Uwe Holstens Umgestaltungs-Idee wird abgelehnt

Die Bahn bleibt hart

Wie kommt man von einem Bahnsteig zum anderen? Die Bahn plant weite Wege und lehnt Ideen von Bürgern ab.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die Idee ist ganz einfach – zumindest für die Leute, die früher mal mit Eisenbahnen gespielt haben: Ein Wartegleis für den einen Zug, der dann an den vorhandenen Bahnsteig fährt, wenn der entgegenkommende Zug durch ist. Mit dieser simplen und auch für Laien nachvollziehbaren Planung für den Umbau des Visselhöveder Bahnsteigs war Uwe Holsten im Sommer bei der Bahn und der Landesnahverkehrsgesellschaft vorstellig geworden.„Allerdings vergebens“, wie der Visselhöveder jetzt mitteilt. „Denn wegen der zu erwartenden Kosten und einem möglichen Rückbau bei der Ertüchtigung der Amerika-Linie wurde meine Idee abgelehnt.“

Hintergrund seiner Planungen ist die Umgestaltung der „Verkehrsstation Visselhövede“, wie der Haltepunkt im Bahnjargon heißt. Denn nach vielen Jahren der Forderung der Kommunalpolitiker sollen spätestens 2021 auch Rollstuhlfahrer barrierefrei die Züge nutzen können. Parallel dazu wird der arg marode Bahnsteig modernisiert.

Den aktuellen Planungen der Bahn zufolge, wird dabei der Fußgängertunnel, der die beiden Gleise verbindet, zugeschüttet. Einen Ersatz gibt es nicht. Stattdessen müssen Reisende, die einen Zug in Richtung Uelzen am Gleis zwei nutzen wollen, erst rund 150 Meter in Richtung Rosenstraße gehen, dort den vorhandenen Bahnübergang gemeinsam mit den Autos nutzen und dann wieder rund 150 Meter zurück an den Bahnsteig gehen.

„Unzumutbar“, findet Uwe Holsten. Und nicht nur der, sondern auch die Politiker aller Parteien haben gegen diese Pläne bereits protestiert. Dabei stand die Situation für Gehbehinderte im Fokus, die „den Weg bis dahin wohl kaum schaffen werden, auch wenn man bereits fünf Minuten vor der Zugabfahrt am Bahnhof ist“, so der einhellige Tenor. Außerdem sei es für Menschen, die auf Rollatoren oder Rollstühle angewiesen seien, nahezu unmöglich „die Holperstrecke am Bahnübergang zu überwinden“.

Darum hatte Uwe Holsten sich so seine Gedanken gemacht, wie man die Kuh vom Eis kriegen könnte: „Ich stelle mir den Einbau eines Zwischensignals am Gleis zwei aus Richtung Langwedel sowie zwei Weichen am jetzigen Güterbahnhof für die Weiterfahrt des Reisezugs vom Gleis zwei nach Gleis eins an den Bahnsteig eins vor.“

Bei Zugkreuzungen könnte nach Holstens Idee wie folgt verfahren werden: „Erstens: die Einfahrt des Zugs aus Soltau nach Gleis eins mit vorhandenem Bahnsteig. Zweitens: die Einfahrt des Reisezugs aus Langwedel nach Gleis zwei bis vor das Zwischensignal. Dann fährt der Zug vom Gleis eins in Richtung Langwedel. Ist der vorbei, nutzt der wartende Zug in Richtung Soltau die neuen Weichen von Gleis zwei zum Gleis eins bis an den Bahnsteig eins und fährt anschließend weiter.“

Mit der Umsetzung seines Vorschlags wäre die vorhandene Bahnsteigunterführung überflüssig und die geplante Erweiterung des Bahnsteigs zwei könnte entfallen. „Eine Gefährdung der Reisenden auf dem langen Umweg über den Bahnübergang Rosenstraße wäre so ausgeschlossen“, vermutet Holsten.

Aber die Bahn macht jetzt Schluss mit diesen Planungen: Zwar wäre eine Unter- oder Überführung möglich, die durch Rampen oder Aufzüge auch barrierefrei gestaltet werden könnte, hat Bärbel Aissen vom Regionalbereich Nord der DB Netz Uwe Holsten geschrieben. „Aber in 90 Prozent der Fälle wird Bahnsteig eins genutzt und es gibt auch keine sogenannten Umsteigesituationen in Busse, sodass wir mit der Landesnahverkehrsgesellschaft, die die Umgestaltung fördert, übereingekommen sind, dass eine Brücke oder ein Tunnel nicht mit der gebotenen, sparsamen Mittelverwendung umsetzbar ist.“

Für Aissen steht fest, dass der „nahegelegene Bahnübergang Rosenstraße für die wenigen Fälle, bei denen das Gleis zwei genutzt wird, als Querung“ reiche.

Auch ein Übergang direkt am Bahnsteig nach Walsroder Vorbild, so wie sie Ratsherr Eckhard Langanke (WiV) ins Gespräch gebracht hatte, und bei der kleine Schranken für Sicherheit sorgen, wird es nicht geben.

Aissen: „Bei einer Realisierung des Projekts Amerika-Linie müssten die Anlagen zurückgebaut werden.“ Damit sei eine Förderfähigkeit nicht mehr gegeben.

Das gelte auch für die Holsten-Idee: „Die Kosten für den Neubau und die Instandhaltung von Weichen und Zwischensignalen erreichen mindestens die Größenordnungen wie die von Aufzügen und Rampen.“

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