Edeka-Planungen: Wassersportvereine wollen aber abwarten / „Fakten sammeln“

Badzukunft bereitet Sorgen

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Barbara Schliep

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld und Jens Wieters. Nach dem unsere Zeitung exklusiv berichtet hatte, dass der Lebensmittelkonzern Edeka einen Vollsortimenter auf dem Visselhöveder Hallenbadgelände plant und auch das defizitäre Vissel-Bad gleich mit übernehmen will, machen sich vor allem die Wassersportvereine Sorgen um die Zukunft des Hallenbads.

Zwar sind es vorerst reine Gedankenspiele und bis die erste Tüte Milch und die erste Scheibe Wurst in einem neuen Supermarkt über die Ladentheke gereicht werden, wird noch viel Wasser die Vissel herunterfließen, aber schon heute Abend bekommen die Ratsmitglieder bei einer nichtöffentlichen Sitzung von einem Planungsbüro viele Informationen.

Bernhard Haug 

Bereits im Vorfeld haben sich die Vorstände der Visselhöveder Wassersportvereine Gedanken gemacht. „Wir gucken allerdings nicht so weit in die Ferne. Man weiß noch nicht, was passiert“, äußert sich Dieter Bortz, Vorsitzender des Visselhöveder Schwimmclubs (VSC), der über 200 Mitglieder zählt. „Wir sind grundsätzlich gegen einen Verkauf, aber es kommt darauf an, was mit dem Bad passiert!“ Ein privater Betreiber, so fürchtet der Vorsitzende, würde die Eintrittskosten in die Höhe treiben. „Wir kennen es von anderen Vereinen. Sie können keine Wettkämpfe mehr ausrichten, geschweige denn trainieren, weil sie die Kosten nicht aufbringen können.“ Auch für die Kinder und Jugendlichen wäre eine drastische Erhöhung der Eintrittspreise nicht zumutbar. Daher sieht der 49-Jährige eine Gefahr für die Vereine. „Es betrifft ja nicht nur unseren VSC sondern auch andere, die unter einem Privatbetreiber leiden würden.“ Mit der Stadt hat der Verein keine Schwierigkeiten, da alles problemlos läuft. „Die Zusammenarbeit ist super. Wir können uns absolut nicht beschweren.“

Vissel-Bad durch Aktionen stärken

„Abwarten und Tee trinken“, lautet auch die Devise von Barbara Schliep, Vorsitzende des Wassersport-Fördervereins (WFV). Der hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Vissel-Bad durch Aktionen wie unter anderem Sauna-Motto-Wochen oder auch Wellness-Veranstaltungen zu machen. „Ich denke, wir müssen erst einmal mit allen Beteiligten sprechen und Fakten sammeln, bevor man eine Aussage treffen kann.“ Die Visselhövederin möchte sich erst einmal in Ruhe die Planungen anhören, bevor „man sich die Köpfe heiß redet“ und dann entscheiden, ob es für die Vereine gut oder schlecht ist.

„Egal wer das Bad kauft, derjenige wird es sicher nicht weiterbetreiben“, ist sich Bernhard Haug, Vorsitzender des Kneipp-Vereins, sicher. „Aber wir brauchen das Schwimmbad, da die anderen Hallenbäder zu weit weg oder aber reine Spaßbäder sind.“ Von seinem Verein nutzen rund 150 bis 170 Mitglieder aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig das Angebot, beziehungsweise die Sauna oder nehmen an der Wassergymnastik teil. Eine weitere Gefahr, die der 66-jährige Reha-Sportler bei der Entstehung eines Vollsortimenters sieht, ist das „Sterben der Geschäfte in der Innenstadt“.

Relativ gute Erfahrung mit der damaligen Teilprivatisierung durch Dirk Reinke hat offenbar Gaby Stöhr, Vorsitzende der DLRG, gemacht. „Damals wurden die Vereine unterstützt. Ob man uns nach einem Verkauf überhaupt noch haben will, ist fraglich“, so Stöhr, die aber für alle Gespräche offen ist. Ebenso stellt sie und der Verein mit seinen 183 Mitgliedern nach wie vor gerne Aufsichtspersonal zur Verfügung, wenn es Not tut. „Und wir machen gerne Kinderbelustigung, das ist einfach unser Ding. Wir sind jedenfalls froh, wenn das Bad in irgendeiner Form erhalten bleibt.“

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