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Tankrabatt kommt: Bei Hoyer glaubt man nicht an einen Effekt

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Von: Klaus Müller

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Eine Hoyer-Tankstelle in Walsrode
Eine Hoyer-Tankstelle in Walsrode: Das Unternehmen geht nicht davon aus, dass der 30-Cent-Tankrabatt ab Juni eine große Wirkung erzielen wird. © Müller

Ab Juni soll der Sprit an der Tankstelle 30 Cent günstiger werden, hofft die Bundesregierung mit Blick auf ein Hilfsprogramm. Beim Mineralölunternehmen Hoyer aus Visselhövede ist man skeptisch. Es könnte sogar noch teurer werden, befürchtet dessen Sprecher.

Visselhövede – Er kennt sich aus in dem Metier, weiß, wovon er spricht, wenn man ihn nach der zurzeit sehr unruhigen Situation auf dem Energiekosten-Markt fragt: Thomas Hartmann, Pressesprecher im europaweit immer mehr expandierenden Unternehmen Hoyer in Visselhövede, spricht von einem riesigen Durcheinander in der Branche, sagt, dass es noch viele Überraschungen auf dem Benzin- und Dieselpreis-Sektor geben wird.

Und er ist sich sicher: „Die von der Bundesregierung versprochene Reduzierung der Kosten um bis zu 30 Cent für drei Monate wird uns nicht weiterhelfen. Ich gehe davon aus, dass die Preise im Gegenteil noch ansteigen werden.“

Internationaler Markt, Pandemie und der Krieg als Einflussfaktoren

Der internationale Markt, die Geschehnisse rund um die Pandemie (von denen die Hoyer-Unternehmensgruppe mit ihren mehr als 2 000 Mitarbeitern auch betroffen war), der Krieg in der Ukraine, das seien Faktoren, die beim kommenden Preisspiel eine große Rolle spielen würden. Und natürlich auch, wie sich die Ölmultis verhalten. „Gerade meldet China wieder, dass Shanghai keine Corona-Erkrankten mehr hat. Das bedeutet, dass der Ölpreis wieder anziehen wird, dass die Spekulanten an der Börse wieder an der Schraube drehen werden.“ Hartmann sagt auch, dass in Schwedt, wo die Treibstoffe aus Russland ankommen, die letzte Schraube noch nicht verschlossen ist. „Sollten die Russen auch den Zugang sperren, wird es für uns alle noch enger. Hoyer hat Reserven, 150 Millionen Tonnen Öl in allen Lagern der Unternehmensgruppe mit ihren Niederlassungen in fast ganz Deutschland. Damit würden wir für eine Zeit auskommen, müssen allerdings noch Reserven vorhalten.“

Und: „Natürlich können wir uns den Treibstoff aus den Ölabbauländern holen, die mit riesigen Tankern auf die Weltmeere gehen. Aber wir würden vorfinanzieren müssen, hätten längere Anfahrtszeiten – und das alles hebt die Preise nur noch höher.“ Hoyer könne im Konzert der großen Abnehmer als sogenanntes B-Unternehmen mitmachen und mit eigenen Preisen an den Markt gehen. Damit sei das Unternehmen für die Hauptkunden, die Landwirtschaft, verlässlich; auch über die Zeit.

Der Markt bestimmt den Preis zurzeit an allen Ecken und Enden.

Thomas Hartmann

„Aber wir werden uns darauf allesamt einstellen müssen. Der Markt bestimmt den Preis zurzeit an allen Ecken und Enden.“ Dazu rücken die Sommerferien näher und damit sowieso steigende Preise an den Tankstellen, später ebbt das wieder ab. „Ab 1. Juni, so will es die Regierung, sollen alle aktuellen Preise gesenkt werden – für drei Monate. Bedeutet: Der Benzinpreis um 30 und der Dieselpreis um 14 Cent. Ich glaube, dass wir alle nicht sehr viel davon merken werden, weil andere die Preise regulieren.“

Man werde sich auf die gesamte neue Marktsituation einstellen, rechtzeitig und mit anderen Treibstoffen, so der 54-Jährige. Strom werde mehr in den Vordergrund gestellt werden – „wir wollen viele neue Stromsäulen aufstellen“, auf dem Gebiet der Solarenergie und auch auf des Wasserstoffs werde das Unternehmen, das für regenerative Energien eine eigene Abteilung aufgebaut hat, stärker aktiv werden.

„Wir wissen, dass die Kosten für Wasserstoff-Tankstellen und vor allem für mit Wasserstoff angetriebene Fahrzeuge noch sehr hoch sind“, aber man werde den Markt beobachten und möchte als einer der ersten auf dem Markt sein, wenn es richtig losgeht, so der Firmensprecher. 2024 wird das Familienunternehmen 100. „Dann werden wir noch besser aufgestellt sein“, ist sich Hartmann sicher.

Der Tankrabatt im Podcast

Um den Tankrabatt ab 1. Juni geht es auch in der neuen Folge unseres Podcasts „Kreis und Quer“. Eine Tankstellen-Betreiberin aus Syke gibt darin Einblick in die Vorbereitungen auf den 1. Juni und gibt Tipps, zu welchen Zeiten Autofahrerinnen und Autofahrer am besten tanken sollten. Die komplette Folge „9-Euro-Ticket und Tankrabatt: Was passiert am 1. Juni?“ gibt es ab sofort kostenlos auf Spotify, Apple Podcasts, YouTube und überall sonst, wo es Podcasts gibt. Feedback und Anregungen gerne an podcast@kreiszeitung.de.

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