Wittorferin nimmt einiges auf sich

Knochenmarkspende: 19-jährige Johanna Bargfrede gibt zweite Chance

Johanna Bargfrede würde jederzeit wieder Stammzellen spenden.

Für gesunde Menschen ist eine Stammzellspende keine große gesundheitliche Belastung. Für erkrankte Leukämiepatienten ist sie jedoch oft lebensrettend. Johanna Bargfrede aus Wittorf kann nun mit ihrer Hilfe ein neues Leben schenken.

Wittorf – Dass es so schnell ernst wird, hatte Johanna Bargfrede nicht gedacht. Im Mai 2018 hatte sie sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert. Bereits zwei Monate später erhielt sie einen Anruf, dass sie als Spenderin in Frage kommt – auf dem Weg in den Sylt-Urlaub. „Da war ich ziemlich überwältigt“, erzählt die 19-Jährige. 

Nun, Anfang Dezember, hat sie ihr Knochenmark gespendet und damit einem Leukämiepatienten die Chance auf ein neues und gesundes Leben geschenkt. Eine Stammzellspende ist ungewöhnlich für einen so jungen Menschen wie Bargfrede. „Es gibt ja oft Registrierungsaktionen, häufig an Unis oder Schulen, aber so viele machen das tatsächlich nicht“, weiß die Helferin. Verstehen kann sie das nicht. „Leukämie ist eine so verbreitete Krankheit. Da haben viele Leute indirekt etwas durch Verwandte oder Freunde mit zu tun, aber trotzdem ist das mit dem Registrieren noch nicht so angekommen, wie es sein könnte. Ich habe aber bemerkt, wie viele da noch Aufklärungsbedarf haben. Ganz viele Leute haben mir Fragen gestellt. Also das Interesse ist auf jeden Fall da.“ 

Überwindung der Angst vor Spritzen

Bargfrede war durch ihren Freundeskreis auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, anderen Menschen helfen zu können. Einige Freunde hatten sich vor ihr registriert und kurz nach ihrem 18. Geburtstag registrierte sie sich dann auch. Für die Spende nahm die Wittorferin einiges auf sich. Da wäre zunächst die Angst vor Spritzen, die sie überwinden musste. Einige Tage vor der Abgabe ihrer Stammzellen musste sie sich selber welche setzen, damit die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut geschwemmt werden. Das verursachte ziemliche Schmerzen. „Das kann passieren und war nicht schön“, so die ehemalige Rotenburger Ratsgymnasiastin. „Aber der Gedanke, einem Menschen dadurch helfen zu können, ihm eine zweite Chance zu geben, ein Leben retten zu können – da hieß es bei mir einfach nur noch: Augen zu und durch.“ 

Für die Voruntersuchung ging es nach Köln

Um eine Operation kam sie herum. Die war zunächst angedacht. Allerdings bekam dann ihr Empfänger einen Infekt und alles musste verschoben werden. Die Ärzte entschieden sich im zweiten Anlauf für eine Apherese. Bei diesem Prozess – ähnlich einer Blutwäsche – werden die Stammzellen aus dem Blut in den Armen herausgefiltert. Das dauert gewöhnlich drei bis fünf Stunden, ging bei Bargfrede aber schneller. „Nach zwei Stunden war ich schon durch“, sagt sie. Die ärztliche Betreuung allgemein war für die angehende Physiotherapeutin sehr angenehm. Für die Voruntersuchung ging es nach Köln. „Da wird man praktisch komplett durchgecheckt und kontrolliert, ob man überhaupt in der Verfassung ist, zu spenden“, erklärt Bargfrede. 

DKMS kommt für die Kosten auf

Ultraschall vom Bauchraum, EKG, Blutabnahme sowie Arztgespräche standen auf dem Plan. Dauer: drei bis vier Stunden. Die Ärzte, die die 19-Jährige dabei bereits betreut hatten, begleiteten auch den weiteren Verlauf der Spende und führten den Eingriff durch. Also ging es für die Wittorferin mehrmals nach Nordrhein-Westfalen. Doch vor hohen Kosten, zum Beispiel für die Fahrten, brauchen Spender nicht zurückschrecken. „Die DKMS – und es gibt ja auch noch viele andere Organisationen – zahlt wirklich alles“, verrät die Helferin. Die Zugfahrt, das Hotel, selbst das Taxi vom Bahnhof zur Klinik und auch ein Budget für Essen steht Patienten zur Verfügung. „Wenn mein Arbeitgeber mir den aus der Spende resultierenden Ausfall nicht bezahlen würde, würde ich auch das Geld wiederbekommen. Es soll so wenig Schaden für den Spender entstehen wie möglich“, erklärt Bargfrede. 

Bargfrede hofft auf Treffen mit Stammzellen-Zwilling

Also hat sich die gute Tat für die Auszubildende doppelt gelohnt. „Ich war vorher noch nie in Köln und bin meistens schon einen Tag vorher angereist, um die Stadt zu sehen“, erklärt sie. Zur Spende übernahm die DKMS dann auch noch sämtliche Kosten für eine Begleitperson – Bargfredes Mutter. Nun heißt es für die Spenderin abwarten. „In ein paar Monaten wird mir gesagt, ob mein Patient die Transplantation gut überstanden hat“, sagt Bargfrede. Sie hofft darauf, ihren Stammzellen-Zwilling bald auch zu treffen. Wer das ist, weiß sie jedoch noch gar nicht. Lediglich Herkunftsland, Alter und Geschlecht wurden ihr verraten. „Das war für mich trotzdem ein sehr emotionaler Moment. Man hatte plötzlich etwas Greifbares. Mehr darf ich erst nach einer Anonymitätsfrist von zwei Jahren erfahren“, erklärt Bargfrede. 

Die junge Frau würde jederzeit wieder spenden und wirbt nun auch verstärkt in ihrem Umfeld für eine Stammzellspende. „Das Gefühl, das man hat, wenn man auf diese Weise helfen kann, ist unbeschreiblich“, sagt die 19-Jährige. „Und die Registrierung bei der DKMS ist wirklich super unkompliziert.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Amtsenthebungsverfahren - Trump: Würde gern hingehen

Amtsenthebungsverfahren - Trump: Würde gern hingehen

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

So beugen Sie dem Hexenschuss vor

So beugen Sie dem Hexenschuss vor

Meistgelesene Artikel

Rotenburger CDU hat ihren Kandidaten für die Wahl 2021 gefunden

Rotenburger CDU hat ihren Kandidaten für die Wahl 2021 gefunden

Ärger nach Trecker-Demo: Bauern beseitigen Spuren des Protests

Ärger nach Trecker-Demo: Bauern beseitigen Spuren des Protests

Große Party im Zweijahrestakt

Große Party im Zweijahrestakt

Erfolglose Suche nach Vermisstem: Nachbarn finden toten Mann im Garten

Erfolglose Suche nach Vermisstem: Nachbarn finden toten Mann im Garten

Kommentare