Rentner erlebt nach Unfall Schreckminuten

Im Auto eingeklemmt – und niemand hilft

Nicht jeder Unfall endet so dramatisch wie dieser hier, aber Vorbeifahrende müssen in jedem Fall helfen. - Foto: Wieters (Archiv)
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Nicht jeder Unfall endet so dramatisch wie dieser hier, aber Vorbeifahrende müssen in jedem Fall helfen.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Ein geplatzter Reifen, eine falsche Reaktion bei einem Tier auf der Straße, eine regennasse Fahrbahn und schon knallt es. Verkehrsunfälle geschehen nicht nur mit Beteiligung von anderen Autos, sondern aus welchen Gründen auch immer kann die Fahrt an einem Straßenbaum enden.

Ist der Fahrer im Wagen eingeklemmt, hilft nur Rettung von außen. Was aber, wenn andere Verkehrsteilnehmer einfach an der Unfallstelle vorbeifahren? So geschehen vor einigen Monaten im Raum Visselhövede, als ein Rentner mit seinem Auto gegen einen Baum prallte. Der Wagen wurde bei dem Crash total zerstört, der Fahrer war im Wrack eingeschlossen, weil sich die Türen nicht öffnen ließen. 

„Ich habe wie wild mit dem Armen gestikuliert, um andere Autofahrer auf meine Notsituation aufmerksam zu machen“, so der Unfallfahrer, der bei dem Zusammenprall zum Glück nur leichte Verletzungen erlitten hatte und seinen Namen nicht so gerne in der Zeitung lesen möchte.

Vier Autos fahren einfach vorbei

„Aber das Winken hat überhaupt nicht geholfen. Vier Autos sind zum Teil sogar langsam an mir vorbeigefahren. Die Fahrer haben mich sogar direkt angeschaut, aber nicht angehalten“, klagt der Mann über diese Art der unterlassenen Hilfeleistung. Erst der Fahrer des fünften Autos habe die demolierte Tür von außen aufbekommen und ihn so befreien können.

Nun ging der Unfall des Rentners ja noch relativ glimpflich aus. „Was aber, wenn ich richtig schlimm verletzt gewesen wäre oder das Auto sogar angefangen hätte zu brennen“, will sich der Mann nach dem Gespräch mit unserer Zeitung „aber lieber keine Gedanken mehr machen“. Nur einen Appell schickt er an alle, die auf den Straßen unterwegs sind: „Haltet an und helft!“

Dass das nicht nur eine Selbstverständlichkeit ist, sondern sogar eine Pflicht, die im Gesetz verankert ist, bestätigt Heiner van der Werp, Pressesprecher der Rotenburger Polizei. „Für jedermann besteht die Pflicht, bei Unglücksfällen Hilfe zu leisten, soweit sie erforderlich und dem Einzelnen zuzumuten ist.“

Unterlassene Hilfeleistung

Nach Paragraf 323 des Strafgesetzbuches liege sogar eine Straftat vor, wenn bei einem Unglücksfall nicht Hilfe geleistet werde. „Der geschilderte Verkehrsunfall entspricht dem geforderten Unglücksfall, die Hilfeleistung wäre sicherlich erforderlich und für die Vorbeifahrenden auch absolut zumutbar gewesen“, so van der Werp.

Die Polizei empfehle bei Unfällen dieser Art natürlich sofort den Notruf 110 oder 112 zu wählen und den Vorfall zu melden. „Das geht recht schnell und dauert höchstens eine Minute. Dann sollte man sich sofort den Verletzten zuwenden und Erste Hilfe leisten. Dazu ist jeder verpflichtet. Da gibt es kein Vertun und auch keine Ausrede!“, stellt der Beamte ausdrücklich klar.

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