrsbehörde in Verden. „Wenn eine Gemeinde oder Stadt im Zuge von Baumaßnahmen auf uns zukommt, können wir Straßen sperren.“ Da jedoch in diesem Fall Anlieger eine Durchfahrt brauchen, gäbe es nur eine Absperrung. „Und die kann umfahren werden – das ist sowieso ein Riesenproblem. Dann nützt das nichts.“

Die Stadt erwägt regulierende Maßnahmen für die Strecke an der Mühlenstraße, teilt Bauamtsleiter Gerd Köhnken mit. Doch er bittet auch um Verständnis für die Umstände, vor allem die Fahrer: „Seit Jahren soll die Landesstraße saniert werden, im Ergebnis erhalten wir eine deutlich bessere Straße – da müssen wir jetzt durch.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Leipzig als Gruppensieger ins Achtelfinale

Leipzig als Gruppensieger ins Achtelfinale

Schützenhilfe von Barca: BVB zittert sich ins Achtelfinale

Schützenhilfe von Barca: BVB zittert sich ins Achtelfinale

Deutschland etwas besser, aber "mäßig" im Klima-Ranking

Deutschland etwas besser, aber "mäßig" im Klima-Ranking

Fotostrecke: Krise mal Krise sein lassen - Werder feiert Weihnachten

Fotostrecke: Krise mal Krise sein lassen - Werder feiert Weihnachten

Meistgelesene Artikel

Trotz Regens erfolgreicher Nikolausmarkt

Trotz Regens erfolgreicher Nikolausmarkt

War‘s das? FDP fordert Streichung des Weihnachtsmarkt-Zuschusses

War‘s das? FDP fordert Streichung des Weihnachtsmarkt-Zuschusses

Ausschuss kippt Haushaltsentwurf

Ausschuss kippt Haushaltsentwurf

Die Gemeinden im Wachstum

Die Gemeinden im Wachstum

Kommentare